Luxor

Luxor

Von Assuan aus ging es für uns weiter nach Luxor. Auf Hamadas Empfehlung und Vermittlung hin, sind wir statt mit dem Zug mit einem Minibus mit Fahrer gefahren. Vereinbart war, dass wir auf dem Weg in den Tempeln von Kom Ombo und Edfu Halt machen sollten. Unser Fahrer versuchte uns bei der Abfahrt dann davon zu überzeugen, dass der direkte Weg über die Autobahn auf westlicher Nilseite der Weg zum Glück sein solle. Nach mehreren Telefonaten mit seinem Chef und SEHR viel Nachdruck von Moritz‘ Seite hat er uns letztlich über die Nebenstrecke am östlichen Nilufer und an den Tempeln vorbei nach Luxor gefahren. Darüber sind wir nicht nur wegen der ansonsten entgangenen Besichtigungen froh, sondern auch, weil wir so einen sehr schönen Einblick in das Leben in den Oasen und Städten in Oberägypten bekommen haben. Es war auch wieder eine sehr lehrreiche Erinnerung daran, wie in vielen Ländern der Welt verhandelt werden muss. Bezahlt wird erst NACH erfolgter Leistung oder frei nach Chris de Burgh „don’t pay the ferriman…..until he gets you to the other side“

Zunächst aber Kom Ombo. Eine kleine Stadt zwischen Assuan und Luxor, die einst neben Elefantine das Regierungszentrum des Gaues Ta-seti in Oberägypten war. Der Tempel entstand um 300 v.Chr. unter ptolemäischer Herrschaft. Ein besonderer Tempel, weil es sich hier um den einzigen Doppeltempel handelt. Er ist letztlich wie ein Doppelhaus gebaut in dessen einer Hälfte der falkenköpfige Gott Horus und in der anderen der krokodilköpfige Gott Sobek verehrt wurde. In seinem Tempel hat man auch sehr viele Krokodilmumien gefunden, die in dem Tempel zugehörigen Krrokodilmuseum ausgestellt werden. Heute gibt es das berühmte Nil-Krokodil übrigens nur noch südlich des Nasser Staudamms.

Der Tempel liegt direkt am Nilufer, gut für die ganzen Flusskreuzfahrer von heute, schlecht für die Bausubstanz des Tempels, der unter manch einem Nilhochwasser sehr gelitten hat.

Original erhaltene Deckenfresken und in der Hieroglyphenkartusche der Name von Kleopatra

Säulenkapitelle nach griechisch-römischen Geschmack, aber durch die Verwendung von Lotusblüten, Papyrus und Dattelpalmen als schmückendes Element auf Ägypten zugeschnitten.

Am Wegesrand beobachten wir weiter ganz alltägliches landwirtschaftliches Leben, das sich sehr von Mitteleuropa unterscheidet. In den Oasen am Nil wird hier reichlich Zuckerrohr angebaut. Als Wasserstellen gibt es überall am Weg große Tonkrüge, aus denen sich die Leute mit der am Henkel hängenden Tasse etwas Wasser schöpfen.

Unser nächster Halt war am Edfo Tempel, der einer der am besten erhaltenen ägyptischen Tempel ist. Hier hatte ich tatsächlich ein Indiana Jones Gefühl und habe zum ersten Mal auch den klassischen Aufbau eines ägyptischen Tempels verstanden.

Zunächst der Pylon, eine Art Wehrturm zum Schutz der Anlage. Zu Beginn handelte es sich um einfache Mauern, am Ende um mehrstöckige, begehbare Türme. Zur Abschreckung sind sie mit Kriegsszenen erfolgreicher Kriegszüge der Pharaonen bemalt. Der Tempel war einer lokalen Abwandlubg des Gottes Horus geweiht.

daran anschließend der große Säulenhof

Und die Säulenhalle

Im Inneren die Vorkammer mit Nebenkapellen und dem innersten heiligen Schrein

An der Außenseite sind der Säulenhof, die Halle und auch die inneren Kammern von großen Mauern umgeben, deren Zwischenraum die einzige Möglichkeit für Normalsterbliche war dem Göttlichen nahezukommen.

In Luxor haben wir unser Quartier wieder auf der westlichen Nilseite bezogen. Die Innenstadt und auch die Anleger der Flusskreuzfahrer sind am östlichen Nilufer. Hier stehen auch viele der Tempelanlagen für die Luxor berühmt war. Luxor war für viele Jahrhunderte die Haupstadt des ägyptischen Königreiches und hieß um Christi Geburt Theben. Aus diesem Grund sind hier nicht nur besonders viele Tempel, sondern am westlichen Ufer auch das Tal der Könige und der das Tal der Königinnen. Zu altägyptischen Zeiten befanden sich am westlichen Nilufer vor allem diese Nekropolen, aber auch die Häuser und Werkstätten der Menschen, die die Gräber bauten. Heute ist auch das westliche Nilufer besiedelt, allerdings deutlich dörflicher und landwirtschaftlicher geprägt als im Osten. So gibt es viele kleine Restaurants und Cafés direkt am Ufer. Dahinter schließen sich aber zunächst Bananen- und Mangoplantagen an. Auch in Luxor merken wir deutlich, dass die Touristen fehlen. ALLE wollen uns alles verkaufen und Transporte lassen sich, teilweise, auf das Niveau der öffentlichen Fähre runterhandeln. Es scheint aber die Hoffnung zu geben, dass die Zeiten besser werden, denn zwischen Bananenstauden und dreckigen Abwassergräben wir gebaut. So lag unsere Villa mit Pool (glückliches Upgrade weil die eigentlich gemietete Wohnung gerade eine Baustelle ist) direkt neben dem Bauerhof des Onkels. Bauernhof bedeutet ein normal großes Ziegelgebäude mit einem großen Innenhof, in dem Ziegen, Hühner und Kühe auf getrockneten Maisspreu stehen. Wasserbüffel und Esel weiden vor der Tür. Auch hier sind nur die Hauptstraßen befestigt und alle weiteren Straßen staubige Lehmpisten. Ein weiteres Problem, sicherlich nicht nur in Ägypten ist der Müll. In der Türkei hat es mich noch verzweifelt und traurig gemacht, weil man gesehen hat, dass es eigentlich anders ginge. Dass die Ressourcen da wären, wenn nur der Wille und die Aufklärung irgendwo vorhanden wären. Hier kann ich nur resignieren. Einer der Bootsleute erklärt uns, dass eigentlich die Stadt für die Müllentsorgung zuständig wäre, allein sie stellt noch nicht mal Mülltonnen auf. Wo in der Türkei an vielen Straßenecken wenigstens eine gemeinsame Schuttmulde steht- hier gibt es im ganzen Viertel nichts, gar nichts. Der Müll liegt auf der Straße, im Bewässerungsgraben und auf wilden Müllkippen. Hier leben Hundrudel, fressen Kühe die Reste und alle paar Tage wird der Müll abgebrannt um Platz zu schaffen. Was sollen die Menschen auch tun? Auch hier ist es ein ungesundes, hartes Leben. Wir treffen einen 45jährigen ‚alten‘ Mann mit einem Zahn im Mund; hatte mal einen Unfall, hat sich dabei das Knie verletzt. Nun kann er nicht mehr arbeiten. Mitteleuropa ist weit weg. Am östlichen Nilufer wird gerade der Kreuzfahranleger neu gebaut. Es gibt dreigeteilte Recylingmülleimer. diese gut sichtbare riesige Schere ist wohl das, was es im Schwellenland auszuhalten gilt.

Unser Haus und die umgebenden Straßen direkt vor der Haustür

Der tägliche Weg durch den Bananenhain an der Müllkippe vorbei zum Nilufer

Am Ufer und dann auf der anderen Seite am Anleger- Sonnenuntergangstouren sind sehr beliebt. Es sieht aber auch schön aus!

Mehrreihig liegen die Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Einige haben schon länger keine Gäste gesehen.

Auch in Luxor war es noch unglaublich heiß, so dass wir unsere Besichtigungen dosiert und in die frühen Morgen-oder Abendstunden gelegt haben.

Zunächst den Luxor Tempel, ein Tempel (1550 v.Chr. begonnen) Amun Re und seiner Faru Muth geweiht und durch Ramses II und Amenhotep erbaut. Im ersten Säulenhof des Tempels wurde in späterer Nutzung zunächst eine koptische Kirche erbaut, die unter osmanischer Herrschaft eine Moschee wurde. Diese wird auch heute noch benutzt. Somit ist der Luxortempel seit mehr als 3000 Jahren eine lebendige Religionsstätte.

Unter römischer Regierung erhielt der Tempel in der Nähe des Allerheiligsten einen extra Schrein zur Verehrung des Kaisers.

Der Luxortempel ist über eine drei Kilometer lange Sphingenallee mit dem älteren Karnak Tempel verbunden. Sie wurde damals als Prozessionsstraße erbaut und bis zum Jahr 2021 wieder vollständig freigelegt und wiedereröffnet.

Am nächsten Tag dann der Karnak Tempel mit seiner berühmten großen Säulenhalle

Und das Luxor Museum mit einigen der dort gefundenen Schätze, sowie zwei Mumien aus dem Tal der Könige

Ganz früh am nächsten Morgen haben wir uns mit dem TukTuk an unserem Nilufer ins Tal der Könige aufgemacht. Dadurch konnten wir auch noch einen letzten Blick auf die auch hier beliebten Ballonfahrten zu werfen.

Im Tal der Könige muss man sich für drei, der geöffneten Gräber entscheiden. Das Grab von Tutenchamun kostet immer ca.50€ extra, ebenso wie die Gräber von Seth I. Und Nefertari im Tal der Königinnen.

heiß, heißer, Tal der Könige

Zur Abkühlung besichtigen wir dann noch das Haus von Howard Carter und eine naturgetreue 3D Nachbildung des Grabes von Tutenchamun, was nicht nur unseren Geldbeutel schonte, sondern auch das empfindliche Original. Die Gräber leiden sehr unter u.a.der Luftfeuchtigkeit, die von den Besuchern hineingebracht werden. Gerade laufen in den Gräbern wissenschaftliche Untersuchungen inwieweit der Besucherzugang die Gräber verändert und ob und wieviel dieser begrenzt werden muss um sie zu schützen. Denn wie im Carter Haus steht: Die Gräber wurden für die Ewigkeit gebaut, aber nicht um besucht zu werden.

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