
Bereits bei der Ankunft am Flughafen Narita in Tokyo bemerkten wir, wir sind wieder in einer anderen Welt gelandet. Es scheint eine leisere, höfliche, sehr geordnete und effiziente Welt zu sein. Die Einreisepapiere sind, trotz uns unverständlicher Schriftzeichen, auch auf Englisch eindeutig, ebenso sind die Laufwege am Flughafen klar markiert und das Gepäck war da sobald wir die Einreise verlassen hatten.

In Japan haben wir uns im Gegensatz zu Südostasien für einen Mietwagen entschieden. Einerseits ist der ÖPNV zwischen den Städten Japans zwar viel pünktlicher als in Deutschland, aber leider ebenso teuer. Andererseits wollten wir sehr gerne ein Japan abseits der Großstädte entdecken und auch in Japan einige Tageswanderungen unternehmen. Ein kleines Hindernis stand der Automiete noch im Weg: Der japanische Führerschein. In Japan wird der internationale Führerschein, den Deutschland ausstellt, nicht akzeptiert. Möchte man hier autofahren, braucht man eine offizielle japanische Übersetzung des deutschen Führerscheins. Das macht in Deutschland der ADAC im Münchener Büro oder man macht es online. Das geht aber erst, wenn man selber in Japan ist. Zum Glück waren Katharina und Dominik, die wir in Vietnam kennengelernt haben, im Februar in Japan. Sie haben meine Übersetzung online beantragt, fristgerecht 7 Tage später hier ausgedruckt und an unser erstes Hotel in Tokyo geschickt. Das hat alles wunderbar funktioniert und so konnte ich, mit zwei Zetteln voller kryptischen Schriftzeichen, bereits am Folgetag unseren kleinen Mietwagen abholen. Entgegen meiner Befürchtungen passen wir mit all unserem Kram auch gerade so alle hinein. Und der Suzuki Swift ist, trotz seiner vermeintlich geringen Größe, in Japan ein ziemlich normal großes Auto.


Insgesamt fällt uns auf, dass alles ein bißchen kleiner ist. Wenn man den Alltag und seine Gegenstände in Starbucks Kaffeegrößen ausdrücken möchte, so ist Europa ‚grande, Japan in allem etwas geschrumpft ‚tall‘ und Australien in allem etwas aufgepustet ‚venti‘
japanischer Pick up

Pick up wie er in Australien gefahren wird

Das augenscheinlich beliebteste Auto in Japan (zumindest sehen wir es überall) hat Schuhschachtelformat und ist ideal für die schmalen Straßen und die gängige Höchstgeschwindigkeit von 80kmh geeignet.

Für unsere erste Station war unser kleines Auto genau richtig und hat uns gut in Richtung Mount Fuji, Fuji-San wie die Japaner sagen, gebracht.
Hier war die erste Überraschung, dass wir in unserem Hostel ein klassisch japanisches Zimmer bekommen haben. Das heißt, außer Tatamimatten und einem niedrigen Tisch mit Sitzkissen war das Zimmer leer.

Mit den Futonbetten aus dem Schrank ließ sich dann doch schnell ein gemütliches Matratzenlager auf dem Boden ausrollen und in der blitzsauberen Gemeinschaftsküche und im Aufenthaltsraum war es sehr gemütlich


Zum Glück sind wir direkt am ersten Nachmittag nach unserer Ankunft zum Oishi Park am Kawaguchi- See gefahren. Die Region um den Mt.Fuji ist als Fuji-5-Lake Region bekannt. In den fünf Calderen haben sich teils mehrere hundert Meter tiefe Seen gebildet, die den Hauptkegel des Vulkans umgeben. Am Oishi Park gibt es am Seeufer mit Blick auf den Fuji schön bepflanzte Beete, ein Museum/Souvenirshop und mehrere Restaurants. Die meiste Zeit des Jahres ist der Fuji entweder ganz, oder teilweise von Wolken verhüllt und, um es vorwegzunehmen, an zwei von vier Tagen hatten wir so viel Nebel und Regen, dass sich nicht mal erahnen ließ, dass ein so großer Berg in der Nähe ist.
An den ersten beiden Tagen aber hatten wir Sonnenglück und dann noch eine Extraportion Glück obendrauf weil die Kirschblüte (Sakura) entgegen der Vorhersage noch in Resten zu sehen war. Anna sagt:“ Das sieht aus wie im Kalender“!
Am Kawaguchi See




Alle versuchen das beste Bild zu machen


Entlang der Frühlingsblumen zum Seeufer






Hier sehen wir auch zum ersten Mal, dass die Japaner ganz verrückt nach Softeis zu sein scheinen. Das gibt es an jeder Ecke, in allen möglichen Geschmacksrichtungen und es schmeckt auch wirklich lecker.

Am folgenden Tag fuhren wir nach Shimoyoshida und kletterten, wie tausende andere, zunächst auf die Chureito Pagode. Hier wurde oberhalb der Pagode eine kleine Aussichtsplattform errichtet, von der aus die Postkartenbilder mit Pagode und Fuji geknipst werden. Da auch wir Postkartenwetter hatten, mussten wir 20min anstehen um auf die Plattform zu kommen. Machte aber nichts, zwischen den Kirschbäumen im Kirschblütenregen, im Sonnenschein mit Ausblick auf dem Fuji ließ es sich aushalten.




An der Pagode bot sich schon von unten ein schöner Blick

Und schließlich waren wir auf der Plattform


In der Stadt gab es im Rahmen des Sakurafestivals eine kleine Stadtralley bei der man verschiedene Stempel sammeln konnte und so eine eigene Postkarte gestaltet hat. Damit war das restliche Tagesprogramm für unsere Kinder gesetzt. Allerdings erst nachdem wir in einem hübschen, altmodischen, natürlich auch sehr kleinen, Café feinen Kuchen bekommen haben.
Während wir so unterwegs sind, ist unser Essen auf Reisen anders als in einem ’normalen‘ Urlaub. Im Gegensatz zum Urlaub kochen wir nahezu immer selber und auch wenn wir in Ägypten in der Wüste, in Bangkok, oder im Outback waren, gab es doch Milchreis oder Bratkartoffeln. Durch die eingeschränkten Möglichkeiten verschiedener Hostel-, Camping- und Ferienwohnungsküchen gab es wahlweise ständig alles vom Grill und insgesamt viel mehr Nudeln mit Tomatensoße als zu Hause. In Südostasien, wo das Selberkochen sehr schwierig und die Garküchen omnipräsent waren, haben wir häufiger mal auf einem auswärtigen Plastikstühlchen Platz genommen. Richtige Restaurantbesuche sind aus budgettechnischen Gründen sogar eher seltener als zu Hause. Manchmal stehen wir auch vor einem schicken Hotel, Restaurant, SPA, was auch immer und denken wie entspannt das wäre, einfach dort hereinzuspazieren und so zu leben. Aber das wäre eine andere Reise für andere Leute. Unser kleiner Luxus ist es hin und wieder in ein Café zu gehen, echten Kuchen zu essen und was anderes als Nescafe und Filterkaffee zu trinken.





Danach ging es durch die Straßen und Gassen der Stadt auf Stempeljagd









Und dann gibt es da noch diese eine Straße, die im Insta-Kanal jedes Fuji-Reisenden auftaucht….Mittlerweile versuchen so viele Leute in der Mitte der Straße stehenbleiben, dass der Verkehr wirklich behindert wird. Ganz frei machen vom Wunsch nach dem schönen Foto konnten wir uns auch nicht. Wir sind aber nie stehengeblieben, sondern haben in ca. 10 Überquerungen versucht im Laufen ein schönes Bild zu kriegen. Und wie es so oft bei ‚DEM‘ Fotospot ist, direkt um die Ecke ist es genauso schön, aber gat nicht voll. So ist auch hier die Parallelstraße zwar viel schmaler, aber genauso schön ausgerichtet und dafür fast gar nicht befahren. Da stört man keinen und da haben wir dann die meisten Fotos gemacht.

DIE Straße…

Unsere Versuche


Und schließlich ‚unsere‘ kleine Straße




Und zum Ende des Tages fehlte nur noch der Stempelvergleich

Genauso wenig wie es bei uns ohne das ein oder andere Café geht, geht es ohne kleinere und größere Wanderturen. Der Fuji selber ist nur von Juli bis Anfang Oktober zu besteigen und wäre wohl auch etwas zu schwierig, aber drum herum gibt es ja auch andere ernst gemeinte Berge. Für den folgenden Tag hatten wir uns ein vermeintlich kurze 7,5km lange Tour herausgesucht. Die Steigungen und einige steile Kletterpartien haben Tribut gefordert und uns viele Stunden beschäftigt. Am Ende hat es dann auch noch in Strömen geregnet, aber eine gute Tour, bei der alle über sich hinaus gewachsen sind, war es dennoch.














