„Und sonst so, Indochina?“

„Und sonst so, Indochina?“

Viele kleine Dinge und Situationen, die wir in Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha erlebt haben, die wir als besondere Eigenheiten wahrgenommen haben, werden uns in Erinnerung bleiben. Sie sind natürlich Eindrücke der Stationen unserer Reise, lassen sich aber nicht nur einer einzigen zuordnen. Deshalb möchte ich versuchen, sie noch einmal so zusammen zu bringen.

Zunächst einmal sind uns die meisten Menschen sehr freundlich, interessiert und vor allem hilfsbereit begegnet. Gerade in den ländlichen Regionen, in denen weniger Touristen unterwegs sind, sind die Kinder immer begeistert begrüßt worden und wir sind von vielen darauf angesprochen worden, dass wir ’so viele‘ Kinder haben. In Phnom Penh und Saigon hat man uns in den Hotels extra auf die Gefahr durch Taschendiebe hingewiesen und gezeigt, wie unsere Sachen möglichst sicher untergebracht werden. Wir haben uns, egal wo, nie unsicher oder bedroht gefühlt!

Ja,was ist uns so ins Auge gefallen? Vielleicht als erstes, dass ALLE Roller fahren; alle außer Touristen und Schulkindern. Und in Vietnam sind selbst die mit einem E Scooter unterwegs. Auf und mit einem Roller kann aber auch alles transportiert werden und Passagierbeschränkungen sind nur etwas für kleingeistige Europäer. Unsere maximal beobachtete Fahrgastzahl auf einem Roller waren Eltern, zwei Kleinkinder, ein Säugling und ein Hund. Auf die Frage, ob bei so vielen Kindern auf dem Roller die Polizei, die überall an den Straßen kontrolliert, nichts sagt, haben wir die Antwort bekommen: “ Das sieht doch jeder, dass die Kinder noch nicht selber fahren können.“ Wenn man es so sieht…Für Roller gelten vorhandene Verkehrsregeln und Fahrspuren im Übrigen noch weniger als für Autos und wir waren immer wieder SEHR erstaunt auf welchen Buckelpisten wir noch Roller angetroffen haben. Falls Red Bull noch Motorrad Stuntfahrer sucht – wir würden ein Casting unter den Dorfjugendlichen Südostasiens und auch noch Nepals vorschlagen.

Dichter Rollerverkehr in der Großstadt

Roller als ‚Zugpferd‘ von Tuk Tuks und als Transportmittel

Und wenn wir bei ungewöhnlichen Transportmitteln sind: Mir ist es endlich gelungen die von Moritz so geliebten Mini Trecker in Aktion zu knipsen

Und manchmal fährt dann doch noch jemand Fahrrad

Da die Bilder schon einen kleinen Eindruck vermitteln wie die Straßen Indochinas aussehen, dürfen an dieser Stelle die Straßenstände und Garküchen nicht fehlen! Gegessen wird offensichtlich selten zu Hause und wenn dann nichts Selbstgekochtes. An jeder Straße gibt es unzählbar viele Essensstände. Manchmal sind es zehn Obststände in einer Reihe, manchmal gibt es an jedem Stand etwas anderes. Was aber in allen vier Ländern auffiel: Es gibt viele Fleischgerichte und Fleisch wird vor allem gegrillt. Gegrillt wird alles auch über den definitiven Garpunkt „well done“hinaus. Aber angesichts der Tatsache, dass das Fleisch bei 35°C auf dem Markt ohne Kühlung verkauft wird, ist es sicherlich sinnvoll so lange zu garen bis auch die letzten Kleinstlebewesen im Filet gestorben sind. Manchmal sind die Grills echte große Grillstationen, manchmal aber auch nur eine Schüssel voll glühender Kohlen auf eine Rollerhardcaseablage geschraubt. Man kann aus allem einen Essenstand machen. Gegessen wird dann entweder auf kleinen Plastikstühlen und – hockern direkt neben dem Stand, oder aus der Tüte zu Hause.

Take Away à la Südostasien: Alles wird in Tüten verpackt

Gegessen wird neben vielen bekannten und unbekannten Früchten und Gemüsesorten buchstäblich alles, was sich bewegt. Gefreut haben wir uns über bis zu sechs verschiedene Mangosorten zur Auswahl. Herausfordernd waren Marktbesuche in den ‚wet market‘ Bereichen. Damit Fleisch und Fisch nicht verderben, werden sie so lange wie möglich, das heißt bis zum Kauf durch den Kunden, am Leben erhalten, oder, je nach Bedingung, auch nur fast. Nun ja, wer es verzehrt, muss sich damit auseinandersetzen wie es auf den Teller kommt. Die Menschen hier sind auf jeden Fall wesentlich näher dran als wir und sind auch wesentlich besser in der vollständigen Verwertung des Tieres.

Olfaktorisch herausfordernd sind nicht nur die lebenden Tiere, sondern vor allem die Vorliebe für fermentiertes und getrocknetes Essen.

Neben den besonderen Essensvorlieben ist uns immer wieder aufgefallen, dass bei dem meist guten Wetter und warmen Temperaturen alles draußen stattfindet.

In Vietnam sind uns die vielen Friseure aufgefallen, die gerne auf Verkehrsinseln und in der Nähe von Parkanlagen arbeiten.

Ein gepflegtes Äußeres scheint vor allen bei den Damen hohe Priorität zu haben. Die allermeisten erwachsenen Frauen trifft man nur ordentlich frisiert und geschminkt, mit schicker Kleidung und hohen Absätzen. Japanische und südkoreanische Touristinnen erkennt man gerne an besonders modernen, edgy Outfits, oder so wie uns Europäerinnen am eher legeren Auftritt. Früh am Morgen oder am Wochenende sah man auch mal eine ohne Make up. Mehr als einmal wünschte ich mir andere Teile meiner Garderobe als die aus dem kleinen Kleidersack her…Vor allem in Bangkok wird auch offensiv Werbung für schönheitschirurgische Eingriffe gemacht und aus den Beschreibungen und den Gesichtern der Damen hat man gesehen, dass wir auch da noch reichlich Luft nach oben haben. Man mag darüber streiten inwieweit das eine wünschenswerte Messlatte ist.

Aufgefallen ist uns auch, dass Personal sehr günstig zu sein scheint. In vielen Geschäften gibt es dreimal so viel Servicepersonal wie Kunden. Die unterbeschäftigten Mitarbeiter verbringen somit offensichtlich sehr viel Zeit mit ihrem Smartphone. Das scheint leider manchmal so fesselnd zu sein, dass sie sich dann trotz Kundschaft nicht loseisen können.

Eine weitere Sache, die mir sehr sympathisch ist, ist dass vor dem Betreten eines Hauses, Hotels oder sogar Geschäftes die Schuhe ausgezogen werden. Wenn man bedenkt, dass wir außerhalb Bangkoks keine funktionierende Kanalisation mehr gesehen haben, und Abwässer in der Gosse und in den Flüssen landen, finde ich das sehr nachvollziehbar.

Die Badezimmer sind auf jeden Fall auch eine Sache, die wir in bleibender Erinnerung behalten werden.Wir haben nur sehr wenige Hotels gehabt, in denen die Armaturen fest mit Wand oder Keramik verbunden waren. Vorsicht war immer geboten nicht das ein oder andere gleich ganz in der Hand zu haben. Als Duschwanne fungiert nahezu immer der ganze Raum. Sprich, die Türschwelle ist erhöht und wir mit gefliest und irgendwo im Raum gibt es einen zentralrn Abfluss. Manchmal war das aber auch ein Loch in der Wand und morgens saß eine Kröte in der Dusche. Wenn man Glück hat, hat das Waschbecken einen eigenen Abfluss in die Wand, wenn nicht tropft das benutzte Wasser unten aus der Stelle an der eigentlich der Syphon sitzt in genau den gleichen Abfluss wie der Rest. Da gilt es die Füße nicht zu weit unter dem Becken stehen zu haben…

Insgesamt haben wir große Unterschiede in den Lebensbedingungen der Menschen gesehen. Allein die Tatsache, dass der Reiseführer empfiehlt sich zur medizinischen Versorgung nach Thailand fahren zu lassen falls in Laos etwas passiert, spricht für mich Bände. Der Großteil der laotischen Bevölkerung wird diese Möglichkeit nicht haben. Wir haben viel Reichtum und noch mehr Armut gesehen. Manchmal hatte ich das Bedürfnis die Kinder zu nehmen und in unsere sichere Wohlstandsblase Mitteleuropa zurückzubringen. Denn das wird mir immer mehr bewusst: Egal wie schwierig das Leben zu Hause gerade ist, unsere Heimat mit ihren Lebensumständen ist eine Insel der Glückseligen im Vergleich zu einem großen Rest der Welt! Es kann und wird uns hoffentlich nie SO schlecht gehen, dass sie ihre Anziehungskraft verliert.

1 Kommentar

So schön beschrieben! Ich melde mich schonmal für den Sommer bei euch in Detmold an, um genauer zu erfahren, was all die Eindrücke mit euch – großen und kleinen – gemacht haben! 🙂

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