Washington und Oregon – „Back to reality“

Washington und Oregon – „Back to reality“

„Welcome to our Alaskan Airlines Flight from Kahului to Seattle. For most of us it means: Back to reality! But enjoy your flight anyway!“ So hat uns der Kapitän an Bord unseres Fluges von Hawai nach Seattle begrüßt. Für uns bedeutete es noch nicht wieder die Realität des normalen Alltags, aber auf gewisse Weise sind auch wir in Seattle wieder in der Realität angekommen. Unsere Realität eines ganz normalen wechselhaften Frühlingswetter in der nördlichen Hemisphäre. Nach zwei tropischen Wochen auf Hawai und zuletzt auch schwül warmen Tagen in Tokyo, kamen uns der kühle Wind und nächtliche 7°C reichlich frisch vor. Dann waren wir auch wieder drei Stunden näher an der europäischen Zeit und haben einen klitzekleinen Vorgeschmack auf den zu erwartenden Jetlag Ende Juni bekommen. Um 1.00 Uhr Ortszeit musste der Mietwagen abgeholt werden und wir haben nur gefroren und wollten ins Bett.

Am folgenden Vormittag haben wir, noch mit dem kleinen Mietwagen, Seattle eine Stippvisite abgestattet bevor wir am Nachmittag unseren Camper abgeholt haben.

Am und im Public Market, einer großen Markthalle direkt am Wasser, gibt es reichlich Restaurants und Souvenirshops, aber auch noch echte Lebensmittelhändler und Kuriositäten.

Durch Downtown und mit einem kurzen Caféstop in Richtung Space Needle

Von dort aus ging es in die nördlichen Vororte zu Cruise America, wo wir zum zweiten Mal in eines der Wohnmobile mit den riesigen Aufklebern an der Seite eingezogen sind. Der Auslöser dafür unsere große Reise hier zu beenden liegt nämlich in unserer ersten Elternzeit. Vor 10 Jahren waren wir mit Baby Pia schon einmal sechs Wochen im Westen der USA mit dem Wohnmobil unterwegs. Damals war der ursprüngliche Plan von San Francisco aus den Nordwesten zu entdecken. Doch trotz Schneeketten, die wir für das Mietmobil gekauft hatten um überhaupt über die Sierra Nevada kommen zu können, war es damals einfach noch zu früh im Jahr. Statt Yosemite und Yellowstone wurden es Grand Canyon und San Diego, was auch wunderschön war. Nun soll es aber klappen und auch, wenn die Camperheizung genauso dürftig wie vor 10 Jahren ist, liegen doch die Außentemperaturen durchgängig über dem Gefrierpunkt. Wenn manchmal auch nur knapp. Moritz hat festgestellt, dass wir nach 10 Monaten auf Reisen nun tatsächlich auch von weitem als Backpacker erkennbar sind: Ständig in Funktionskleidung unterwegs. Können wir bei den Sommersachen aus dem zwar ewig gleichen Stapel noch Stadttauglichkeit suggerieren, stehen wir bei den langen Sachen blank da. Nun ja, warum sollten wir auch vorgeben anders zu sein als wir es gerade sind?

Gestartet haben wir unsere Reise durch die großen Nationalparks diesmal in Port Angeles. Eine kleine Stadt vis-a-vis der kanadischen Grenze und Eingangstor zum Olympic Nationalpark.

Regen, Wind und Schnee haben verhindert, dass wir in die Höhenlagen um den Mt.Olympic gefahren sind, aber an den Fjorden schafften auch sie schöne Perspektiven.

Und die amerikanischen Highways hatten uns wieder.

Außer für sein Hochgebirge ist der Olympic Nationalpark für uralte kühle Regenwälder, endlose Strände voller Treibholz und die Sonora Falls bekannt. In allen Nationalparks gibt es gute Besucherzentren, in denen man die Ranger alles fragen darf und gutes Kartenmaterial zum jeweiligen Park und den vorhandenen Wandermöglichkeiten bekommt. Auch sind die Wanderwege eigentlich immer gut ausgeschildert, so dass man sich guten Mutes auf alle Wege begeben kann.

Zuerst ging es zu den Sonora Falls. Hier im Wald sah man, dass der Frühling gerade erst Einzug hält.

Im Hoh Rain Forest ging es zu den bemoosten ältesten Bäumen im Park und immer wieder hatte man das Gefühl durch einen Märchenwald zu laufen.

Wir haben gelernt, dass diese kleinen Bäume weder Luftwurzler noch nördliche Würgefeigen sind, sondern sich, indem sie auf Totholz keimen und wachsen einen Standortvorteil gegenüber dem konkurrierenden Farn verschaffen. Ist der Wirtsbaum irgendwann vollständig verrottet, sieht es so aus, als wüchse der kleine Baum in der Luft. Da ein langer Stamm Wirtsbaum für viele Sämlinge sein kann, sieht es später so aus, als hätte sie jemand mit Absicht in eine lange Reihe gepflanzt

Die Mädchen stellten fest, dass Wälder ebenso gute Spielplätze sind wie Strände.

Am Fluss gab es weder Lachse noch Bären, aber gute Steine zum Werfen.

Danach haben wir die andere Seite des Nationalparks entdeckt und ernst gemeint, Ruby Beach ist einer der schönsten Strände an denen ich bisher gewesen bin!

Natürlich spielt dabei auch das Wetter eine wichtige Rolle. An diesem Tag war es sonnig, aber ziemlich windig und dadurch recht kalt. Der viele Wind hat uns allerdings auch vier kreisende Weißkopfseeadler beschert. Was kann man sich mehr wünschen?

Vom Ruby Beach aus ging es dann in Richtung Süden. Immer an der Küste entlang in Richtung Oregon. Von Oregons sicherlich auch wunderschönem Hinterland haben wir wenig gesehen. Wir haben vor allem auf der Straße gelegen, aber der Highway 101, der in weiten Teilen direkt an der Küste verläuft, liefert hinter jeden zweiten Biegung eine weitere Traumaussicht. Leuchttürme, Steilküste, endlose Sandstrände, braune Pelikane, lange Dünen, Strandblumen und Seelöwen. Da braucht man wenig mehr.

Eine Überraschung am Weg waren die Oregon Sanddunes, ein kilometerbreiter Dünenstreifen, der sich wie eine Wüste zwischen Wald und Meer ausbreitet. Die Mädchen hatten wesentlich mehr Spaß daran die Dünen herunterzurutschen als zu versuchen mit uns den Strand zu erreichen. Am Ende des Tages mussten aber auch wir uns kurz vor dem Meer geschlagen geben. Der Wanderweg ist durch lange Regenfälle zu einem Tümpel geworden, in dem neben Kaulquappen auch Myriaden Mücken hausen.

Das Ende eines Tages auf der Straße

Und in North Bend am Hafen, einer der wenigen Orte an der Küste an denen man nachts frei stehen darf.

Am Morgen kommt allerdings um 7.00 Uhr der Sheriff und kontrolliert, ob auch alle nächtlichen Besucher zusammengepackt haben. Wir vermuten jedoch, dass es der Gemeinde bei dieser Kontrolle weniger um die drei Wohnmobile, als um die einzelnen Herren und ihren Hausstand im Zelt auf der Grünfläche geht…

Also frühstückten wir lieber mit Aussicht auf den Strand des benachbarten Port Orford, fuhren weiter auf der 101 in Richtung Süden

Und sagten :“Good Morning und goodbye Oregon!“

2 Kommentare

Als wir 1988 mit klein-melanie im Olympic NP unterwegs waren, hatten wir leider nicht so viel Sonne wie Ihr. Sehr beeindruckend. Genießt die letzten Wochen als Familie in Nordamerika. Das ergibt sich vielleicht so schnell nicht wieder. Aber Ihr habt’s gemacht und werdet es nie bereuen.

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