Ein großes Ziel für die Reise nach Georgien war es, Teile des Transkaukasientrails, eines im Aufbau befindlichen Fernwanderweges, zu begehen. Der bekannteste und wohl auch am besten ausgebaute/markierte Abschnitt geht in 4 Tagesetappen von Mestia nach Usghuli. Usghuli ist die höchstgelegene dauerhaft bewohnte Siedlung Europas. Moritz und Pia wollten noch etwas mehr gehen und haben deshalb schon 3 Tagesetappen vor Mestia, in Nakra, begonnen. Hier ist der Trail weniger frequentiert und die Dörfer, durch die man geht, noch ursprünglicher. Wir anderen haben uns dann in Mestia für drei weitere Tagesetappen angeschlossen.
Insgesamt sieht man, dass sich alles im Aufbau befindet, aber boomt. Svanetien ist eine abgelegene Region im Kaukasus und egal in welches Dorf wir gekommen sind, das Leben dort ist hart. Jedes Haus hat einen kleinen Garten für die Eigenbedarfslandwirtschaft. Fast jede Familie hält zudem einige wenige Kühe, produziert Milch, Joghurt und Käse selbst. In den Dörfern, die nur über steile Schotterpisten an die einzig größere Straße angebunden sind, haben viele auch noch ein Pferd. Diese Dörfer sehen aus wie die Dörfern im Freilichtmuseum mit Strom und Internet. Kein Wunder, dass sich alle von den Wandertouristen leichter verdientes und gutes Geld erhoffen und in jede freie Lücke ihres Zuhause ein Bett für Touristen quetschen. Gerade die Frauen haben damit aber auch eine große Menge Mehrarbeit. Sie sind diejenigen, die die Zimmer herrichten und die Gäste mit Abendessen und Frühstück versorgen. Da wirklich alles, einschließlich des Brotes selbstgemacht wird, bedeutet das bereits am Morgen viel Arbeit. So musste Moritz dann auch die Erfahrung machen, dass ein Frühstück vor 8.00 Uhr morgens für die Bäuerin einfach nicht realistisch war. Dafür hätte sie selber viel zu früh aufstehen müssen. Im Moment sind viele Pensionen noch provisorisch. Die Hinweisschilder sind aus Pappe, irgendwo wurde schnell ein Verschlag mit Dusche und Toilette angebaut und man isst in der Stube der Familie. Man sieht aber auch in jedem Ort rege Bautätigkeit und die ein oder andere Pension ist schon professioneller aufgestellt als andere. Es herrscht Goldgräberstimmung. Noch scheinen sich alle bei den Preisen abzusprechen und als Wanderer hat man, so weit abgelegen, keine andere Wahl als diese zu bezahlen. 25 Euro pro Nase für Übernachtung und Frühstück sind für uns nicht viel, für jemanden mit einer durschnittlichen Monatsrente von 68€ aber wohl und hin und wieder werden am nächsten Morgen noch 10€ auf den Internetpreis aufgeschlagen. Eigentlich sind die Orte an der Straße alle über ein Minibus System verbunden. Als Tourist hat man aber keine Chance an den öffentlichen Nahverkehr zu kommen. Man muss eins der zahlreichen privaten Taxiunternehmen wählen. Da werden dann auch gerne mal 70 oder mehr Euro für eine Fahrt von einer Stunde aufgerufen. Um von unserem letzten Wanderpunkt wieder ins Tal zu kommen, mussten wir eben so ein Taxi anheuern. Zunächst mussten wir schlucken, hatten aber keine Alternative. Während der Fahrt haben wir dann festgestellt, dass Straße und Fahrstil unseres Fahres derart an Achterbahn erinnerten, dass die Hälfte des Geldes allein das Entertainment wert war. Zumal keiner von uns beiden diese Straße hätte fahren können.
Mestia, als Ausgangspunkt der bekanntesten Route, entwickelt sich schneller als alle anderen Dörfer zum Hauptumschlagplatz mit gefühlt 101 Minimarkt, 15 Central Bus Stations,aber auch ein, zwei schönen Cafés, in denen es schönen Kaffee gibt. Und der ist in Georgien außerhalb der großen Städte fast nicht zu bekommen!
Die Wanderwegmarkierung ist wirklich gut, der Weg auch für mittelmäßig trainierte Wanderer mit Lust an langen Tagen gut zu schaffen und die Landschaft einfach unfassbar schön. Jeder, der die Alpen mag wird diesen Teil des Kaukasus lieben! Auf unserer letzten Etappe konnten wir von einem Sattel zwei Gipfel mit fünf Gletschern gleichzeitig bewundern. Das Highlight der Kinder war die Überquerung eines der aus dem Gletscher entspringenden Flüsse. Dieser ist für Erwachsene bei Niedrigwasser noch zu durchwaten. Bei Hochwasser aber, und für unsere Kleinen immer, zu tief und zu reißend um ihn selber durchqueren zu können. Deshalb stehen Einheimische mit Pferden bereit und so reitet man durch den Fluss.
Eine absolute Empfehlung für alle diejenigen, die Spaß an Mehrtagestouren haben. Ach ja, Angst vor Kühen darf man nicht haben. Das ist in Georgien aber generell gültig….




Auf unserer ersten Etappe stand die Aussicht auf den markantesten Doppelgipfel des Kaukasus, den Mount Ushba, die Kinder sagen:“Die Katze“, im Vordergrund.







Charakteristisch für alle Svan Dörfer sind die Wehrtürme an den alten Häusern. In diesen haben sich die Familien bei Überfällen vor Plünderen verschanzt. Viele sind verfallen, einige werden wieder aufgebaut, einige aktiv bewohnt und in Ushguli gehören sie zum UNESCO Welterbe.






Herbergen und in den Dörfern







Adishi, Tal und Dorf, die nur zu Fuß und Pferde zu erreichen sind.










Und schließlich verließ uns das Wetterglück…

In Ushguli






