Istanbul- Stadt mit 1000 Gesichtern
Istanbul empfängt uns spät am Abend. Nachdem wir schon 40km durch Vorstädte und Hochhauskomplexe gefahren waren, habe ich den Camper unter Moritz’Anleitung durch Straßenkreuze und enge Gassen mach Yenikapi gelenkt. Mit nur wenigen „Verfahrern“ waren wir am einzigen innerstädtischen Campingplatz Istanbuls angelangt. Auf dem Parkplatz des Vereinsheims eines Fußballclubs parken dicht an dicht Wohnmobile aus der ganzen Welt, dirigiert von 3 wechselnden Platzwarten, die alle das weiße Feinripphemd und die gute Laune gemein haben. Für 10€ am Tag parkt man fußläufig zur blauen Moschee und eine Waschmaschine gibt es auch. Ein gutes Flair für unsere Tage in der Metropole. Sie ist so unterschiedlich, so riesig, so abwechslungsreich, so touristisch, so natürlich, so glitzernd, so dreckig, so teuer und gleichzeitig auch mal günstig, so europäisch, so anatolisch dass wir sie nicht beschreiben können. Es sind viele verschiedene Großstädte in einer und wir haben uns neben den klassischen Sehenswürdigkeiten jeden Tag ein…
Bergama, eine spannende Mischung aus Antike und Moderne
Wir wollten den Westen der Türkei nicht verlassen, ohne uns Bergama/Pergamon angesehen zu haben. Dafür haben wir auf dem Weg nach Istanbul einen Umweg in Kauf genommen, der sich absolut gelohnt hat. Während man an anderen antiken Ausgrabungsstätten zwischen 3 Säulenresten und 2 Mauern viel Phantasie braucht, ist in Bergama an mehreren Orten so viel erhalten, dass es uns allen leicht fiel ein Gefühl für die Dimensionen der antiken Stadt zu bekommen. Bergama hatte zur Blütezeit unter den Attaliden etwas mehr als 100.000 Einwohner. Das sind mehr als am heutigen Tag. Dies ist die so genannte rote Halle. Hierbei handelt es sich um einen Tempel zur Verehrung ägyptischer Gottheiten, der nach dem Niedergang der Attaliden, durch die nun herrschenden römischen Kaiser erbaut worden ist. Im Tempel hat man viele Kultgegenstände gefunden, die es so in der Gegend nicht noch einmal gibt. Deshalb geht man davon aus, dass es sich eher…
Endlich in der Türkei oder – kleine Odysee um Homers Troja zu erreichen
Nach einigen herrlich entspannten Tagen am Donaudelta fühlten wir uns gewappnet die Reise in die Türkei in einem Stück anzutreten. Wir sind, aufgrund der Hitze, extra früh losgefahren um möglichst viel Zeit noch im Kühlen fahren zu können. Das war auch gut so, hat allerdings trotzdem nicht dazu geführt dass wir schnell voran kommen. Nach 300km, für die wir 9 Stunden gebraucht haben, sind wir kurzerhand in Bulgarien von der geplanten Route abgewichen, haben am Strand geparkt und es für den Tag drangegeben. Belohnt wurde es, trotz eines leider sehr vermülltem Strandes, mit dem ersten Bad im Meer seit Beginn unserer Reise. Am nächsten Morgen ging es nach dem ersten Lernen im Camper, schließlich war in NRW der erste Schultag, weiter in Richtung Türkei. Einreiseformalitäten und Visa waren relativ schnell erledigt. Und hätten wir nicht 3 Stunden in der Schlange vor der Ausreise gestanden, wäre es eine richtig schnelle Nummer…
Das Donaudelta
Um 5.50 Uhr sind wir heute morgen aufgebrochen um mit einem kleinen Boot ins Donaudelta zu fahren. Glücklicherweise bieten die Eigentümer unseres aktuellen Campingplatzes solche Touren an und so mussten wir nur dafür sorgen, dass wir pünktlich im Einganhsbereich des Platzes waren. Das Aufstehen um 5.00 war hartes Brot! Doch der Nebel über dem Delta und die aufgehende Sonne über dem Wasser haben uns reich belohnt. Außer uns waren nur wenige Berufsfischer und ein weiteres Boot vom Platz unterwegs. Außerdem war es bei wieder deutlich über 30°C herrlich nach 4 Stunden auf den schattigen Platz zurückzukommen und nicht in der Sonne auf dem Wasser zu braten. Das Delta ist das zweitgrößte Flussdelta in Europa (nach der Wolga) und ein riesiges Vogelparadies. Die Donau hat hier im Mündungsgebiet drei große schiffbare Arme, die ins Schwarze Meer münden. Der größte und tiefste bildet gleichzeitig die Staatsgrenze zwischen Rumänien und der Ukraine. Von…
Südliche Karparten- ganz viele Störche und fast keine Bären
Eine häufige Reaktion auf unsere Aussage nach Rumänien zu fahren war: „Oh, mutig, da gibt es Bären.“ Da wir bis hierher zwar die großen Herdenschutzhunde, reichlich Schilder und auch Zäune gesehen haben, aber keine echten Bären, sind wir in eine sehr empfohlene Bärenauffangstation in der Nähe von Brasov gefahren. Hier werden seit 2005 ca. 190 ausschließlich europäische Braunbären auf einem 86 Hektar großen eingezäunten rumänischen Urwalds gehalten. Bei den Bären waren handelt es sich vor allem um gerettete Tiere, die unter grausamen Bedingungen in Zirkussen, Privatzoos oder neben Tankstellen gehalten wurden. Sie kennen kein Leben in freier Natur und können nicht ausgewildert werden, haben so aber die Chance auf ein artgerechtes Lebensende. In den letzten Jahren ist die private Bärenhaltung verboten worden und so sind die Neuzugänge jetzt meistens verwaiste Bärenjunge, deren Mutter gewildert oder als „Problembär“ geschossen wurde. Insgesamt gibt es wohl 7000 Braunbären in Rumänien (eine aktuelle Zählung…
Sighişoara/Schäßburg
Das am besten erhaltene Städtchen Siebenbürgens mit vielen Türmen, intakter Ringmauer und vielen bunten Häusern. Angeblich soll es der Geburtsort von Vlad Tepes Draculae, dem historischen Vorbilds Graf Draculas sein. Ein bißchen Rothenburg ob der Tauber in Rumänien- ohne Käthe Wohlfahrt, aber mit reichlich anderen Souvenirshops.
Siebenbürgen oder – Plötzlich sieht man überall deutsch
Nach ganz viel Natur war wieder Zeit für etwas Kultur, auch wenn das bei Temperaturen von über 35° herausfordernd war. Zunächst waren wir in Alba Iulia oder Kronstadt und haben die dortige Altstadt, die in der Zitadelle liegt, angesehen. Montags haben alle Museen geschlossen und tatsächlich ist die gesamte Altstadt mittlerweile Kirche und Museum. Aber die Kirchen, orthodox und katholisch, waren schön und die Befestigungsanlagen eindrucksvoll. Ansonsten gab es in Alba Iulia leckeres Eis und viel sowjetische Plattenbauten zu sehen. Da zum längeren Bewohnen des Campers auch mehr Alltag gehört als im Urlaub, hatten wir dort auch die Gelegenheit einen rumänischen Baumarkt kennenzulernen. Entgegen meiner Erwartung hatte dieser nahezu alles- in Lagerhallengröße bis unters Dach. Die, an der polnischen Gasflasche fehlende, Dichtung konnte also ersetzt werden und wir weiter nach Sibiu fahren. Auf dem Weg nach Sibiu haben wir die erste Wehrkirche besichtigt. Eine zur Festung ausgebaute Kapelle, die im…
Padis Plateau oder „Haben wir eigentlich Socken eingepackt?“
Nach einigen ruhigen Tagen auf einem wunderschönen Bauernhof-Campingplatz in der niederen Tatra in der Slovakei sind wir, mit einem Zwischenhalt zum Treffen von Freunden in Budapest, über Ungarn weiter nach Rumänien gefahren. Die erste positive Überraschung waren die guten Straßen. Nachdem in Ostungarn auch die Fernstraßen gruselige Schlaglochpisten waren, fiel uns in Rumänien als erstes der gute Straßenbelag selbst innerorts auf. Zum Glück hatte der Camper vor der Abreise noch neue Blattfedern bekommen. Wir waren dankbar und das Geschirr in den Schränken ebenfalls. Zunächst haben wir in Baile Felix, oder Felixbad Station gemacht, einem kleinem Badeort,der aufgrund von Thermalquellen (fast) mehr Schwimmbäder als Einwohner hat. Dafür kommen sehr viele Touristen um eben diese Quellen zu „bebaden“. Das scheint in Westrumänien, aber auch Ostungarn beliebt zu sein. Mit dem Apollo Strand Bad haben wir uns dann auch die Deluxe Variante eines Freibads ausgesucht. Wobei das vor allem daran lag, dass dies…
Breslau aus allen Perspektiven- oder alle auf Zwergenjagd
Das letzte verlängerte Wochenende haben wir in Breslau verbracht. Wir hatten einen Parkplatz direkt an der Oder und am Freitag sogar das Glück, dass direkt auf der Promenade vor unserer Campertür ein Streetfoodfestival aufgebaut wurde. Das bedeute musikalische Begleitung bis tief in die Nacht, sicherte aber auch das Abendessen mit Panorama direkt vor der Tür.Breslau präsentierte sich uns als hippe Großstadt, die Gesichter und Sprachen aus allen Ecken Europas beherbergt, die sicher von über 100.000 Studenten profitiert, die einerseits eine wunderschön restaurierte Altstadt und unzählige Brücken, Kanäle, Parks, Promenaden und Bars am Wasser hat, andererseits aber auch noch viele Viertel und Straßenzüge, die so heruntergekommen sind, dass man die 80 Jahre alten deutschen Ladeninschriften über den Türen sieht. Gerade die richtige Mischung um schön, aber nicht unsympathisch zu sein ;). Wir haben die Schöne jedenfalls aus allen Perspektiven bewundert: In den Straßen, von der Spitze des Domes und mit dem…
Friedenskirche
Auf dem Weg von Jelenia Góra nach Breslau haben wir, auf Angelikas Empfehlung hin, eine der drei Friedenskirchen angesehen, die zum Unesco Welterbe gehören. Entgegen meiner Erwartung handelte es sich nicht um einen Frieden des 20. Jahrhunderts, sondern um eine Vereinbarung, die im Rahmen des westfälischen Frieden nach dem 30-jährigem Krieg getroffen wurde. Die katholischen Habsburger mussten als Zugeständnis an ihre protestantischen Untertanen in Niederschlesien den Bau einer Kirche erlauben. Da sie diese eigentlich nicht haben wollten, gab es eine Reihe Schikanen, die beim Bau erfüllt werden mussten. So musste die Kirche eine Kanonschussweite außerhalb der Stadtmauern liegen, durfte nur aus vermeintlich vergänglichen Materialen wie Holz, Sand, Stroh und Lehm erbaut werden, durfte keinen Turm und keine Glocken haben und durfte die Bauzeit von einem Jahr nicht überschreiten. Die evangelisch-augsburgische Gemeinde hat mit einer Fachwerkkirche eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass trotz dieser Auflagen eine Kirche entstehen kann, die nun seit…









