Bei unserem Campertausch in Brisbane erfuhren wir von der dortigen Mitarbeiterin, dass sich die Wettervorhersage unserer Handys leider nicht täuscht: Das Sturmtief und der mitfolgende Regen sollten sich auch in Queensland noch mindestens fünf Tage an der Küste halten. Auf unseren Fotos sieht man es nicht so richtig, aber bei Nieselregen und Sichtweiten unter 50m gab es auch nicht viel zu fotografieren….
Eine Partie Minigolf im Nieselregen hat es auf das Bild geschafft. Der Vorteil am Regen in den Tropen ist, dass es zumindest nicht kalt wird dabei…

Bereits bei der Planung des nördlichen Teils der Route waren wir unsicher, ob wir nach Frazer Island wollen oder dies lieber auslassen. Viele sind sehr begeistert und haben es unbedingt empfohlen. Klar war aber auch, dass man entweder mit dem eigenen 4WD kommt (haben wir nicht) oder eine geführte Tour für 150€ pro Nase bucht. Nun hatte uns das Wetter die Entscheidung abgenommen. Da wir auch gerne das Outback sehen und erfahren wollten, beschlossen wir die nächsten Regentage als Fahrtage auf der Straße statt am verregneten Strand zu nutzen. Etwas mehr als 1500km standen in Richtung Cairns schließlich aus….Unser nächster Anlaufpunkt waren daher die Blackdown Tablelands in der Nähe von Blackwater.
Im Auto auf der Fahrt merkten wir schnell, dass das Outback zumindest in diesem Teil von Queensland nicht wüstenartig, sondern sehr buschig ist. Aber weit, weit ist es trotzdem. War die Landschaft im Süden schon weitläufig, sind die Entfernungen hier oben riesig und die Straßen eintönig einlullend. Kein Wunder, dass hier, mehr noch als im Süden, auf vielen Schildern am Straßenrand für regelmäßige Pausen geworben wird. Hier gibt es an einigen Rest Areas kleine Kioske, die zu den Öffnungszeiten gratis Kaffee an Trucker ausschenken. Der Sekundenschlaf gehört zu den häufigsten Unfallursachen. Das ist leicht nachvollziehbar, wenn man vor der nächsten Kurve gerade mal wieder 10km geradeaus gefahren ist .

Als Trucker ist es sicherlich eine tägliche Herausforderung bei nur flimmernd gelb-grünem Licht- und Schattenspiel als Abwechslung die Konzentration auf der Straße zu halten. Für uns war es wieder eine einprägsame Erfahrung der Dimensionen dieses Kontinents. Und als wir am zweiten Tag weit genug landeinwärts in Richtung Westen gefahren waren, haben wir im lichten Eukalyptuswald auch die Sonne ‚wiedergefunden‘.

Wenn man dann der Abzweigung in den Blackdown Tableland Nationalpark folgt, fährt man bald auf ein steiles Felsmassiv zu, das sich plötzlich aus der flachen Landschaft erhebt. Anfangs dachte ich noch der Nationalpark befände sich am Fußes des Berges, so steil schien die Wand. Als wir aber am Fuße angekommen waren, sahen wir die kleine Serpentinenstraße, die sich auf das Massiv hinauf windet. Zum Glück ist das Auto so klein.
Oben angekommen entschädigt der Ausblick für das Zähneknirschen in den Haarnadelkurven!




An den Picknicktischen im Nationalpark haben wir beim Mittagessen Besuch von zwei Bindenwaranen bekommen, die sehr gerne etwas abbekommen hätten…



Die Straße zum größten Wasserfall im Park, der Rainbow Fall, war aufgrund des vielen Regens wegen Überflutung nur für große Jeeps passierbar. Zum Glück ging auch vom Picknickplatz eine kleine Wanderung zum Two Miles Fall los. Diese hat sich auch mehr als gelohnt!








Nach dieser Wanderung ging es zurück in die Ebene. Blackwater, wo nichts los war und der Stopp sich einzig für die coole Kletterpartie auf einer riesigen Kohlebaggerschaufel gelohnt hat.


Weiter durch Emerald, wo man am tollen botanischen Garten nachts umsonst parken darf, in Richtung Charters Towers. Das ist als Städtchen an sich recht hübsch. Die anderen sind sicher nicht das, was man sich erträumt wenn man an ein Leben in Australien denkt. Hier aber gibt es im Bergbau sehr viel Arbeit und so ist das auch ein Teil australische Realität.
Viele Bilder gibt es aus diesen Tagen nicht: Abendessen im Park, Frühstück im Outback, Quatsch im Auto und um die Emus am Straßenrand zu fotografieren war ich leider nicht schnell genug.








In Townsville sind wir wieder auf die Küste gestoßen. Zum Glück hat es nun auch an der Küste weniger geregnet, so dass wir tagsüber gut draußen und am Wasser sein konnten. INS Meer kann man in Queensland nur sehr eingeschränkt. Haie gibt es hier etwas mehr als im Süden, aber wohl nicht so viele, dass man prinzipiell Angst haben müsste. Zumal die Haie den Menschen zumeist auch lieber aus dem Weg gehen. Das ernstere Problem sind Würfelquallen. Deren meterlange durchsichtige Tentakeln sondern ein Nesselgift ab, das auch einen Erwachsenen binnen Minuten im kardiogenen Schock sterben lässt. In der Trockenzeit von Mai – Oktober sind sie selten an der Küste, dann ist das Schwimmen ungefährlich. In der Zwischenzeit bleibt die Möglichkeit innerhalb einem der aufgespannten Quallennetze zu schwimmen. Das haben wir genutzt. In einigen Städten, wie Townsville und auch Cairns hat die Gemeinde am Strand einen künstlichen Rockpool angelegt, der sicher und kostenlos von allen benutzt werden darf. Tolle Lösung!
Das ist die schöne Lagune von Townsville



Und so sieht das kleine viereckige Quallennetz am Strand von Townsville aus.

An schönen Sonnenauf- und -untergängen am Strand ändern die Quallen zum Glück nichts.



Ein erneuter Abstecher landeinwärts brachte uns in den Atherton Tablelands zum höchsten Wasserfalls Australiens. Auf dem Campingplatz des Nationalparks konnten wir in Gesellschaft von wilden Truthähnen und Baumkängurus das erste Mal ein richtiges Lagerfeuer anzünden.



Der Wallaman Fall ist der höchste einstufige Wasserfall Australiens. Von oben ist er imposant, von unten laut, eindrucksvoll und sehr feucht




In der Nähe der Atherton Tablelands beginnen auch die Feuchttropen, die als ganzes Gebiet zum Weltnaturerbe gehören und wiederum für sich beanspruchen der älteste lebende Regenwald der Welt zu sein. Scheinbar hat man sich da nicht mit dem Taman Negara NP in Malaysia abgesprochen, die ja dasselbe von sich sagen. Allerdings erinnerte mich der Regenwald hier auch sehr an die Regenwälder Malaysias. Ein ganz anderer Wald als die lichten Eukalyptuswälder weiter im Süden. Hier beginnt auch offiziell das Helmkasuargebiet. Von diesem großen, kräftigen und wohl recht aggressiven Laufvogel gibt es in ganz Australien noch ca. 1000 Tiere. Wenn man anfängt sich zu informieren liest man überall, dass man, um diese Tiere zu sehen, in den Dairntree Nationalpark fahren soll. Da Moritz sich aber immer ein bißchen tiefer in die jeweiligen Reiseführer der Region eingräbt, hat er herausgefunden, dass die Population im Mount Mackay Nationalpark bei Mission Beach deutlich größer ist. Deshalb war dort unser nächstes Ziel. Das gab neben zwei schönen Tagen am Strand auch noch schöne kleine Wanderungen durch den Regenwald und die Mangroven am Strand.




Das nördliche Queensland ist nicht nur Helmkasuar-, sondern auch Salzwasserkrokodilgebiet. Sie leben in den kleinen Zuflüssen des Meeres im Regenwald und schwimmen von dort ins Meer. Wir haben gelernt: Dort wo kein Creek mündet ist das Baden sicher. Gibt es hingegen viele Mündungen bleibt man dem Meer lieber fern. „Walking is safe, but NEVER walk in the creek!“ Und in der Dämmerungen sollte man einen guten Abstand zwischen sich und die Wasserkante bringen.

Trotz intensiver Suche haben wir zu Moritz‘ großem Bedauern aber kein einziges Krokodil gesehen.
Los geht es zur ersten Tour in die Mangroven:







Unsere nächste Tour führte uns mitten durch Regenwald zum Silver Fall und einem weiteren kleinen Wasserfall in dem man baden konnte.













Am Strand in Mission Beach habe ich mich zum wiederholten Mal darüber gefreut, wie wenig ‚Material‘ die Kinder brauchen um gut spielen zu können. Eine Freundin hatte vorher gefragt, wie wir das mit dem Spielzeug machen, wenn wir mit dem Rucksack unterwegs sind. Wir haben im Kita Rucksack von Anna einige Kartenspiele, Malsachen und ihre Schleich-Tiere dabei. Der Ball ist im Camper geblieben und wird ab und zu vermisst. Ansonsten suchen sie sich die Dinge, die sie zum Spielen brauchen in der Umgebung und es funktioniert ganz wunderbar! Anna sagt zwar hin und wieder, dass sie sich auf ihr Playmobil Puppenhaus freut, spielt aber auch fein ohne. So gut, dass ich mich mehr als einmal gefragt habe, warum zu Hause das ganze Haus voller Zeug ist?!? Wenn jetzt auch noch das Zanken zu Hause geblieben wäre, bliebe ich am Strand….
„Werkzeugtransport“

Strandcafé mit Aussicht



Beim Helmkasuar ging es uns wie so oft im Leben: Umwege führen zum Ziel. Auf keinem der offiziellen Wanderwege im Nationalpark war einer zu sehen, aber als wir in einer Hoteleinfahrt wenden mussten, weil wir uns irgendwo im schicken Wohnviertel verfahren hatten, liefen plötzlich zwei Tiere aus dem Wald über die Einfahrt.

Das Schnabeltier haben wir auch erst im Fluss neben dem Campingplatz am frühen Morgen entdeckt (wir wollten nicht aufgeben) nachdem an den drei offiziellen Spottingpoints in Yungaburra nur Schildkröten im Wasser waren.
Zum Dairntree NP sind wir trotzdem noch gefahren. Moritz hatte die Hoffnung auf ein Krokodil noch nicht aufgegeben. Aber allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz haben wir zwar einen weiteren Helmkasuar, ansonsten aber ’nur‘ viele schöne Ulysses Falter gesehen.
In den Park und ganz in den Norden geht es nur mit der Fähre


Regenwald bis dicht an die Straße



Mangroven am Strand






Port Douglas und Cairns haben uns den Abschied von Australien mit mehrerenTagen Dauerregen leichter gemacht.






Und am allerletzten Abend hat uns Cairns an seiner Lagune dann doch noch einen schönen Sonnenuntergang beschert. Hoffentlich um uns von einem Wiedersehen zu überzeugen



Diesmal war es pünktlich zum Feierabend! 😉 Bin wieder ein Stück mitgereist, sehr schön geschrieben. Und jetzt off to Japan, ich bin gespannt!