„Driving down the 101- California here we come“

„Driving down the 101- California here we come“

Wenn man von Norden kommend immer dem Highway 101 am Meer entlang folgt, kommt man zwangsläufig irgendwann nach Californien. Auch wenn sich die Landschaft zunächst nicht ändert, an den Spritpreisen merkt man sofort, dass man in einem anderen Bundesstaat angekommen ist. Statt 4$ kostet die Gallone plötzlich 6,50$. Moritz hatte zum Glück vorgesorgt und die letzte Tankstelle Oregons angefahren um noch einmal vollzutanken. Da Californien ein riesiger Bundesstaat ist, mussten wir natürlich noch häufiger tanken, aber ein Stück weit hinein sind wir schon mal gekommen. Californien ist nach Alaska und Texas der drittgrößte Bundesstaat der USA und damit viel größer als Deutschland. Und auch wenn man bei uns gemeinhin vor allem an des Strandleben zwischen Los Angeles und San Francisco denkt (die Fahrt zwischen den beiden Städten dauert ca. 5 1/2Stunden über den schnellsten Weg), ist Californien vor allem Wald, auch Wüste, Landwirtschaft und die bis zu 3000 Meter hohen Berge des Sierra Nevada. Bereits beim letzten Mal haben wir unterschätzt, dass das ‚Hochgebirge‘ bedeutet und selbst bei diesem Mal, Ende Mai, waren nicht alle Pässe offen und wir haben noch reichlich Schnee gesehen.

Zunächst einmal sind wir aber weiter an der Küste entlang in Richtung Süden und der großen Redwoods gefahren. Hier im Norden ist die Straße abgesehen von uns Touristen einsam. In den Dörfern wohnen gerne zwischen 300 und 500 Menschen und irgendeine Form von Handyempfang, geschweige denn Internet, sucht man über weite Strecken vergeblich. Wir vor allem, die auf der Suche nach Campingplätzen waren.

Zur Zeit der Ankunft der ersten europäischen Siedler, ‚European Americans‘ wie der politisch korrekte Terminus 2024 in den USA lautet, war noch die ganze Küste entlang der Coastal Range vom südlichen Oregon bis fast nach San Francisco von dichten Redwoodwäldern bewachsen. Viele der Siedler sind vielerorts im Rahmen des Goldrausches auf der Suche nach dem schnellen Gewinn gewesen. Da sich dieser nur bei den wenigsten einstellte, schwenkten viele auf’s Holzfällen um und sicherten sich ihren Lebensunterhalt durch das Einschlagen und Verkaufen von Redwoods. Heute sind mehr als 96% der ursprünglich vorhandenen Bestände verschwunden und die vorhandenen ‚Waldinseln‘ werden als unterschiedliche Schutzgebiete zu den Redwood National- und Stateparks zusammengefasst.

Im Jedediah Smith Redwood State Park haben wir den ersten Halt auf unserer Reise zu den großen Bäumen gemacht.

Einen Tag später haben wir uns weiter südlich auf eine 22km lange Wanderung durch den Redwoodwald, den Fern Canyon, entlang des Strandes bei Gold Bluff und schließlich zurück zum Besucherzentrum gemacht. Die Mädchen haben sich so tapfer geschlagen und wir alle sind am Strand mit der Sichtung zweier vorbeiziehender Buckelwale belohnt worden!

Im Fern Canyon bekamen wir ziemlich nasse Füße

Die wohlverdiente Mittagspause und dann über den Strand zurück in den Wald

Unterwegs haben wir viele schöne Blumen entdeckt.

Wir haben es geschafft!

Ganz im Süden des Nationalparkverbandes liegt der Humboldt State Park. Dieser war vor 10 Jahren der nördlichste Punkt unserer Reise und wir hatten auf den unterschiedlichsten kurzen Trails Spaß daran, die besonderen Bäume von damals wiederzufinden. Was uns damals nicht auffallen konnte war, wie unterschiedlich der Bewuchs in den unterschiedlichen Regionen der jeweiligen Parks ausfällt. Im Norden ist der Unterbewuchs dichter und der Wald dunkler. Hier im Süden dominieren niedrige Farne den Unterbewuchs und lassen den Wald deutlich lichter erscheinen. Hier hat man zwischendurch immer mal wieder auch Ausblick auf den Fluss.

10 Jahre liegen dazwischen – die Bäume haben sich am wenigsten verändert.

Eine weitere schöne Erinnerung von damals, die wir wieder besucht haben ist Ferndale. Ferndale ist ein sehr kleiner Ort im nördlichen Californien ganz in der Nähe von Eureka. Hier gibt es im Ortskern eine sehr hübsche Main Street, an der mehrere alte viktorianische Gebäude stehen. Hier haben wir tatsächlich fast alles wiedererkannt. Natürlich haben sich einige Geschäfte verändert, aber nicht zu Ferndales Nachteil. Einen feinen Kaffee haben wir bekommen und ich habe die Gelegenheit genutzt um einen zweiten Pullover zu kaufen. Bei den Temperaturen war es mit nur einem anderen wirklich nicht mehr schön…

Etwas, das wir stark unterschätzt haben ist die Bedeutung des Memorial Days. Ähnlich unserem Volkstrauertag wird an diesem Montag Ende Mai der gefallenen Soldaten gedacht. Im Verständnis der Menschen ist es aber kein trauriger Tag, sondern ein Helden-Gedenktag. Es gibt Stadtfeste, Paraden und SEHR VIELE Flaggen! Neben Weihnachten und Thanksgiving ist es einer der wenigen Feiertage an denen fast alles geschlossen hat. Außerdem ist dieses lange Wochenende auch der Startschuss in die Sommersaison! Auf der langen Fahrt entlang des Highway 1, wie die Küstenstraße hier heißt, hatten wir wie so oft vorher auf einen der zahlreichen Campingplätze gebaut….vergeblich.

Wir sind tatsächlich fast bis Mitternacht durchgefahren bis wir auf dem nordgehenden Rastplatz an der Golden Gate Bridge angekommen waren. Hier darf man erstaunlicherweise über Nacht frei stehen und für die doppelte Fahrt über die Brücke sind wir mit einem sicheren Platz und einer unbezahlbaren Aussicht belohnt worden.

Am Memorial Day selber gab es auch in San Francisco nicht viel zu unternehmen und so haben wir nur den Golden Gate Park und das Fort unter der Brücke besucht. Aufgrund des Feiertages saßen viele Angler auf dem Pier und die Mädchen hatten wesentlich mehr Freude daran ihnen beim Krabbenfischen zuzusehen, als ’noch mehr blöde Hochhäuser‘ anzugucken.

Blick auf die Skyline der Stadt

Weiter ging es zum südlichsten Punkt unser USA Reise: Monterey Bay

Monterey haben wir vor 10 Jahren eher zufällig als Haltepunkt entdeckt und haben es in sehr guter Erinnerung behalten. Wir haben wieder auf dem sehr entspannten Campingplatz im Veteranspark gestanden und haben den Mädchen gezeigt, weshalb es uns damals so gut gefallen hat. Monterey hatte seine wirtschaftliche Hochzeit von 1900 bis zum Ende des 2. Weltkrieges. In dieser Zeit wurde hier sehr viel Geld mit dem Fang und dem Konservieren von Sardinen verdient. In einer der ehemaligen Konservenfabriken entlang der Cannery Row wurde ein Aquarium eingerichtet, das ich jedem an Herz legen möchte, der in der Gegend sein sollte.

Cannery Row

Das Aquarium

Das tolle an diesem Aquarium ist, dass das Draußen direkt mit einbezogen wird. Im großen Kelpwald-Becken schwimmen die Tiere die vor dem Fenster in der Bay schwimmen und von den Aussichtsplattformen des Museums kann man im Meer davor Otter und Seelöwen im Kelpwald beobachten.

Auch auf der Fisherman’s Wharf, dem Pier im Ort kann man, neben Restaurants und Souvenierbuden, toll Seelöwen beobachten.

Ein weiterer Grund warum wir noch einmal nach Monterey wollten sind die Wale. Monterey Bay liegt an einer kontinentalen Abbruchkante und durch das reiche Nahrungsangebot in der Tiefsee dort gibt es das ganze Jahr über viele Wale zu beobachten. Hier haben ich vor 10 Jahren das erste Mal Wale gesehen und wir hatten unserer walverrückten Charlotte versprochen, dass sie wenigstens einmal auf der Reise welche zu sehen bekommen sollte.

Also haben wir uns wieder der ‚Princess Monterey‘ anvertraut und wurden nicht enttäuscht. Draußen war es richtig kalt und die See rau, aber wir haben nicht nur Buckelwale, sondern zu meiner riesigen Freude auch eine Familie Orcas beobachten können!

Ein glückliches Kind und für uns ein perfekter Abschied von der Küste!

1 Kommentar

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