Wir sonnenverwöhnten Menschen sind kühles Regenwetter gar nicht mehr gewohnt. Zum Glück kommen wir im Sommer zurück nach Deutschland. Da wird der Schock nicht ganz so groß ausfallen. Pia und Moritz machen sich jetzt schon darüber lustig, dass ich bei 17°C Pullover und Schal trage….In Zentraljapan scheint das Aprilwetter jedenfalls genauso wie bei uns, sehr wechselhaft zu sein. Da fanden wir nach sechs Tagen grau, Regen und 12°C das langsam mal wieder Zeit für Sonne war. Zum Glück hat uns Kyoto diesen Gefallen ganz am Ende unserer Tage dort auch noch getan. Leider nicht zum Geburtstag der Minimaus, aber den wollte sie eh spielend und in der Shoppingmall verbringen.
Und ja ich weiß, im Vergleich zum vergangenen deutschen Winter klagen wir auf schwindelerregend hohem Niveau.
In Kyoto bestand die erste Herausforderung darin einen Parkplatz für das Auto zu finden. Kostenlose Parkplätze gibt es nicht, die Strafen für Falschparken sind astronomisch und das Bezahlsystem ist irgendwie nicht selbsterklärend. Befremdlich war vor allem, dass direkt nach dem Parken unter dem Auto eine Art Wegfahrsperre hochklappt.

Mit Hilfe von Google Translate und unserem Concierge haben wir dann herausgefunden, dass man anzahlt und erst nach dem Parken vollständig bezahlt und am Automaten sein Auto gewissermaßen auslöst.
Nachdem das erledigt war, konnten wir die Stadt erkunden.
In den Straßen von Kyoto










Ganz spannend ist, dass auch durch Kyoto große, teils vierspurige Straßen mit Hochhäusern führen, es aber schon in der ersten Querstraße schmal zugeht und die Häuser viel kleiner sind. Irgendwas machen sie in Japan scheinbar anders als anderswo. Denn obwohl Kyoto ca. 1,5 Millionen Einwohner hat ist es relativ ruhig. Ich kann nicht genau sagen, woher der Eindruck rührt. Als Fußgänger kommt man gut von A nach B und der Autoverkehr ist, obwohl immer da, nicht so präsent. Es wird auf jeden Fall (fast) nie gehupt. Aber ob es nur daran liegt?
Der Hauptbahnhof ist ein besonders gut besuchtes, riesiges und auch auffälliges Gebäude voller Rolltreppen, Spiegelflächen, begrünter Innenhöfe und Foodcourts.





Aussicht vom Bahnhof über die Stadt mit Kyoto Sky Tower

Als alte Hauptstadt und kaiserliche Residenz vom 9. bis in das 19.Jahrhundert ist Kyoto voll von alten Schreinen und Tempeln. Allein deshalb lohnt es sich schon zu Fuß durch die Stadt zu laufen. An vielen Ecken trifft man unverhofft auf einen kleinen Tempel. Manch andere sind riesig und der Fushimi Inari Taisha wahrscheinlich der bekannteste Tempel Japans.
Higashi Hongan-ji (buddhistischer Tempel)








Neben sehr vielen Gebäuden neueren Datums gibt es in Kyoto neben den Tempeln auch einen Altstadtbereich mit einigen Straßen voller alter Wohn- und Geschäftshäuser. Diese ist sicherlich einer der am meisten besuchten Gegenden Kyotos und zum ersten Mal merken wir, dass in Japan gerade „golden week“ ist. Ende April/Anfang Mai gibt es drei von wenigen offiziellen Feiertagen in einer Woche. Das ist für viele Japaner die Gelegenheit mit ihren wenigen Urlaubstagen mal eine Woche unterwegs zu sein. Wir haben auch den Eindruck, dass die Tage zwischen den Feiertagen gerne für Schulausflüge genutzt werden. Es ist unglaublich voll und viele Schüler kommen busladungsweise zu den Sightseeingspots.
Kiyomizu-dera






Hier leihen sich die Leute übrigens gerne Kimonos aus um sich vor den Tempeln stilecht fotografieren zu lassen.








Hokan-ji (buddhistischer Pagodentempel)



Ein kleiner Tempel, bei dem alle Wünsche auf kleine bunte Stoffbälle geschrieben und an den Schrein gehängt wurden.




Eine kleine Tempelpause hatte sich unser Geburtstagskind gewünscht…da sind wir stattdessen in den Konsumtempeln Kyotos unterwegs gewesen um die Geburtstagsgutscheine einzulösen. Auch ein Erlebnis!





Am nächsten Tag ‚durften‘ wir aber wieder die echten Tempel entdecken und haben uns den ersten sonnigen Tag für die Erkundung des Fushimi Inari Taisha, den Tempel der 10.000 Tori ausgesucht. Tori sind rote Tore, die im japanischen Buddhismus den Übergang von der normalen in die spirituelle Welt markieren. Am Fushimi Inari Taisha gibt es auf einem Hügel mehrere Haupt- und sehr viele kleine Nebenschreine, die miteinander über viele Pfade durch lauter Toris miteinander verbunden sind. Bis ganz nach oben ist es eine kleine Kletterpartie und das war wieder mal unser Glück. Während sich unten die Menschenmassen noch wie auf der Kirmes durch die Torbögen schoben, wurde es zum Gipfel hin deutlich lichter. Manch übergewichtig, schnaufenden Besucher ließen wir auf dieser oder jener Plattform stehen. Wieder einmal fiel uns auf, wie traurig unfit der durchschnittliche Erwachsene in der westlichen Welt mittlerweile ist, denn diese Runde ist wahrlich keine Bergbesteigung.
Fuchsstatuen und die Farbe Rot sind allgegenwärtig.















Am Fuße des Hügels in einer Seitenstraße durften die Mädchen die Kois im Garten eines älteren Herren füttern

Und zum Abschluss dieses Tages und unserer Zeit in der Stadt hat uns die Sonne doch noch einen hellen Blick auf die Innenstadt gewährt.


