Nach einem kurzen und für uns sehr kalten Stopp over in Frankfurt ging es weiter nach Asien. Die erste lange Flugreise war für uns und die Mädchen jeweils aufregend und anstrengend. Moritz, Pia und Anna hatten drei Tage Vorsprung da sie über Dubai geflogen sind.






Und dann kommt am Flugzeugfenster der Himalaya in Sicht…..
Kathmandu begrüßt uns mit Sonnenschein, Dunst, Smog und Gebetsfahnen. Nachdem wir in den ersten Tagen alle mehr oder weniger mit dem Jetlag zu kämpfen hatten, sind wir nach und nach immer besser reingekommen und haben angefangen Nepals viele große und kleine Heiligtümer zu besichtigen. Wobei auch wir unbedingt bestätigen können, was uns viele berichtet hatten: Religion und religiöse Orte sind weniger Ausstellungsraum als ganz natürlicher Bestandteil des Alltags! An jeder Straßenecke steht ein kleiner oder größerer Schrein, vor den Türen stehen Schalen mit Opfergaben, an Fenstern und auf Simsen hängen Blumenketten und auf den Plätzen zwischen den Häusern stehen Tempel. Außerdem ist es bunt, laut, vollender hupender Rollerfahrer und voll von äußerst abenteuerlichen Strommasten, -leitungen und -verteilungen.
Unser erster Anlaufpunkt war Patan. Eine vormals eigenständige Stadt, die mittlerweile durch den Zuzug vieler Landbewohner mit Kathmandu zusammengewachsen ist.








Zunächst angesehen haben wir uns den Durbhar Square von Patan, das spirituelle Zentrum, der ehemalige Königspalast mit vielen weiteren kleinen Tempeln. Ein kleines Museum erklärt grundlegendes zu den buddhistischen, aber auch hinduistischen Göttern und der Geschichte der Könige. In Nepal gibt es sowohl buddhistische, als auch hinduistische Tempel und Heiligtümer. Vielerorts vermischen und verschmelzen die Religionen aber auch und Tempel werden von Gläubigen beider Religionen benutzt und verehrt. Der Gründer des Buddhismus und erste Buddha, Prinz Siddhartha Gautama wurde 623 vor Chr. im Süden von Nepal, in Lumbini geboren.












Eine weitere Attraktion in Patan ist der wunderschöne Golden Tempel. Ein buddhistischer Tempel













Am nächsten Tag sind wir vom Zentrum Patans bis zum Durbhar Square von Kathmandu gelaufen. Auch hier gibt es viele Tempel und einen ehemaligen Königspalast. Da wir spät dran waren, haben wir den Palast nicht mehr besichtigt, haben aber unverhofft die Kumari zu sehen bekommen. Die Kumari ist eine kleines Mädchen, die von Geburt an bis zur ersten Regelblutung als lebende Göttin verehrt wird und in einem besonderen Palast am Durbhar Sqaure lebt. Sie zeigt sich einmal am Tag für wenige Minuten an einem Fenster ihres Palastes und darf das Haus nur 13x im Jahr zu bestimmten feierlichen Anlässen verlassen….Fotografieren darf man sie nicht. Sie trägt prachtvolle rote Gewänder und ist aufwendig geschminkt, aber sie hat wirklich nicht glücklich ausgesehen. Und wir waren uns alle einig, dass wir auf keinen Fall mit ihr tauschen wollen! Der Fußweg hat eindrucksvolle Einblicke in das Alltagsleben gegeben. Es gab viel zu sehen, wir haben einem Schmied bei der Arbeit zugesehen, einem anderen Arbeiter, der Moniereisen mit der Hand verbogen hat…aber leider auch viel zu riechen. Hier, wie auch schon in den anderen Schwellenländern zuvor, ist der Müll ein riesiges Problem. Eine Müllsammlung oder -abfuhr ist fast nicht existent und so werden Büsche, Höfe und vor allem der Fluss zur Müllhalde und Kloake. Die Stadt wächst auf mittlerweile 2.5 Millionen Einwohner, weil immer mehr Menschen vom Land ins Zentrum kommen in der Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben. Einigen gelingt es wohl, andere landen in den Slums am Flussufer zwischen Pappkartons und Plastikplanen. Selbst aus den festeren Behausungen geht das Abwasser ungefiltert in den Fluss und an vielen Stellen haben wir Frauen die Wäsche in einer Schüssel unter dem nächsten öffentlichen Wasserhahn waschen sehen. Der Rest geht in die Gosse.







Kathmandu Durbhar Square, hier ist im letzten großen Erdbeben 2015 sehr viel zerstört worden. Einiges wird und wurde wieder aufgebaut, anderes wird wohl zerstört bleiben. Es bleibt ein mulmiges Gefühl beim Betrachten der zerstörerischen Kraft und dem Wissen, das Erdbeben hier (fast) jederzeit und überall auftreten können.















Ein öffentlicher Waschplatz in der Nähe des Durbhar Square
Und dann geht die Sonne unter.


Am wichtigsten war es den Kindern den sogenannten „Affentempel“ zu besichtigen. Hierbei handelt es sich um die Swayambhu Stupa, die auf den westlichen Hügeln etwas außerhalb der Stadt liegt. Eine Stupa ist ein buddhistisches Heiligtum, das an das Grabmal Buddhas erinnert. Die ersten Stupas haben noch jeweils Reliquien des Religionsgründers enthalten, mittlerweile sind sie nur noch symbolische Grabmale. Typisch für die nepalesischen Stupas sind die allsehenden Augen Buddhas, die an allen Seiten aufgemalt sind. Kurz vor dem „Gipfel“ sieht man oft scheinbar unerreichbar Stufen, die im Nichts beginnen. Sie symbolisieren die letzten, kaum zu erreichenden Stufen zur Erleuchtung auf dem Weg ins Nirvana. Stupas sind immer rund und müssen im Uhrzeigersinn umrundet werden. Dabei sind viele Gebetsmühlen zu drehen. Geschmückt werden sie mit unzähligen Gebetsfahnen, deren aufgedruckten Mantren Wünsche und Gebete mit Sonne und Wind in den Himmel tragen sollen. Außerdem gibt es zahlreiche gelbe Blumengirlanden. Diese Blumen blühen zu unserer Freude gerade um diese Jahreszeit und so sieht man sie nicht nur an den Tempeln, sondern auch in den Gärten der Menschen. Das besondere am Affentempel sind Horden von Affen, die in den Bäumen um die 300 Stufen zur Tempelanlage leben und den Besuchern ziemlich nahe kommen. Essen sollte man, wie wir anhand einer Melone in der Hand eines Kleinkindes beobachten konnten, besser verpackt lassen. Die Affen springen nämlich bis auf den Schoß um Essbares unsanft zu entreißen. Die kleinen Affen finden es scheinbar aber auch lustig das Treppengeländer runterzurutschen- genauso wie unsere Kinder.















Und dann kam doch noch die Sonne raus und wir konnten den Ausblick von oben auf die Stadt genießen




Bei strahlendem Sonnenschein am nächsten Tag haben wir dann die zweite große Stupa, die Buddha Stupa im Osten der Stadt, ein Zentrum des tibetischen Buddhismus besucht. Sie liegt im Zentrum eines runden Platzes mit mehreren Klöstern und hübschen Häusern. Auch hier pilgern die Mönche im Uhrzeigersinn und drehen die Gebetsmühlen. In den Klöstern gab es ein paar besonders große Exemplare, die man mindestens 3x umrunden muss.














Eine weitere spirituelle Besonderheit war dann noch der Besuch eines hinduistischen Heiligtums. Der Pashupatinath Tempel ist eine Tempelanlage, in der 24/7 Beerdigungen stattfinden. Im Hinduismus heißt das, daß die Familie den Verstorbenen zum Heiligen Fluss bringt, dort wäscht und er oder sie dann dort vor aller Augen verbrannt wird. Der Umgang mit Trauer und Verstorbenen in einer großen offenen Familienzeremonie war für uns alle eine besondere transkulturelle Erfahrung. Gruselig war eigentlich nur, dass die lebenden Angehörigen zum Waschen in den schmutzigen Fluss gestiegen sind. Und wie Charlotte feststellte: “ Eigentlich ist es doch sehr tröstlich und schön, wenn man genau weiß, was hier nach dem Tod mit einem passiert. Dann muss man sich gar nicht mehr fürchten.“












Hallo,
Ich habe euren Blog dankenswerterweise von Melanie Cramer bekommen und ich habe ganz begeistert euren Bericht gelesen. Die Welt in Nepal hat sich kaum verändert, ich war mehrmals und das letzte Mal vor ca. 40Jahren in Nepal und Tibet gewesen. Deine Kommentare kann ich gut , ja sehr gut nachvollziehen. Einfach klasse.