Bergama, eine spannende Mischung aus Antike und Moderne

Bergama, eine spannende Mischung aus Antike und Moderne

Wir wollten den Westen der Türkei nicht verlassen, ohne uns Bergama/Pergamon angesehen zu haben. Dafür haben wir auf dem Weg nach Istanbul einen Umweg in Kauf genommen, der sich absolut gelohnt hat. Während man an anderen antiken Ausgrabungsstätten zwischen 3 Säulenresten und 2 Mauern viel Phantasie braucht, ist in Bergama an mehreren Orten so viel erhalten, dass es uns allen leicht fiel ein Gefühl für die Dimensionen der antiken Stadt zu bekommen. Bergama hatte zur Blütezeit unter den Attaliden etwas mehr als 100.000 Einwohner. Das sind mehr als am heutigen Tag.

Dies ist die so genannte rote Halle. Hierbei handelt es sich um einen Tempel zur Verehrung ägyptischer Gottheiten, der nach dem Niedergang der Attaliden, durch die nun herrschenden römischen Kaiser erbaut worden ist. Im Tempel hat man viele Kultgegenstände gefunden, die es so in der Gegend nicht noch einmal gibt. Deshalb geht man davon aus, dass es sich eher um einen Prestigebau der neuen Herrscher, als um einen Tempel der Menschen in Pergamon handelte. Im römischen Reiches galt Pergamon als die bedeutendste Stadt in Kleinasien.

Weithin sichtbar ist auch das Theater auf der Akropolis. Zunächst dachten wir, dass es allein auf dem Berg über der Stadt steht. Nachdem wir den Berg aber mit Bus und Seilbahn erklommen hatten, sahen wir, dass es Teil eines gesamten Stadtgefüge mit kleineren und größeren Tempeln und Foren ist. Auf dem Weg nach unten schlängelt man sich zu Fuß über genau die Straße, zwischen Mauern von Wohn-und Geschäftsräumen, vorbei an zwei Gymnasien und durch Treppentürme, die vor mehr als 2000 Jahren auch die damaligen Einwohner genommen haben. Es ist eindrucksvoll. Es wird aktuell wieder gegraben und wahrscheinlich wird es noch für weitere Generationen von Archäologen reichlich zu tun geben. Von oben sieht man dann auch mindestens zwei als Nekropole aufgeschüttete Grabhügel, die wie große Kegel aus der modernen Bebauung ragen.

Am Fußes des Berges taucht man, mit dem Gang durch das Drehkreuz, ganz plötzlich wieder in die moderne Stadt ein. Hier läuft man durch Gassen, in denen man sieht, dass der Lebensstandard mitunter weit weg von Mitteleuropa ist. In Rumänien und Bulgarien waren die Straßenhunde treue Begleiter. Auch in der Türkei gibt es diese. Aber so wie hier nun überall der Muezzin ruft, gibt es überall Katzen. Unendlich viele Katzen, die von allen und niemandem gefüttert werden, frei durch die Straßen laufen und die an jeder zweiten Treppe eine Schale mit Wasser und Katzenfutter finden. Ein Guide in Marokko hat uns einmal erklärt, dass Katzen im Islam als heilige Tiere gelten und Hunde als unrein empfunden werden. Vielleicht empfinden das auch die Menschen in der Türkei so.

Am nächsten Tag haben wir das außerhalb der Stadt liegende Asklepion besichtigt. Hierbei handelt es sich wohl um eins der ersten ganzheitlichen SPAs der Menschheit 😉. Nach ärztlicher Eingangsuntersuchung, Todkranke und Schwangere durften die Anlage nämlich nicht betreten, kam man über eine mehr als einen Kilometer lange säulengesäumte, teils überdachte Straße zum Kurort. Hier gab es zunächst einen Tempel, der zur spirituellen Hinwendung an eine Art übergeordneten Gott der Gesundheit, Zeus Asklepion, gebaut war. Danach konnte man zwischen Bädern, Schlamm- und Wasserkuren, Schlaftherapie und Traumdeutung wandeln und wechseln. Außerdem gab es auch hier ein eindrucksvollens Theater für Versammlungen und Vorträge. Die Anlage speiste sich wohl aus mehreren unterirdischen Quellen, die hier zu Tage traten.

Bei wieder unglaublich schwülen 38°C im Schatten war die Begeisterung der Kinder am Ende dann am größten, als sie in einem der Brunnen eine Schildkröte entdeckten.

Und Bergama im Hier und Heute

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