Maui – Der Boden ist Lava

Maui – Der Boden ist Lava

Unsere zweite hawaianische Insel sollte Maui sein. Die kleine Propellermaschine, die zwischen den Inseln fliegt, auf die wir uns sehr gefreut hatten, wurde leider kurzfristig annulliert. Das Wetter war wohl zu schlecht. Zum Glück konnten wir auf eine andere Fluggesellschaft umgebucht werden und konnten mit einer größeren Maschine unseren wahrscheinlich kürzesten Linienflug allerzeiten antreten.

Nach 30 Minuten war wir auf Maui und dank des Umbuchens am größten Flughafen der Insel. Das ersparte uns eine größere Mietwagenrochade, da wir von diesem Flughafen auch wieder abfliegen sollten. Schon nach Verlassen des Flughafens konnten wir feststellen, dass sich Maui von O’ahu unterscheidet. Kahului, die größte Stadt, ist wesentlich kleiner als Honolulu, hat keine Hochhäuser und erinnert mit ihrer großzügigen Ausdehnung in die Fläche an viele andere amerikanische Kleinstädte. Maui hat eine unglaublich abwechslungsreiche Landschaft und durch seine geographische Lage und die Höhenunterschiede 10 verschiedene Klimazonen. Ähnlich wie auf O’ahu gibt es eine ‚Wetterseite‘ im Norden, vor allem im Nordosten, wohingegen der Südwesten sehr trocken ist. Wobei es auch hier jeden Tag einmal ein bißchen regnet. Und reichlich freilaufende Hühner gibt es auch überall. Das Hawaifeeling ist also gesichert. Diesmal hatten wir uns einen Campingplatz auf der trockenen Seite ausgesucht und den Mietwagen so groß gewählt, dass wir im Zweifel auch alle darin schlafen können. Im in den Chevrolet Suburban einsreigen zu können braucht man fast eine Leiter. Nicht nur hier, sondern auch jetzt später, ist es für mich immer wieder unbegreiflich was für unfassbar große Schiffe hier als normaler PKW gefahren werden.

Auf Maui gibt es sowohl im Westen, als auch im Osten der Insel hohe Berge, die teils erloschene, teils schlafende Vulkane sind. Zwischen beiden Erhebungen liegt eine große Ebene, die sich nur wenige Meter über dem Meerespiegel befindet. In dieser Ebene und entlang der Südwestküste siedeln die meisten Menschen. An unserem ersten Tag haben wir zunächst eine Rundfahrt um die westlichen Berge gemacht, die deutlich weniger befahren ist als Mauis beliebteste Straße, die Road to Hana. Dazu aber später mehr. Zum Glück haben wir erst hinterher gesehen, dass wir die mit dem Mietwagen eigentlich gar nicht hätten fahren dürfen. Sie ist angeblich zu schmal…da wir gewohnt sind europäische Straßen mit dem Wohnmobil zu befahren, haben wir das Problem nicht gesehen. Es wäre schade gewesen die Buchten an der Steilküste und die erstarrten Lavafelder nicht zu sehen. Hier wird ganz deutlich dass die hawaianischen Inseln alle durch vulkanische Aktivität entstanden sind. Auf Hawai gilt eigentlich überall: Der Boden ist Lava!

Ganz in der Nähe unseres Campingplatzes gab es eine große Felswand mit Petroglyphen der polynesischen Ureinwohner. Wir haben sie nur zufällig durch einen Eintrag bei Google Maps gesehen. Sie ist weder besonders ausgeschildert, noch gibt es viele Erklärungen, aber ein bißchen kann man in den zugänglichen Teilen sehen. Da die Stätte den Nachfahren weiterhin als heilig gilt, darf an den Großteil nicht zu nah heran gegangen werden.

Mauis einziger Nationalpark ist der Haleakalea Nationalpark. Das ist auch der Name des größten Berges der Insel. Es ist ein schlafender Vulkan auf dessen Spitze sich mehrere unterschiedliche alte Krater vergangener Eruptionen befinden.

Das besondere am Haleakalea ist, dass man aus der tropisch warmen Ebene über alle Klimazonen hinweg bis auf 3000 m über dem Meeresspiegel hochfährt. Auf dem Gipfel angekommen befindet man sich winerseits in einer baumlosen Wüste und andererseits mitten in den Wolken, die an den Hängen des Berges verfangen. Aus diesem Grund ist es auf unserem Spaziergang hinab in den Krater leider auch etwas nass geworden. Aber spektakuläre Wolken ergeben spektakuläre Bilder und noch spektakuläre echte Eindrücke. Es war also gut so wie es war.

Oben auf dem Krater steht eine große Sternbeobachtungsstation.

Dass die hawaiianische Tierwelt endemisch ist, fällt am meisten bei den Vögeln auf, die wir unterwegs beobachten konnten.

Auf dem Rückweg hat uns der Zufall wieder mal einen großen Gefallen getan. Immer Sonntags ist in einem kleinen Ort etwa auf halber Höhe des Berges auf 1500 m ein Polotunier. Als wir dort ankamen, hatte das Turnier gerade begonnen und so hatten wir die Möglichkeit mehrere Polopispiele live zu beobachten. Das war gerade für die Mädchen ein großes Highlight. Leider hat es auch hier wieder in Strömen gegossen, so dass wir nach einer Weile richtig nass und kalt waren. Aif der Weiterfahrt haben wir den armen Moritz, der derweil in der Ebene bei 30°C einkaufen war, mit der Bitte ums Aufdrehen der Heizung fast zur Verzweiflung getrieben.

Die Weiterfahrt führte uns auf die legendäre Road To Hana. Hannah ist eine Siedlung ganz im Osten der Insel Maui. Aufgrund der Lage bekommt dieser Teil der Insel den größten Teil des Niederschlags ab. Das führt dazu, dass es hier tropischen Regenwald gibt. Diese küste ist außerdem eine Steilküste. Und so kommt es dazu, dass sich die Straße hier auf sehr engen Raum zwischen Berg und Meer nach Osten schlängelt. Sie wird teilweise sehr schmal, führt an vielen Wasserfällen vorbei und über einige, nur einspurige Brücken. Das ist so in den USA bestimmt einmalig und bei dem vielen Gegenverkehr recht aufregend.

Ich hatte bei Hana zunächst mit einer weiteren typisch amerikanischen Kleinstadt oder einem Dorf gerechnet. Es stellte sich aber heraus, dass es sich eher um einer großräumig verteilte lose Siedlung einzelner Häuser handelt. Viele Bewohner scheinen ihr wirtschaftliches Glück in dem Bau von selfmade Cafés im Hof mit Verkaufsstand und dem Verkauf von selbstgemachtem Schmuck, Früchten aus dem Garten und Filterkaffee zu suchen. Es gibt auch eine Schule, einige richtige Guesthouses und ein paar Foodtrucks, aber die meisten Einheimischen und ihre Wohnstätten wirkten so, als wären sie weit von jeglicher Autorität am glücklichsten.

Am Ostende der Insel gibt es außer Hana noch einen weiteren Teil des Nationalparks mit einem rudimentären, aber idyllisch gelegenen Campingplatz.

Von Kipahulu startet der Pipiwaitrail, der durch einen Bambuswald zu zwei Wasserfällen führt. Beide heißen in der Sprache der Ureinwohner ‚Wasser, das keine Freunde kennt‘. Dass sich die Wassermengen in den Fällen plötzlich verändern, konnten wir selber erfahren. Flüsse, die auf der Hinfahrt reißend waren, waren zwei Tage später auf dem Rückweg ausgetrocknet. Kein Wunder, sass immer wieder Menschen verunglücken, die nur ein kurzes Bad nehmen wollen. Auf dem Trail haben wir mit den Würgefeigen alte Bekannte aus den Regenwäldern Südostasiens wiedergetroffen.

Aufgrund der vielen Steilküste, gibt es auf Maui nicht so viele Sandstrände wie auf Oahu. Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, mir mindestens einmal auf Hawaiein Surfbrett zu mieten und es mal wieder mit dem Surfen zu versuchen. Wegen der vielen Felsen und der heftigen Strömungen, die um die Insel herrschen, ist das Surfen auf Mauri aber sicher nur bedingt für Anfänger geeignet.

Wir haben uns deshalb schlussendlich gegen ein Surfbrett und für zwei Bodyboards für alle entschieden.

Auf der Suche nach einem zum Bodyboarden geeigneten Sandstrand trifft man manchmal auf Überraschungen. Für die Freude so viele hawaianische Meeresschildkröten beobachten zu können, haben wir gerne auf das Strandvergnügen verzichtet!

Die längsten, zusammenhängensten und auch schönsten Sandstrände der Insel gibt es ganz im Westen rund um den Ort Laihaina. Deshalb haben hier auch die meisten größeren Hotelketten ihre Resorts errichtet.

Auf der Suche nach einem zum Bodyboarden gut geeigneten Sandstrand, fallen sicher nicht nur uns, und auch nicht nur hier, vielen Besuchern die vielen obdachlosen Menschen auf. In Zelten, abgewrackten Trucks oder unter Planen campieren sie zwischen den Strandparkplätzen und auf den Grünflächen.

Leider hat es in Lahaina im Oktober des vergangenen Jahres einen grossen Brand gegeben. Bei diesem sind sowohl das historische Stadtzentrum, als auch einige Viertel durch Schneisen, die das Feuer geschlagen hat, vollständig zerstört worden. Mehr als 100 Menschen sind uns Leben gekommen.

Das historische Stadtzentrum ist abgesperrt und nur für Anwohner mit einem Anwohnernachweis zu befahren. Die zerstörten Wohnviertel sind mit Bretterzäunen verbarrikadiert. Durch die Höhe unserers riesigen Autos, konnten wir im Vorbeifahren dahinter doch einen Eindruck der Zerstörung gewinnen. Von ganzen Straßenzügen sieht man nur noch angekohlte Baumstämme, Reste von Schornsteinen und Bodenplatten. Die Menschen in Lahaina trauern, bauen wieder auf und kämpfen dafür, dass Bodenspekulanten den Einheimischen nicht die Wohngrundlage entziehen. Denn das Leben war überall auf Hawai auch schon vor dem Brand sehr teuer! Man hat die Gegend wohl vor allem deshalb so schnell wieder für Touristen geöffnet um den Menschen die Möglichkeit auf ein Einkommen zu geben. Hier, wo der Tourismus die Haupteinnahmequelle darstellt. Auch jetzt, in Mainland USA, mussten wir feststellen, dass die Preissteigerung in den USA nochmal deutlicher ausgefallen ist als zu Hause. Aber nur auf Hawai haben wir mehr als 8€ für einen Liter Milch bezahlt und kosten selbst die einheimischen Mangos und Ananas mehr als bei uns im Supermarkt.

Hoffnung für die Menschen hat uns dann ganz zum Schluss der Strand in Kaanapali gemacht. Der war eine Empfehlung einer Campingplatzmitarbeiterin und hier haben wir den Kanuclub beobachtet, der ganz vielen Kindern das Fahren der traditionellen polynesischen Kanus beibringt und abends auch viele Einheimische zum amerikanischen Picknick zusammenbringt. Sie haben uns und unsere Bodyboards gut aufgenommen. Wir waren manchmal nicht sicher, ob wir begeistert oder besorgt sein sollen mit welcher Angstfreiheit sich die beiden großen Mädchen in die riesigen Wellen geworfen haben. Denn obwohl wir die Strömungen am Atlantik kennen! Auf Maui sind Strömungen und Wellen ein ganz anderer Schnack!

Picknick heißt: Campingstühle am Straßenrand mit Aussicht und reichlich gut bestückte Kühlboxen auf der Ladefläche

Ganz in der Nähe haben wir uns dann, passend zum Sonnenaufgang von dieser besonderen Insel verabschiedet.

1 Kommentar

Toll, was Ihr alles unternehmt. Schade, dass Lahaina zum großen Teil zerstört ist. Wir konnten 1997 die besondere Atmosphäre dieses Städtchens genießen. Aber Ihr habt ja auch die großartige Landschaft mit dem Haleakalea und die verschiedenen Vegetationszonen erlebt. Und Wandern und Zelten auf Hawaii ist ja auch für die Kinder ein besonderes Erlebnis, wie man sieht.

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