In der letzten Woche sind wir ostwärts gefahren um einen Eindruck vom Georgien abseits des Kaukasus und der Berge zu bekommen. Die Ebene in Richtung der Hauptstadt Tbilissi ist von Landwirtschaft geprägt. Hier scheinbar nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch zum Verkauf. Dementsprechend waren auch etwas weniger Kühe auf den Straßen. Wir haben tatsächlich mal eine eingezäunte Weide gesehen! In Kutaissi, Georgiens drittgrößter Stadt, haben wir unseren ersten Halt gemacht. Auch hier wird viel gebaut, sowohl auf den Straßen ,als auch in den Häusern. Überall in den Siedlungen und Städten hier hat man den Eindruck, dass vor langer Zeit mal viel Geld für große Straßen und reiche Verzierungen da gewesen sein muss. Das dann aber lange nichts geschehen ist, alles langsam zerfiel und nun peu à peu wieder Geld da ist mit dem Altes in Stand gesetzt wird. Man fühlt die Aufbruchstimmung und das Ziel scheint überall klar Europa zu sein. Vielleicht tue ich Georgien mit der Bezeichnung Schwellenland Unrecht, aber die Gleichzeitigkeit von Hightech und Alltagsgegenständen der letzten 100 Jahre im aktiven Gebrauch ist allgegenwärtig. Deutlich sieht man auch, dass Tbilissi als Hauptstadt, in der 1/3 aller Einwohner Georgiens leben, einen wirtschaftlichen Vorsprung hat.
In Kutaissi hat uns ein Freizeitpark aus Sowjetzeiten, der auf den Hügeln über Stadt liegt, einen schönen Nachmittag beschert.
Kutaissi





















Und der Park







Auf dem Weg in Richtung Tiblissi haben wir auf einem kleinen Campingplatz neben einer Obstplantage nahe Gori gestanden. Der Besitzer sprach gut Deutsch, weil er einige Zeit bei Bosch in Süddeutschland gearbeitet hat. Da just in diesen Tagen die Pflücker kamen um die Pflaumen zu ernten, hat er uns eingeladen ein bißchen zuzugucken und zu helfen. Dafür durften wir uns eine große Tüte Zwetschen mitnehmen.






spannend war es auch, hier wie überall in Georgien und der Türkei, Tomaten als Feldfrüchte zu sehen. Es gibt für die Tomaten keine Stangen, keine Tunnel oder Gewächshäuser. Es gibt sie überall und auch in großen Mengen am Straßenrand zu kaufen. Dabei haben wir schon viele unterschiedliche Sorten gesehen und probiert und können feststellen, dass sie geschmacklich in einer ganz anderen Liga als die Kollegen aus den holländischen Gewächshausern spielen!


Stalins Geburtstadt Gori, mit Museum, Park und der dazugehörigen Avenue haben wir nur durchfahren. Eine 3000 Jahre alte antike Stadt in den Höhlen von Uplistsikhe haben wir dagegen gern besichtigt.









Außerdem das schöne orthodoxe alte Kloster Gelati. Hier kann man Fresken bewundern, die von 1100-1300 entstanden sind. Zur Zeit sieht man aber vor allem Gerüstbaukunst.







In Tbilissi haben wir, wie auch an den anderen Sehenswürdigkeiten, viele deutsche Touristen getroffen; viel mehr als in allen Wochen zuvor. Georgien scheint bei uns Deutschen, zurecht, sehr im Kommen zu sein. Tbilissi ist laut und lebhaft, super modern und an anderer Stelle fast verfallen. Es gibt sicher sehr viel mehr zu entdecken, als wir in zwei Tagen geschafft haben. Nur die Saarbrücker Brücke, als Zeichen der Städtepartnerschaft beider Städte, konnte der Saarländer nicht auslassen. So gab es den Aperitif in einer Bar am Fluss am Fuß der Brücke.















Bevor wir Georgien verlassen, mussten wir doch noch ein weiteres wichtiges kulturelles Erbe kennenlernen. Bereits seit 8000 Jahren und damit länger als in vielen Teilen Westeuropas, wird in Georgien Wein angebaut und auch gekeltert. Es gibt 4 Weinanbaugebiete, wovon das größte Kacheti heißt. Es gibt fast 500 georgische Rebsorten, von denen ca. 50 kommerziell angebaut werden. Die wichtigste rote Traube ist dabei der Saperavi und die wichtigsten weißen Sorten heißen Rkatsiteli und Mtsvane. Traditionell ging ein Großteil des georgischen Weines nach Russland. Dabei kam es, wie uns von mehreren Seiten erzählt wurde, vor allem auf Quantität an. Nach dem Krieg 2008 ist der Handel aber eingebrochen und nun investiere man mehr in die Qualität um auf dem europäischen Markt Punkten zu können.
Die Verarbeitung erfolgt traditionell anders als in Westeuropa. Nach der Ernte werden die Trauben mit Stielen gequetscht und die gesamte Masse, Saft und Traubenreste, in die Qvevri umgefüllt. Hierbei handelt es sich um riesige Tonamphoren, die aufgrund der Temperaturstabilität in den Boden eingegraben werden. Hier erfolgt nun, unter 4x täglichem Umrühren, die Gärung. Zwischen drei und zwölf Monaten wird der Wein im Qvevri belassen. Der Trester setzt sich in dieser Zeit unten ab und erst danach wird mittels Pumpen der Wein abgepumpt und auf Flaschen gezogen. Aus dem Trester wird anschließend Tresterschnaps gebrannt- der Tscahtscha. Wir haben uns das in der Leksos Marani vom Besitzer Aleksi zeigen lassen und anschließend natürlich auch probiert. Dadurch dass der Wein mit Stumpf und Stil gährt ist er sehr tanninhaltig und nicht weiß, sondern wie sie selber sagen, „Bernsteinwein“. Er schmeckt, rot, wie weiß, ist aber, Zitat Aleksi:“ nichts für die, die Konpott wollen“.
Alte Qvevris


Trauben werden angeliefert.






Bei der Weinprobe und im Weinkeller
Wein ist in Georgien nicht nur was für Kenner. Es ist völlig normal, dass Familien, Freundeskreises oder Lokale sich ihren eigenen Wein für das kommende Jahr keltern. Dazu kauft man zur Erntezeit einige hundert Kilo Trauben (je nach Bedarf), zermatscht sie und lässt sie dann, statt im Qvevri im Plastikfass, im eigenen Keller je nach Geschmack 3-6 Monate fermentieren. Der Wein wird dann, statt in schicken Glasflaschen, in 20L Kanistern gelagert und bei Bedarf in Karaffen umgefüllt. „Mama, die machen das wie wir beim Marmeladekochen“, stellte Charlotte fest.
Zum Ende unserer Zeit in Georgien stellen wir fest, dass es noch viele nicht gesehene, aber sicher wunderschöne Landesteile gibt; dass die Menschen freundlich, neugierig und unkompliziert sind, dass jede Problemstellung im Alltag eine pragmatische Lösung bekommt, dass die Gastfreundschaft groß ist und nicht jede Herangehensweise logisch sein muss um zu funktionieren.
Dank an Linda, Guga und Noah, die Haus und Garten mit Mensch und Tier und kurz auch mit uns teilen, und wie in einer guten WG, ganz unterschiedliche Menschen an einen gutgedeckten Tisch bringen. Auf die Detmolder in der Ferne!






Liebe Weltreisende,
eure Reiseberichte sind immer sehr detailreich, daher fällt es mir nicht schwer, in die jeweilige Atmosphäre einzutauchen. Besonders die letzten Bilder zur Gastfreundschaft -spontan und unkompliziert, ohne lange Vorbereitung- waren sehr schön und erinnerten mich sofort an ähnliche Erlebnisse, die ich vor mehr als zwanzig Jahren in der Ukraine hatte. – Euch noch eine schöne ( und auch sichere) Fahrt!! Lydia🤠