Wir sind in den letzten beiden Wochen ganz schön viel unterwegs gewesen. Von Thakek aus sind wir erneut mit einem Nachtbus nach Vientiane in die Haupstadt von Laos gereist. Wir „sammeln“ neue Verkehrsmittel und dieses wird besonders bleiben: Im Reisebus gibt es keine Sitzplätze sondern rechts und links des Mittelgangs doppelstöckige Pritschen, die jeweils knapp 1m breit sind. Auf einer Liege liegen immer zwei Leute. Das heißt, wer seine Liege nicht mit einem wildfremden Menschen teilen möchte, ist gut beraten eine gerade Anzahl Tickets zu kaufen. In unserem Fall haben wir eins weggelassen und ich habe mir die obere Pritsche mit Charlotte und Anna geteilt. Sagen wir es mal so, viel geschlafen habe ich nicht. In Vientiane sind wir dann morgens um halb fünf angekommen. Der große Nachteil daran: Alle waren todmüde und es lagen noch viele Stunden vor dem Check In im Hotelzimmer. Der Vorteil: Man sieht die Stadt langsam erwachen und bekommt den Sonnenaufgang über dem Mekong gratis dazu.



Ein weiterer Vorteil sind die noch warmen Croissants, die eins der französischen Cafés in der Innenstadt direkt nach dem Aufschließen für uns bereit hielt. Dies war eine der wenigen Gelegenheiten bei denen nicht nur der Name, sondern auch der Geschmack wie in Frankreich waren.


Über Vientiane soll ein europäischer Diplomat Ende des 19.Jahrhunderts gesagt haben:“ Die gleichen zwei staubigen Straßen, eine Kneipe, eine Post.. wie überall…“ und in den heute gängigen Traveller Blogs liest man auch meistens, dass man sich Vientiane eher schenken kann. Unser Eindruck war dennoch sehr positiv. Ja, Vientiane hat keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, die man abhaken kann. Aber es ist für eine südostasiatische Großstadt wirklich entspannt und gut für Einsteiger zu ertragen. Die Innenstadt besteht aus fünf, sechs langen Einkaufsstraßen mit unzähligen Cafés auch und vor allem für den westlichen Geschmack. Hinzu kommt eine lange Grünanlage mit Spielplatz entlang des Mekongs zwischen Hauptstraße und Altstadt an dem abends ein Nightmarket mit Kirmes aufgebaut wird. Essen und Getränke sind einfach zu bekommen und ‚böse Überraschungen ‚ im Sinne von Schweinefüßen oder Fröschen gibt es nicht. Und wie überall auf der Welt gilt: Es ist überraschend wie gut blinkende Lichter und schöne Laternen die schmutzigen Ecken eben nicht beleuchten und aus Bretterbuden Paläste machen. Zwei hübsche Tempel gibt es noch und auch einige Bauwerke, die an die französische Kolonialzeit erinnern. Es ist nicht Bangkok, aber in Deutschland vergleicht ja auch niemand Paderborn mit Berlin.







Annas persönliches Highlight, eigentlich von ganz Laos, waren die überall blühenden großen Frangipani Bäume. Die Bäume an sich sind eher kahl und haben wenig Blätter. An ihren Astspitzen aber haben sie viele wunderschön anzusehende und duftende Blüten, die überall in Laos am Boden liegend zu finden sind. Dort hat Anna sie immer wieder aufgesammelt und sich und uns großzügig damit geschmückt.

Ganz zufällig sind wir auf das Informationszentrum von MAG (Mines Advisory Group) gestoßen. Diese NGO wurde 1989 von einem britischen Army Ingenieur gegründet, nachdem dieser in Afghanistan gesehen hatte, welche verheerenden Folgen Landminen für die Zivilbevölkerung auch noch lange nach bewaffneten Konflikten haben. Zunächst setzte sich die Organisation für Minenräumung in Afghanistan und Kambodscha ein. Mittlerweile organisieren sie weltweit Minenräumungs- und Aufklärungskampagnen für Kinder und Erwachsene in von Landminen verseuchten Gebieten. Eine eindrucksvolle und wichtige Arbeit! Wir wussten zwar vorher, dass auch Laos vom Vietnamkrieg betroffen war, wussten aber nicht, in welchen Ausmaß das noch heute große Teile der ländlichen Bevölkerung beeinflusst. Da der Ho Chi Minh Pfad, über den die Vietcong Nachschub und Versorgung für ihre Guerillatruppen in den Süden brachten, über viele, viele Kilometer über laotisches Land läuft, sind diese Landstriche von der amerikanischen Luftwaffe besonders heftig bombardiert worden. Laos ist dadurch das am meisten durch Streumunition verseuchte Gebiet der Welt. Viele Quadratkilometer landwirtschaftliche Nutzfläche können aufgrund der Detonationsgefahr von ihren Besitzern nicht beackert werden und liegen brach. Immer wieder finden spielende Kinder die tennisballgroßen Streubomben und lösen versehentlich Detonationen aus. 50 Jahre nach dem Krieg passieren weiter täglich menschliche Tragödien.
https://www.maginternational.org/





Dieses kleine Infozentrum hat mich nachhaltig beeindruckt.
Von Vientiane aus ging es nordwärts in Richtung Vang Vieng. Vang Vieng war bis 2012, also auch noch als wir das erstmal eine Laos Reise planten, vor allem für sein Nachtleben bekannt. Dieser kleine Ort mitten zwischen den Karstfelsen war der Ballermann Südostasiens mit tausenden backpackenden Jugendlichen, die jährlich kamen um alkoholtrinkend, gering bekleidet auf einem alten Autoreifen von einer Flusskneipe zur nächsten über den Fluss zu treiben. Für viele einheimische Laoten und, wie, wir von Trude und Eckard wissen, auch für ‚gesittete‘ Touristen sei dies eine riesige Zumutung gewesen. Dass es dabei immer wieder auch zu Todesfällen gekommen ist, hat lange Zeit nur Bedauern bei der laotischen Regierung ausgelöst. Nachdem im Jahr 2012 aber insgesamt 10 australische Jugendliche in Vang Vieng zu Tode gekommen sind und die australische Regierung hiernach mit Entzug von Entwichlungshilfegeldern gedroht hatte, ließ die Regierung kurzerhand alle Buden und Kneipen am Fluss abreißen. Vang Vieng musste sich schnell neu erfinden. Weiterhin ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle. Mittlerweile hat sich der Fokus verschoben. Noch spricht man weiterhin eher Backpacker an, lockt nun aber mit Kayakfahren, Ziplines, Klettern und Höhlentouren. Aber auch das scheint im Wandel befindlich. Vor etwa fünf Jahren wurde eine neue Schnellstraße von Luang Prabang nach Vientiane fertig gestellt. An dieser liegt Vang Vieng und im Jahr 2021 hat die chinesische Regierung eine Eisenbahnschnelltrasse, die Kunming in China mit Vientiane verbindet, eröffnet. Die Reise von Vientiane nach Luang Prabang, die zuvor mindestens 17h mit dem Bus dauerte, ist nun in knapp 3h mit dem Zug zu bewältigen. Durch die Direktanbindung an China hält nun ein anderes Touristenklientel in Vang Vieng Einzug und das, was uns vor allem in Luang Prabang auffiel, in ganz anderen Dimensionen! Organisierte chinesische Gruppenreisen mit zumeist älteren Herrschaften der chinesischen Mittelschicht (vermuten wir) stellen geschätzt etwa die Hälfte der Touristen in Vang Vieng. In Luang Prabang schienen es noch mehr zu sein. Dementsprechend gibt es neben den kleinen und manchmal ziemlich einfachen Hostels und Guesthouses nun auch mehrere große Hotels am Fluss. Und es wird mehr gebaut. Es bleibt abzuwarten wohin die Reise in den nächsten Jahren geht…
Wir haben uns den aktiven Touristen angeschlossen und eine kombinierte Zipline-und Kayaktour im Wald und auf dem Fluss gemacht. Die Mädels waren begeistert und auch wir hatten großen Spaß.






In einigen Flussabschnitten, die näher am Dorf liegen, gibt es mittlerweile wieder einige Kneipen, wobei diese bei unserem Besuch eher von feiernden Laoten besucht waren. Lustig fanden wir dabei, dass diese ihre Picknicktische und -Stühle nicht an den Fluss, sondern in den Fluss stellen. Und auch hier gehört zum Feiern offenbar viel laute Musik. Einige Jugendliche sind uns auch mit Autoreifen und Bierdosen begegnet, aber die Kayakfahrer waren deutlich in der Mehrheit.







An den nächsten Tagen haben wir noch Ausflüge in die Umgebung gemacht, haben Aussichtspunkte zum Sonnenauf (nicht alle) – und- untergang besucht, haben eine Höhle allein und nur mit Stirnlampe erforscht und waren in der Blue Lagoon schwimmen.



Gut, dass wir in Vang Vieng Station gemacht haben!











Eine kleine Besonderheit auf den Aussichtspunkten der Umgebung ist, dass auf jedem ein anderes ulkiges Gefährt zum Fotografieren verankert ist.





Bei so vielen westlichen Touristen war in den Garküchen der Straßen auch für unsere wenig experimentierfreudige Anna endlich mal etwas leckeres dabei. Spannend zu sehen, was man alles auf einer heißen Platte kochen kann. Das Geheimnis in Laos heißt: Viel Öl und noch mehr Ei! Was uns allerdings etwas überrascht hat ist, dass es in den laotischen Garküchen, mehr noch als in Thailand, fast schwieriger ist etwas vegetarisches, als etwas glutenfreies zu essen zu finden.




Auf Sticky rice mit Kokosmilch und Mango trifft beides zu…zum Glück ein ganz typisches Gericht in Laos

Tütensuppe auf laotisch… 🙂

Und weiter ging es nach Norden. Diesmal mit dem neuen chinesischen Zug. Der Zug an sich und ließ weder an Komfort noch an Pünktlichkeit mangeln, aber der Zugang war eine echte Herausforderung. Die neuen Bahnhofsgebäude liegen jeweils einige Kilometer außerhalb der Städte und sind so schick und modern, dass sie irgendwie gar nicht zu Laos passen. Das Bahnhofsgebäude kann nur betreten, wer ein zuvor gekauftes Ticket und seinen Pass vorzeigt. Die Einlasskontrolle ist wie die Sicherheitskontrolle am Flughafen und durchleuchtet sämtliches Gepäck. Leider gilt hier, dass alles das, was im Handgepäck des Flugzeugs verboten ist auch nicht an Bord des Zugs gelangen darf. Alles Diskutieren half nichts, Moritz‘ Phoenix Schere und das Moskitospray wanderten in den Mülleimer zu all den anderen Taschenmessern, Pumpsprays, Haarspraydosen usw. Wer also seine Messer und auch sonstige Utensilien behalten möchte, der sollte in Laos den Zug umgehen!



Auf Luang Prabang hatte sich gerade Moritz besonders gefreut. Die alte Königsstadt, lange Zeit spirituelles Zentrum des nördlichen Laos mit Einfluss bis nach Thailand. Heute noch befinden sich im Stadtgebiet viele Tempel und buddhistische Klöster und das leuchtende Orange der Mönchskutten ist hier noch etwas präsenter als in den übrigen Städten. Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel, die durch den Zusammenfluss des Nam Khan und des Mekong entsteht. Mit ihren Klöstern und Resten französischer Kolonialarchitektur steht sie auf der Liste der UNESCO Welterbestätten. Von dem verträumten geistigen Zentrum mit klösterlicher Ruhe ist in 2024 allerdings nicht mehr viel geblieben. In der Altstadt reiht sich ein Touristencafé an das nächste, überbieten sich die Touranbieter an unzähligen Ständen und reihen sich die chinesischen Minibusse vor den Sehenswürdigkeiten in langen Schlangen um ihre Gruppen möglichst effizient von A nach B zu bringen. Der frühmorgendliche Almosengang der buddhistischen Möchte durch die Straßen von Luang Prabang, der noch vor 10 Jahren nur von weitem, still und fast heimlich beobachtet werden durfte, ist nun fast ein Spießrutenlauf für die Mönche. Buddhistische Mönche dürfen eigentlich nichts besitzen und so sind sie zu ihrer Versorgung auf die Essensgaben gläubiger Gemeindemitgleider angewiesen. Diese warten bei Sonnenaufgang vor ihren Häusern und die Mönche kommen in großen Gruppen und sammeln Sticky Rice und andere Lebensmittel ein. Moritz hat an einem Morgen eine doch irgendwie spirituelle Atmosphäre wahrgenommen. Ich habe einen Tag mit besonders vielen Touristengruppen erwischt und hatte vor allem Mitleid mit den Mönchen. Aus unserer, auf mehreren Schautafeln zu entnehmender angemessenen Entfernung, hatte ich teilweise Schwierigkeiten die Mönche zwischen den Schaulustigen zu erhaschen. Es ging fast zu wie bei der Oscarverleihung am roten Teppich. Zum Glück mit deutlich weniger Gekreische. Ich habe überlegt, ob ich überhaupt gehen und schauen soll. Da ja auch mein Schauen auf Abstand ein paar beobachtende Augen mehr sind. Gegangen sind wir letztlich unter Einhaltung der überall auf Schautafeln aufgestellten Regeln. Sicherlich ist es auch ein Erlebnis zu sehen, was aus falscher Aufmerksamkeit erwachsen kann und was passiert, wenn man auf sein kulturelles Erbe nicht gut aufpasst. Bei all dem Verdruss über die anderen Touristen sind wir ja letztlich auch die „anderen Touristen“. Es ist schon manchmal eine interessante Milieustudie des Travellers an sich wenn man beobachtet, wie andere sich und ihre Reise inszenieren. Und auch da bleibt sich nur wieder an die eigene Nase zu fassen: Ich finde meine Bilder auch schöner wenn die anderen nicht mit darauf sind….und die Wege, die wir hier beschreiten sind gut ausgetretene Travellerautobahnen.
Ich bin gespannt in welcher Form der Almosengang weitergehen wird.
Schöne spirituelle Momente habe ich beim abendlichen Spaziergang wahrgenommen, wenn die Klöster geschlossen waren, aus den Tempeln aber der Gebetsgesang der Mönche über die Straße wehte, oder immer dort wo man im Vorbeigehen im Hinterhof einen kleinen Blick auf das Alltagsleben erhaschen konnte.






Sonnenuntergänge über dem Mekong bleiben schön und so sind wir, wie all die anderen auch, zum 150m hohen Hügel mit Tempel mitten in der Altstadt hochgeklettert.



Wir….

…und die anderen


Tempel und klösterlicher Alltag









Nightmarket und Sonnenuntergang


Und früh am Morgen der Almosengang





Luang Prabang war definitiv ganz anders als wir es erwartet hatten. Sicherlich wird auch hier die deutlich bessere Erreichbarkeit eine große Rolle spielen und wer würde den Einwohnern diese wirkliche Erleichterung nicht gönnen? Es bleibt ein Geschenk meiner Freundin Laura zu zitieren: “ Das einzig Beständige ist der Wandel“.
Schönes, kurioses und typisches haben wir dennoch gefunden



















