Unser ursprünglicher Plan war es Ägypten von Nord nach Süd entlang des Nils mit dem Zug zu bereisen. Nachdem wir uns intensiver damit beschäftigt hatten, stellten wir fest, dass es einerseits einige interessante Tempelanlagen zwischen den großen Städten gibt, die nur mit dem Auto oder einem Boot zu erreichen sind, was einige doppelt gefahrene Kilometer und viel Taxizeit bedeutet hätte. Andererseits gibt es seit einiger Zeit eine Warnung des Auswärtigen Amtes vor Bahnreisen in Ägypten. So disponierten wir um und flogen nach einer Nacht in Kairo (das erste Frühstück mit Blick auf die Pyramiden) weiter in den tiefen Süden von Ägypten, nach Assuan.

Die Taxifahrten vom Flughafen nach Gizeh und zurück lieferten uns schon einen ersten Eindruck dieser riesigen Stadt und des Landes. Und man sieht sofort: „Das hier ist was anderes“. Eigentlich musste man nicht mal gucken. Wahrscheinlich kennen das auch viele andere: Sobald man außerhalb Europas aus dem Flugzeug steigt, riecht man, dass man woanders ist. Ägypten riecht nach Feuer. Kein klassisches reines Holzfeuer (so riecht Marrakesch) sondern eine brennende Mischung aus Kunststoff, Holz, Kohle, Benzin. Nun soll nicht der Eindruck entstehen, man stehe in Kairos Ankunftshalle in einer giftigen Rauchwolke, auf keinen Fall. Es ist einfach direkt “ was anderes“ in der Luft.


In Assuan begrüßte uns neben großer Hitze, vor der uns selbst die Ägypter in Kairo gewarnt hatten, ein netter Taxifahrer mit seinem 7- sitzigen Peugeot 504. Das neueste an diesem Auto war die BRAVO Hits 96 Playlist und so fuhren wir in lauter Begleitung von Scatman John und Toni Braxton zum Nilufer – unsere Reisetaschen mit Spanngurten auf dem Dach befestigt.




Natürlich gibt es sowohl in Assuan, als auch in Luxor schicke Luxushotels mit weitestgehend europäischem Standard. Aber erstens überstiegen die unser Budget um ein Vielfaches und zweitens sind wir dafür ja auch nicht gekommen. Und so hatten wir wirklich Glück und sind in der Wohnung von Hamada und Familie in einem nubischen Dorf auf Elefantine Island, einer Insel mitten im zweiten Nilkatarakt, untergekommen. Und auch wenn sie es uns anders versichert haben, so scheint es sich tatsächlich um die eigene Wohnung zu handeln. Während wir dort waren lebte ihre Familie mit fünf Menschen in einem Zimmer auf dem Flur. Aber sicherlich nicht nur dort, sondern auch in den Häusern und Küchen der anderen im Dorf, die alle irgendwie Teil der Familie sind. Irgendwie sind sowieso alle mit allen verbunden und das System funktioniert, weil einer einen kennt, der wie der ganze Rest bei Whatsapp ist. Moritz hat mittlerweile mehr ägyptische als deutsche WhatsApp Kontakte im Handy (na gut, nur fast 😉).
Unser Vermieter scheint auf der Insel ein angesehener Mann zu sein, was uns bei manch einem Taxifahrer sehr geholfen hat. Der Süden Ägyptens ist der nördliche Teil Nubiens, was ethnisch etwas ganz anderes und heute kein eigenes Königreich mehr ist. Es ist ganz eindeutig Afrika (wenn man das so pauschal überhaupt sagen kann).
Der Anleger in Assuan stadtseitig und unsere Anlegestelle auf der Insel




In den Straßen von Elefantine
Sie bestehen aus Sand und Lehm, sind unglaublich schmal und verwinkelt und haben an einigen Ecken zum Glück auch Straßenlaternen. Trotzdem verlaufen wir uns immer wieder einmal, vor allem, wenn der Strom ausfällt. Es wird schließlich um kurz nach fünf dunkel. Zum Glück sitzt immer wieder jemand an einer Ecke, der Hamadas Haus kennt.

















Im Zentrum der Insel gibt es eine Oase, in der wir uns, gut eingesprüht gegen Moskitos, die Bewässerung angeschaut haben.









Viele haben wirklich nicht viel. Einige haben etwas mehr, weil sie vermieten können. Da gibt es aufgestockte Häuser, Klimaanlangen und ein Fahrrad für die Kinder. Die Stadt lebt vom Tourismus und es sind nicht viele da. Mehrfach werden wir gefragt, ob wir wüssten, warum die Leute nicht kämen. Einer erzählte Moritz, sie seien bei ca. 40% des Vor-Corona Niveaus und nun hätten von den wenigen, die gebucht hätten auch noch viele wieder storniert. Wir freuen uns über weniger Geschiebe in den Tempelanlagen, sehen aber auch die Kapazitäten an Booten und Fahrzeugen, die ungenutzt in Häfen und Haltebuchten stehen. Uns trifft der tägliche „Verkaufsmarathon“: Sobald wir das Haus verlassen möchte uns jemand eine Taxifahrt, eine Bootsfahrt, einen Tempel- oder einen Restaurant- oder Museumsbesuch verkaufen. Sie sind sehr hartnäckig und laufen uns teilweise sehr lange nach. Die Mädchen kennen das noch gar nicht und sind entsprechend genervt. Den Großteil bekommt Moritz ab, da die Verkäufer natürlich vor allem mit dem Mann im Haus verhandeln.

Leider versuchen einige die fehlenden Einnahmen auf unsere Preise aufzuschlagen und ohne Trinkgeld gibt sich keiner zufrieden. Andere Länder, andere Sitten. Zum Glück treffen wir immer wieder auch Menschen, die uns die echten Preise verraten, was uns das Verhandeln deutlich leichter macht.
In Assuan Eastbank mussten wir wiederholt größere Besorgungen erledigen…moderner, aber auch lauter und wuseliger. Der Souk mit lebenden Tieren hat die Kinder nachhaltig beschäftigt.





Natürlich haben wir in Assuan auch einiges besichtigt. Zunächst das nubische Museum und den Philae Tempel, zu dem man nur mit dem Boot gelangt. Hierbei handelt es sich richtigerweise um einen Tempelkomplex, der Ende der 70ziger Jahre von der Insel Philae auf eine höhergelegene Insel im Nasser Stausee verlegt wurde. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er durch die erste Staumauer immer wieder vom See überflutet. Heute, nach Bau einer noch höheren Staumauer, liegt die eigentliche Insel ganz unter der Wasseroberfläche. Die Anlage ist für ägyptische Verhältnisse sehr jung und wurde ca.370 v.Ch. erbaut. Der Haupttempel ist der Göttin Isis geweiht, ein weiterer der Göttin Hathor.










Im nubischen Museum auf Elefantine, kurz vor Sonnenuntergang, teils alte Wohnbebauung, ein Tempel und ein Nilometer









Was bei einem Besuch in Assuan auf keinen Fall fehlen darf, ist ein Besuch in Abu Simbel. Aus der Ferne betrachtet liegt der berühmte Tempel von Assuan aus quasi um die Ecke. Wenn man dort ist relativiert sich das Ganze etwas. Abu Simbel ist ein sehr kleiner Ort und nur wenige Kilometer Luftlinie von Grenze zum Sudan entfernt. Um aus Assuan dorthin zu gelangen muss man sich ca. 3-4 Stunden von einem großen oder kleinen Bus durch die Wüste fahren lassen. Da es am Tempel unglaublich heiß wird, ist die Stoßzeit zwischen 8.00 und 10.00 Uhr morgens. Dafür fährt der Bus um 4.00 Uhr los. Um eben diese Stoßzeit zu umgehen und die unchristliche Abfahrtszeit zu vermeiden haben wir zunächst versucht später loszufahren. Wir haben dafür allerdings keinen Fahrer bekommen. Im Nachhinein sind wir froh drum. Es war schon um 8.00 Uhr so unglaublich heiß, dass wir es später aufgrund der Hitze einfach nicht geschafft hätten. Unser Fahrer ist netterweise so zügig gefahren, dass wir 10 min vor den meisten anderen dort waren und noch etwas Luft und Raum im Tempel war.
In Abu Simbel hat sich Ramses II, der ganze 68 Jahre lang über Ägypten geherrscht hat, um 1300 v.Chr. ein Denkmal gesetzt. Mit dem Nebentempel, in dem die Göttin Hathor, eine allumfassende Muttergöttin, verehrt wurde, hat er seiner Königin Nefertari ein bemerkenswertes Geschenk gemacht. Sieht man vor dem Haupttempel nur Statuen, die den Pharao darstellen, so stehen vor dem Nebentempel Ramses und Nefertsri nebeneinander und sie sind dabei auch noch annähernd gleich groß dargestellt. Im Inneren des Tempels sieht man außerdem Abbildungen auf denen beide den Göttern Opfer darbieten und bis ins Innerste des Tempels vordringen. Beides sind eigentlich Privilegien, die allein dem Pharao vorbehalten waren. Es zeigt, welchen außergewöhnlichen Stand die Königin gehabt hat.
Beide Tempel sind Felsentempel und ebenso wie die Tempel von Philae vollständig versetzt worden um sie vor dem Untergang im ansteigenden Nasser Stausee zu bewahren. Beide sind seit 1979 UNESCO Welterbestätte.
los ging es im Dunkeln mit dem Boot; die Sonne ging unterwegs irgendwo über der Sahara auf














Und der Hathortempel



Ein Abschlussbild und dann schnell zurück zum Bus, den Stausee im Rücken




