Nach einigen herrlich entspannten Tagen am Donaudelta fühlten wir uns gewappnet die Reise in die Türkei in einem Stück anzutreten. Wir sind, aufgrund der Hitze, extra früh losgefahren um möglichst viel Zeit noch im Kühlen fahren zu können. Das war auch gut so, hat allerdings trotzdem nicht dazu geführt dass wir schnell voran kommen. Nach 300km, für die wir 9 Stunden gebraucht haben, sind wir kurzerhand in Bulgarien von der geplanten Route abgewichen, haben am Strand geparkt und es für den Tag drangegeben. Belohnt wurde es, trotz eines leider sehr vermülltem Strandes, mit dem ersten Bad im Meer seit Beginn unserer Reise.







Am nächsten Morgen ging es nach dem ersten Lernen im Camper, schließlich war in NRW der erste Schultag, weiter in Richtung Türkei. Einreiseformalitäten und Visa waren relativ schnell erledigt. Und hätten wir nicht 3 Stunden in der Schlange vor der Ausreise gestanden, wäre es eine richtig schnelle Nummer gewesen…..so waren wir erst im Dunkeln auf der Halbinsel von Gallipoli. Hier durften wir feststellen, dass Freistehen überhaupt kein Problem ist. Das machen alle. Außerdem haben wir leider auch schon eines der Hauptprobleme entdeckt: Überall fliegt unglaublich viel Müll in der sonst so schönen Landschaft herum. Die Menschen sind hilfsbereit und sehr freundlich, fahren wie sie wollen, sind aber trotzdem rücksichtsvoll dabei und schaffen es, dass der Verkehr für alle möglichst gut fließt. Auf der nächtlichen Autobahn unterbrach Ibrahim sein Facetimetelefonat mit seiner Freundin kurz um sich hupend und mit herunter gelassener Scheibe, bei 90km/h dem netten deutschen Camperfahrer kurz vorzustellen. In Çanakkale hat uns ein vor uns anstehenden PKW Fahrer den letzten freien Parkplatz freigegeben,weil er gesehen hat, dass der für unseren Camper gut passen würde. Kommen wir zum 2.Problem, was zugegebenermaßen vor allem unseres ist, NIEMAND spricht mehr als 2 Wörter Englisch. Ohne Internet und ohne Informationen wo wir neues Flaschengas, Wasser oder auch nur den nächsten Stellplatz anfahren können, fühlte ich mich ziemlich verloren. Viel mehr als ich es vorher erwartet hatte. Nach und nach konnten wir, vor allem mittels einer türkischen SIM Card im alten Handy und unserem eigenen kleinen Internetcafe im Camper alles lösen. Für alle, die es auch mal brauchen können: Es gibt eine Sorte türkische Gasflaschen, die passt mit dem Adapter für rumänische Flaschen auf unseren Druckminderer und wird in sehr kleinen AyGaz Geschäften verkauft. Mittlerweile klappt ja,nein und noch drei Brocken auf türkisch und wir sprechen wirklich mit Händen und Füßen. Es ist ganz gesund, mal die Perspektive zu wechseln um das Verständnis zu entwickeln für unzählige Flüchtlinge zu Hause, denen es ganz genauso geht.
In Gallipoli haben wir zunächst einige Denkmäler zu einer der großen Schlachten des ersten Weltkrieges besichtigt. Es war spannend, die türkische Seite dieser Geschichte zu sehen, da wir vor Jahren zum ANZAC Day in Neuseeland bereits eine Ausstellung dazu gesehen hatten. Australier und Neuseeländer bildeten den Großteil der Alliierten Truppen, die von Anfang 1915 bis Januar versucht haben über die Einnahme der Dardanellen einen Seeweg über das schwarze Meer nach Russland zu schaffen. In einem lang anhaltenden, verlustreichen Grabenkrieg starben 100.000 Soldaten beider Seiten. Wem kommt da nicht ein ähnlich brutaler,sinnloser Stellungskrieg 2023 einige 100km nördlich von uns in den Sinn?
Das osmanische Reich gewann und ein türkischer General tat sich auf Seite der Osmanen besonders hervor. Kemal Atatürk, Vater der Türken und späterer Staatsgründer der Türkei. Hier in der Agäis sind er und sein Bildnis auf jeden Fall deutlich präsenter als sein aktuellster Nachfolger.







landschaftlich sind die Dardanellen sehr schön und durch die Meerenge, über die heute eine Brücke führt, fahren immer noch erstaunlich große Pötte. Wir sind aber ganz klassisch mit der Fähre nach Asien übergesetzt und haben in Çanakkale erstmals türkisches Großtstadtleben gesehen: Lebhaft, laut, teils sehr touristisch, teils alt und schmutzig, immer spannend. Hier steht auch der Nachbau des trojanischen Pferdes auf der Promenade, den das Filmteam von ‚Troja ‚ 2004(?) nach Abschluss der Dreharbeiten Stadt und Museum überlassen hat. Das ganz neue Museum zu dieser alten Stadt und ihrer ganz eigenen Schlacht haben wir dann tags darauf, ebenso wie die eigentlichen Ausgrabungsstätten besichtigt. Pia sagte heute: “ Ich lerne so viel Geschichte in einer Stunde, in meinem Kopf ist gar kein Platz mehr.“

















Damit den Kindern, und auch uns, der Kopf nicht vollends überläuft, haben wir dann einfach mal ein paar Tage südlich von Troja in der Ägäis angebadet: Viel kälter als das schwarze Meer!










Und auch hier bestätigt sich wieder, der größte Luxus ist am Ende des Tages eine Stranddusche mit fließend kaltem Wasser 😀

