Ephesos, Schildkröten und das Meer

Ephesos, Schildkröten und das Meer

Als wir unsere Reiseroute planten schauten wir mit den Mädchen unter anderem eine Folge der Serie „Checker Tobi“, in der der Moderator die Türkei bereist. Eine Station seiner Reise war eine Schildkrötenrettungsstation im Südwesten der Türkei. Nach kleiner Recherche war klar, dass es sich um die Station DEKAMER am ‚Turtle Beach von Iztuzu handeln muss. Damit war, vor allem für Charlotte, eines der Reiseziele gesetzt. Im östlichen Mittelmeer gibt es drei Sorten Meeresschildkröten: Grüne Meeresschildkröten, unechte Karettschildkröten und Lederschildkröten. Sowohl die grünen Meereschildkröten, als auch die unechte Karettschildkröte haben ihre Brutstrände an der türkischen Südwesteküste. Dabei kehren die weiblichen Meeresschildkröten zur Eiablage immer wieder an den Strand zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind. In freier Wildbahn werden Karettschildkröten im Alter zwischen 20 und 35 Jahren geschlechtsreif und nur ca. 3 von 1000 geschlüpften Jungschildkröten erreichen dieses Alter. Viele werden schon als wenige Zentimeter große Babys von Fressfeinden gefressen, aber ein riesiges Problem sind die Fischerei und die unglaublichen Mengen Plastikmüll im Meer. Schildkröten können zwar lange die Luft anhalten und viele hundert Meter tief tauchen, aber nicht so lange bis Schleppnetze oder Langleinen wieder an der frischen Luft sind. Außerdem sieht eine im Meer treibende Plastiktüte für eine Schildkröte nahezu identisch aus wie eine Qualle. Diese sind das Hauptnahrungsmittel von Karett und Lederschildkröten. Gerade in dem Augenblick im dem ich dies schreibe, sitze ich an einem Strand und es ist unfassbar traurig zu sehen wie sorglos alle hier ihren Müll verteilen und wieviel Plastik, Dosen, Tüten allein in der kurzen Zeit, die wir hier sind, ins Meer geworfen werden. Das kleine Stück Sandstrand ist übersät mit Zigarettenkippen. Anna siebt beim Spielen viel mehr Kippen als Steine aus ihrem Eimer. Es tut mir unglaublich leid für die Kinder, aber ich kann ihr keinen saubereren Strand bieten. Einzig die Strände vor den großen Clubanlagen werden vom Plasikmüll befreit. Die Kippen liegen allerdings auch da. Ich fühle mich hilflos angesichts dieser Masse und frage mich immer wieder welchen Unterschied schon die drei Dosen machen, die ich vom Strand mitnehmen und entsorge….

Das sind Bilder, die ich in diesem Moment in 5m Umkreis um meinen Stuhl gemacht habe….

Unsere Erfahrungen mit den Menschen in der Türkei sind durchweg positiv. Sie sind gastfreundlich, positiv neugierig, interessiert, kinderlieb und hilfsbereit. Einzig dieses absolut nicht vorhandene Umwelt-und Müllbewusstsein trüben unser Bild. Falls irgendjemand eine Idee hat, wie man das Bewusstsein verbessern kann, ohne den Grundschulunterricht der Türkei beeinflussen zu können oder jemanden kennt, der das kann, immer her damit.

Bei DEKAMER ist man zumindest bemüht, den Strand in Iztuzu zu schützen, was im Vergleich zu anderen Orten scheinbar sehr gut gelingt. Nachts gehört dieser Strand den Schildkröten und darf nicht betreten werden. Gelege werden markiert und geschützt und alle verletzten Schildkröten, die ihnen gebracht werden, werden tierärztlich versorgt und gepflegt bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können. Kleine veriirte Babys werden am Strand aufgesammelt bis sie kräftig genug sind um das Meer selber zu erreichen. Das alles um jede erwachsene Schildkröte der Art zu erhalten, der auch der Klimawandel mit steigendem Meeresspiegel und Temperaturen zusetzt. Den wie bei Krokodilen entscheidet die Temperatur im Nest über das Geschlecht der Tiere. Bei Temperaturen über 30°C schlüpfen fast ausschließlich Weibchen….

Zum Baden waren wir dann vor allem drei Dörfer und zwei Buchten weiter, wo es einen Campingplatz gab, aber noch besser, zufällig Freunde aus Detmold ihre Herbstferien verbringen. Schön, dass es solche Zufälle gibt!

Da sich unsere Zeit in der Türkei nun langsam dem Ende nähert ist die Fahrtrichtung von nun an immer NORDWESTEN. Was wir dabei aber nicht links liegen lassen konnten, ist die antike Stadt Ephesos, die neben dem heutigen Selçuk liegt. Von allen UNESCO Welterbestätten in Kleinasien war es hier bisher am überlaufensten, aber auch am eindrucksvollsten. Vom Weltwunder Artemistempel ist leider nur noch ein Säule zu sehen, aber in der antiken Stadt bekommt man ein gutes Bild, wie es einmal ausgesehen haben könnte. Einiges wurde hier original gefunden und wieder aufgebaut, einiges wurde auch rekonstruiert.

Ephesos war mit bis zu 200.000 Einwohnern um Christi Geburt die größte Stadt in Kleinasien und in der römischen Provinz Asia Minor lange auch die Hauptstadt.

Artemistempel

Bilder aus der antiken Stadt und dem Ephesos Museum in Selçuk

Eindrucksvoll und meiner Ansicht nach etwas wenig betrachtet, weil abseits liegend, ist die Marienkirche auf dem Grabungsgelände. Laut den Erzählungen haben sich nach Jesu Kreuzigung sein Jünger Johannes und Maria in Ephesos in Sicherheit gebracht, da die Christen in der Provinz Palästina deutlich schärfer verfolgt wurden als in anderen Teilen des Reiches. Hier soll Johannes angeblich auch große Teile seines Evangeliums verfasst haben und in der heutigen Stadt gibt es ein Haus, das Marias Wohnhaus gewesen sein soll. Tatsächlich hat nach dem Ausrufen des Christentums als Staatsreligion in der Ephesoser Marienkirche eines der ersten Konzile der kleinasiatischen Bischöfe stattgefunden. Dabei sollte besprochen werden, ob es sich bei Maria nun um die Mutter Gottes oder nur um die Mutter des irdischen Jesus handelt. Die Kirche soll die weltweit erste sein, die Maria geweiht wurde.

Architektonisch finde ich daran besonders spannend, dass es sich trotz des christlichen Gotteshauses, schlicht um ein Bauwerk seiner Zeit handelt und somit viele Elemente aufweist, die wir mit antiken Tempeln, aber nicht mit einer Kirche verbinden.

1 Kommentar

Das ist sehr interessant und sind beeindruckende Blider. Welche wunderbaren Kulturschätze in der Türkei zu sehen sind! Danke für die schönen Erlebnisse, die wir mit euch teilen können. Es macht Lust auf mehr!

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