Nach dreieinhalb Monaten Asien in Australien anzukommen war ein Stück weit wie nach Hause zu kommen. Das liegt nicht daran, dass hier alles so ist wie zu Hause, wer hat schon Kängurus auf seinem Rasen liegen oder einen Grill im Park?!
Es liegt daran, dass wir nun wieder verstehen, wie die Gesellschaft grundsätzlich funktioniert. Was wird als normal betrachtet und was ist besonders? Wie funktioniert der Verkehr? Hier könnte man einwenden, dass der Linksverkehr ja nun deutlich anders ist als bei uns zu Hause. Stimmt, aber außer dass ich beim Versuch zu Blinken regelmäßig zuerst die Scheibenwischer anmache, sind die Regeln nach denen gefahren wird die gleichen: Eine Spur ist eine Spur, eine Geschwindigkeitsbegrenzung ist eine Begrenzung, ein Fußgänger ist ein Fußgänger ein Parkverbot ist ein Parkverbot. Der öffentliche Verkehrsraum ist auch hier sehr auf das Auto ausgerichtet, aber er funktioniert wie zu Hause. Wäsche wäscht man im Waschsalon, Medikamente gibt es in der Apotheke und Lebensmittel im Supermarkt. Der Supermarkt heißt anders, manchmal aber doch auch Aldi, ist aber genauso groß und genauso aufgebaut wie ein europäischer Supermarkt. Letztlich ist auch das Angebot an Lebensmitteln wieder sehr ähnlich. Wobei mich das Angebot glutenfreier Lebensmittel bei Woolworth vor Freude fast zum Weinen bringt. Endlich können wir unserem Kind ohne viel Aufwand etwas anderes als Reis, Ei oder Joghurt anbieten! Moritz hat dieser Tage gelesen, dass die deutsche Gesellschaft für Ernährung für eine gesunde Ernährung nicht mehr als ein Hühnerei in der Woche vorschlägt. Mit dieser Begrenzung hat man in Südostasien noch nicht mal EIN Frühstück, geschweige denn den Rest des Tages geschafft. Vor allem dann nicht, wenn man kein Fleisch essen möchte. Worüber sich die Kinder in Australien zunächst am meisten gefreut haben? Sie konnten Butterbrot mit Käse essen!
Wir Großen sprechen die Sprache und die Kleinen verstehen jeden Tag ein bißchen mehr. Die Tatsache, dass wir genau wissen, wie wir die alltäglichen Bedürfnisse befriedigen und im Zweifel problemlos danach fragen können, senkt das zuunterst liegende Stresslevel im Gehirn ganz maßgeblich; viel mehr auch als es mir zwischen Koffern und Zügen bewusst war. Diese zusätzliche Entspannung und freigewordene Kapazität im Kopf nutzen wir nun nicht allein zum Entspannen, sondern, wie sollte es bei uns auch anders sein, um wieder mehr entdecken zu können. Ausschlafen muss sein, aber ansonsten ist die Welt zu groß um nicht jeden Tag auf Reisen etwas neues zu entdecken. Erleichtert wird es uns natürlich auch dadurch, dass wir für uns schon eine gute Alltagsstruktur für Reisen im Camper entwickelt haben. So klappt zum Beispiel auch die Schule wieder deutlich besser.
Als wir unsere Reise geplant haben stand Australien eigentlich gar nicht auf der Liste unser Wunschreiseziele. Die Erkentniss, dass weitere Monate in Südostasien über unsere Kondition gehen würden und der Wunsch nach Vertrautem brachten Australiens ins Spiel. Zu Schulzeiten, wenn viele das Down Under Fieber packt, zog es mich eher nach Neuseeland. Warum man auf einen ganzen Kontinent voller roter Wüste mit den giftigsten Tieren und den größten Krokodilen der Welt wollte, erschloss sich mir nicht wirklich. Nach gut zwei Wochen hier muss ich unbedingt sagen: “ Weil es hier SO VIEL mehr zu entdecken gibt!“ Zugegebenermaßen gilt das vor allem für die, die gerne draußen sind. Sind wir und somit mussten wir jetzt schon feststellen, dass fünf Wochen wohl leider nicht reichen werden und wir wiederkommen ‚müssen‘.
Endlich starten wir wieder mit einem Camper

Auf unserer Reiseroute kam uns unsere kurzfristige Vorausplanung zunächst etwas in die Quere. Als wir unseren Camper gebucht haben, sind wir vor allem nach der Verfügbarkeit von Flügen und Fahrzeugen gegangen. Zumal wir von anderen schon gehört hatten, dass man beim ersten Mal an der australischen Ostküste nichts falsch machen kann. So buchten wir one-way Sydney-Cairns. Als wir in Malaysia dann angefangen haben uns ausführlicher mit Australien zu beschäftigen, war uns ziemlich schnell klar, dass wir die Südküste und die Great Ocean Road nicht auslassen können. Und so sind wir statt nach Norden zunächst an der Küste entlang Richtung Süden gefahren. Unser erster Stop war gemäß der Empfehlung des Caravanmechanikers Kiama. Insgesamt hören wir uns hier gerne um und folgen dann den Empfehlungen von Stellplatznachbarn, Verkäufern, Spielplatzkontakten. Damit, und einfach dort zu halten, wo es gerade noch hell ist und uns gefällt, machen wir gute Erfahrungen.
Kiama Heights mit Blowhole und Leuchtturm





Hier hat uns ein Einheimischer, der am Strand zufällig gehört hatte, dass wir Deutsche sind, den Weg zu unserem ersten Rockpool gezeigt. Rockpools sind in den Felsen natürlich entstandene Schwimmbecken, die an der Südküste vor allzu heftigem Wellengang und im Norden auch vor Haien und Würfelquallen schützen.

Zur Campingwahrheit in Australien gehört ehrlicherweise auch, dass sich die Stellplatzsuche mitunter sehr schwierig und langwierig gestaltet. Die Möglichkeit des Wildcampens ist über viele Jahre scheinbar so ausgeweitet und wohl oft auch ausgenutzt worden, dass man mittlerweile nahezu nirgends kostenlos über Nacht stehen darf. Am Straßenrand darf man grundsätzlich nicht über Nacht stehenbleiben und auf den allermeisten öffentlichen Parkplätzen stehen Schilder, die das Übernachten in Fahrzeugen explizit verbieten. Die Australier sind selber aber, so lasen wir und sehen es, ganz begeisterte Camper. Deshalb gibt es in den touristischen Gegenden viele richtige Campingplätze, die mit allem Schnick und Schnack ausgestattet sind. Diese nehmen dann aber auch gerne schnell gesalzene Preise. Mit der Hilfe der WikiCamps App und noch zwei weiterer Apps versuchen wir dann für die auserkorene Gegend immer einen Stellplatzmix aus einigen freien, einigen einfachen Plätzen im Nationalpark und, wo nötig, auch den schicken Plätzen hinzubekommen. Wenn für die freie Nacht wieder mal nur ein LKW Rastplatz in Frage kommt, kommen uns tagsüber die unglaublich vielen day use areas zugute. Nahezu jede Gemeinde hat einen öffentlichen Park mit schönem Spielplatz, ordentlichen Toiletten und manchmal sogar Duschen und oft auch kostenlosem öffentlichen Gasgrill. Man nutzt die Infrastruktur und hinterlässt sie so sauber, wie man sie vorfindet. Das wird von vielen Einheimischen gerne genutzt und funktioniert, so weit wir sehen, außer im großstädtischen Leben ziemlich gut. Die Menschen hier scheinen mit dem öffentlichen Gut besser umzugehen als zu Hause. Schade für zu Hause, gut für unsere Reise.
So sehen solche Grillbereiche zum Beispiel aus:




Südlich von Kiama sind wir in unseren ersten Nationalpark gefahren. Der Bonderee Nationalpark ist der einzige, der von Aborigines betrieben wird. Hier wächst der ursprünglich überall an der Südostküste vorkommende Eukalyptuswald bis an den Strand. Auf unserer ersten kleinen Wanderung sahen wir die ersten Papageien und kammen das erste Mal mit den überall sichtbaren Spuren vergangener Buschfeuer in Berührung.



Hier, und auch in anderen Nationalparks, gibt es recht informative kleine Schautafeln und so kann man beim Wandern einiges über die Natur lernen ohne vorher allzu viel gelesen zu haben.




Anders als bei uns, sind Waldbrände in Australien etwas ganz natürliches und für die Natur ist es essenziell, dass regelmäßig kleine Buschfeuer ausbrechen. Banksiasamen öffnen sich erst durch die Hitze des Feuers um sich verteilen zu können. Eukalyptuswälder brauchen die Brände zur Verjüngung und schicken neue Triebe aus verbrannter Rinde. Koalas wissen, dass sie (normalerweise) ganz oben im Kronendach ihres Baumes vor den Flammen sicher sind und zurück auf den Boden können wenn das Feuer unten ausgebrannt ist. Gefährlich sind nur die, durch den Klimawandel häufiger gewordenen, großen Feuer. Um diesen vorzubeugen werden ganz gezielt kleinere Buschbrände von Rangern gelegt um die Brandlast im Unterholz schon zu Beginn der Trockenzeit zu reduzieren. So gingen die Aboriginie hier schon seit vielen tausend Jahren vor und aktuelle Studien haben gezeigt, dass die Pflanzen im Busch durch regelmäßige kleine Feuer nicht nur besser vor großen Bränden geschützt sind, sondern auch gesünder wachsen, als wenn es gar nicht brennen würde.
Auf dem Campingplatz des Nationalparks haben wir dann auch die ersten Kängurus aus der Nähe gesehen. Eine Kängurufamilie wird scheinbar regelmäßig von anderen Campern gefüttert und ist dadurch handzahm geworden.



So nah haben wir danach fast kein Känguru mehr gesehen. Sie verhalten sich eher so wie Rehe bei uns zu Hause. In der Dämmerung sieht man sie von der Straße aus in Gruppen auf den Feldern stehen. Manchmal hüpft auch eins am Straßenrand entlang und hin und wieder hat ein Gartenbesitzer das Pech, dass seine schönen Blumen im Garten von ihnen abgefressen werden.

Außerdem hat uns auch ein Kokaburra direkt am Grillplatz besucht.

Das schönste in diesem Nationalpark waren die Strände mit richtig weißem Sand, Felsen zum Klettern und Bäumen bis ans Wasser.








Nach unserem Aufenthalt im Bonderee Park kam uns unsere Spontanität in Sachen Stellplatzplanung mal zugute. Da das Wetter an der Küste herbstlich-regnerisch wurde, entschieden wir kurzerhand landeinwärts über Canberra nach Melbourne zu fahren. Dort sollte es noch einige Tage länger schön bleiben.
In Canberra sind wir nicht durch die Innenstadt gegangen, sondern haben unsere Zeit in unterschiedlichen Museen verbracht von denen es mehrere spannende gibt. Die große temporäre Ägyptenausstellung im Australian Museum haben wir allerdings ausgelassen…



Unser Highlight war das Questacon, ein unglaublich gut gemachtes naturwissenschaftliches Museum, in dem man vor allem ausprobieren und anfassen darf. Da haben wir so viel mitgemacht, dass am Abend nur noch Zeit für die allabendliche ‚Last Post‘ Zeremonie im War Memorial war. Eine sehr andere, schöne und eindrückliche Art gefallener Soldaten zu gedenken.





Am War Memorial


Auf unserem Campingplatz in Cranberra hatten wir ein älteres Ehepaar als Stellplatznachbarn, die uns ihre Heimatstadt Bendigo in der Nähe von Melbourne ans Herz gelegt haben und so wurde das unser nächster Stopp.
Auf dem Weg dahin sind wir viel durch’s ländliche Australien gefahren. Natürlich ist es immer nur ein Eindruck im Vorbeifahren, aber ich bin froh dass wir so ein kleines Gefühl für das ‚echte‘ Leben hier bekommen. Da gibt es viele Kilometer Straße, sehr viel Felder und Weideland und noch mehr Eukalyptus.




Und manchmal ’stolpert‘ man unverhofft über charmante Kuriositäten wie die Silokunst

Wer zufällig auf der Suche nach einen interessanten Ohrwurm sein sollte, der googele einmal ‚Come to Colbo and see the silo’….
Und dann Bendigo. Eine Stadt, die durch den großen Goldrausch reich geworden ist. 1851 haben zwei Schafhirten in einem Creek in der Nähe der heutigen Stadt Gold gefunden und es in Melbourne zu Geld gemacht. Da sie dabei auch erzählt haben, wo sie es gefunden hatten, standen bei ihrer Rückkehr schon 200 Männer mit Pfannen im Fluss. Ein Jahr später waren es tausende. Relativ schnell waren die oberirdischen Vorkommen erschöpft und es entstanden zahlreiche Bergwerke, die das Gold unter Tage aus dem weißen Quarzgestein heraussprengten und an die Oberfläche brachten. Heute sind unter Greater Bendigo 5000km Stollen. In der Stadt wurde die Förderung 1951 wegen Unrentabilität eingestellt. Bis dahin wurde mehr als 600 Tonnen Gold gefördert. Bendigo ist laut eigenen Angaben auf seiner Fläche noch heute die ertragreichste Goldmiene der Welt. 30km außerhalb wird auch heute noch mit modernen Mitteln Gold abgebaut.
Im Goldbergwerk haben viele walisische Bergarbeiter ihr Glück gesucht und einer ihrer Nachfahren hat uns durch die Central Deborah Mine geführt







Wir durften auch selber ein bißchen Gold waschen, aber außer etwas Goldstaub haben wir nur ein paar schöne Steine gefunden.

Im oberirdischen Bendigo sieht man, dass vor 150 Jahren richtig Geld vorhanden war und viel altes Europa aus der Zeit der ersten Siedler.







Aber auch das moderne Bendigo bietet einiges. Ein genau richtig großes Städtchen um einen Eindruck von Australien zu bekommen.





Endlich Neuigkeiten! Ich hatte schon Entzugserscheinungen! 😁 Schön, dass es euch so gut gefällt und der Kopf Zeit zum Entspannen hat.