Siebenbürgen oder – Plötzlich sieht man überall deutsch

Siebenbürgen oder – Plötzlich sieht man überall deutsch

Nach ganz viel Natur war wieder Zeit für etwas Kultur, auch wenn das bei Temperaturen von über 35° herausfordernd war. Zunächst waren wir in Alba Iulia oder Kronstadt und haben die dortige Altstadt, die in der Zitadelle liegt, angesehen. Montags haben alle Museen geschlossen und tatsächlich ist die gesamte Altstadt mittlerweile Kirche und Museum. Aber die Kirchen, orthodox und katholisch, waren schön und die Befestigungsanlagen eindrucksvoll. Ansonsten gab es in Alba Iulia leckeres Eis und viel sowjetische Plattenbauten zu sehen. Da zum längeren Bewohnen des Campers auch mehr Alltag gehört als im Urlaub, hatten wir dort auch die Gelegenheit einen rumänischen Baumarkt kennenzulernen. Entgegen meiner Erwartung hatte dieser nahezu alles- in Lagerhallengröße bis unters Dach. Die, an der polnischen Gasflasche fehlende, Dichtung konnte also ersetzt werden und wir weiter nach Sibiu fahren.

Auf dem Weg nach Sibiu haben wir die erste Wehrkirche besichtigt. Eine zur Festung ausgebaute Kapelle, die im Mittelalter als Schutzort für das ganze Dorf bei Angriffen diente. Im Laufe der Geschichte war die Gegend häufig umkämpft und wechselnde Herrscher aus Österreich oder dem osmanischen Reich verwüsteten auf ihren Feldzügen auch mal ganze Dörfer. Aus diesem Grund sind in vielen Dörfern Wehrkirchen entstanden. Im 12. Jahrhundert, wahrscheinlich im Rahmen der Kreuzzüge, siedelten hier Deutsche vornehmlich aus dem Gebiet zwischen Mosel und dem heutigen Luxemburg, teilweise aber auch aus Bayern und Österreich. Hier allerdings wurden sie zu Sachsen, was ein Ausdruck für freie Bürger entsprach. Hier gab es, im Gegensatz zu Heimat, viel freies Land. Bis 1918 war Siebenbürgen ein eigenständiges Fürstentum mit mehrheitlich deutscher, aber auch ungarischer und rumänischer Bevölkerung. In der Kirche fiel uns dann das erste Mal auf, dass alle alten Inschriften auf deutsch sind. „Mama,ich konnte auf einmal alles lesen!“

Noch deutlicher war es in Sibiu. Hier sind viele Häuser aus dem Mittelalter erhalten und man sieht es an Türstöcken, Ladenschildern und Hotelnamen. Gleichzeitig merkt man, dass Deutsche auch die Hauptgruppe der Touristen bilden. Die erste Fremdsprache ist hier überall deutsch. Am weitesten geht dabei scheinbar die evangelisch lutherische Gemeinde. Hier ist jeder Gottesdienst auf Deutsch. Davon konnten Anna und ich uns selber überzeugen, als wir aus Schutz vor dem hereinbrechenden Unwetter in der Mittagsandacht landeten. Das Gewitter beendete unsere Besichtigungstour in der Stadt. Auf 19° und Regen war kleidertechnisch niemand vorbereitet- viel zu kalt 😉

1 Kommentar

Interessanter Bericht über Siebenbürgen. Da sind wir 1979 mal mit Auto und Zelt durchgefahren, dann über die Karpaten nach Bulgarien und Türkei nach Griechenland. Alles Gute noch und ein paar Grad weniger auf Eurer weiteren Reise. Wir werden die Reise weiter verfolgen.

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