Nachdem uns die Ausreise aus der Türkei 5 Stunden Wartezeit in einer Schlange, immerhin mit Meerblick, beschert hat, ging die Einreise nach Georgien in ungefähr 20min über die Bühne. Wobei ich als Eigentümer des Fahrzeugs den Camper in der Fahrzeugschlange aus-und einführen musste und der Rest der Familie als Fußgänger in einem Terminalgebäude verschwand um erst auf georgischen Seite wieder eingesammelt zu werden. Zum Glück hatten wir die georgische KFZ-Versicherung, ohne die kein ausländisches Auto fahren darf, schon online abgeschlossen. So konnten wir an den 100 blinkenden Wechselstuben und den 20 rufenden Versicherungsverkäufern einfach vorbeifahren, weiter nach Batumi.
Batumi liegt 14km von der türkischen Grenze entfernt direkt am schwarzen Meer und schwingt sich zu einem Las Vegas am schwarzen Meer auf. Ein blinkendes Hotelhochhaus reiht sich an das andere mit immer wilderen Formen. Eines hat sogar ein in die Fassade eingebautes Riesenrad. Im Erdgeschoss gibt es reichlich Casinos und Restaurants werben offensiv mit Alkoholausschank. Türkische Touristen kommen für günstigen Alkohol und reisen abends dick beladen mit Dury Free Tüten zu Fuß zurück in die Türkei. In den Hotels sind viele europäische Touristen und noch viel mehr Russen, die Badeurlaub am schwarzen Meer machen. Überall wird kräftig gebaut. Batumi profitiert dabei vom Abschwung Abchasiens, das seit der offiziellen Anerkennnung als Republik durch Russland 2008 fast nur noch von russischen Touristen besucht wird. Wenn sich das nun so ließt als wäre Batumi ausschließlich Boomtown so wurden auch wir überrascht. Es gibt einen wunderschönen, gepflegten Boulevard am Strand. In der Innenstadt ist es erstaunlich sauber und müllfrei (was uns in Georgien insgesamt sehr positiv auffällt), es gibt verschiedene Museen und Kunstausstellungen und ebenso viele alte, teils schon schön restaurierte Häuser mit Art Deco Details. Georgien ist ganz deutlich merkbar europäisch, sowohl im Aussehen der Straßen und Häuser als auch im Selbstverständnis der Menschen. Einziger kleiner Wehrmutstropfen für uns: Auch die Preise sind wieder auf mitteleuropäischem Niveau.












Nachdem wir in Batumi wunderbar einfach an eine georgische SiM Card gekommen sind und nochmal im unglaublich warmen schwarzen Meer gebadet haben, machten wir uns auf den Weg in den Kaukasus, nach Svanetien. Zunächst ging es nördlich am schwarzen Meer durch viele Dörfer mit Landwirtschaft. Die Vegetation ist fast tropisch und die Landschaft sumpfig; viele Blumen, große Haselnussplantagen, Palmen und Bananenstauden. Viele Häuser sahen aus, als ginge es wirtschaftlich nicht so gut und oft sahen wir Landwirtschaft und Tierhaltung zum Eigenbedarf in den Gärten. Wobei „in den Gärten“ nur für das Gemüse gilt. Die Tiere, Schweine, Gänse, Pferde und vor allem Kühe leben am Straßenrand, im Graben und vor allem auf der Straße. Stören sie den Verkehr allzu sehr, werden sie halsbrecherisch umkurvt oder weggehupt. Da üben wir noch. Aber Moritz sagte zwischendurch:“ Ich fühle mich wie in Delhi, auf jeder Straße steht eine Kuh!“




Die einzige Straße, die dann in den Kaukasus und nach Svanetien führt ist zunächst gut befestigt, zwischendurch aber immer wieder eine schlaglochübersäte Schotterpiste. In der Wahl der zu befahrenen Spur muss man flexibel sein. Einzig die entgegenkommenden LKWs trösten mich, wenn DIE bis nach Mestia gekommen sind, passt unser Camper allemal durch. Was allerdings in Georgien auffällt ist, dass es erstaunlich wenig Teile der Karrosserie wirklich braucht damit das Auto noch fährt 😉. Die Kinder sind immer wieder aufs Neue überrascht:“Mama, der hat keinen Kofferraum!“









Die Landschaft, die vorbeizieht, während ich mich im Fahrersitz bis auf 1500 Höhenmeter hochquäle, entspannt wie im Zahnarztstuhl, glücklich wenn ich in den dritten Gang hochschalten kann, entschädigt für alles.
Wir freuen uns aufs Wandern!


Fahrspaß pur … bewundernswert 🙂
Sehr schön die Outdoor-Haustiere. Wie gut, dass die Kühe markiert sind, damit sie wissen, wem sie gehören.
Immer wieder wunderschön, deine Berichte zu lesen!