Um innerhalb Vietnams von Nord nach Süd (oder umgekehrt) zu kommen, bietet sich die Eisenbahn geradezu an. Vietnam ist ein sehr langgestrecktes Land und natürlich gibt es auch hier, wie fast überall in Südostasien, verhältnismäßig günstige Innlandsflüge. Es gibt aber auch die Nachtzüge auf der Linie des Reunification Express. Der Name bezeichnet die Bahnlinie, die über gut 1700km Hanoi im Norden mit Ho Chi Minh City oder Saigon im Süden verbindet. Die Züge, die auf dieser Strecke fahren sind unterschiedlich aber im Preisleistungsverhältnis alle gut. Wir haben uns für den Weg nach Hoi An (wobei der Zug in der Nachbarstadt DaNang hält) für einen Sleeper Train entschieden und hatten Glück, dass zu unser gewünschten Uhrzeit die Violet Line fuhr. So hatten wir zu fünft ein ziemlich schickes Schlafwagenabteil mit vier Betten für uns. Abends ging ein Schaffner durch den Zug und verkaufte vom Wägelchen Nudelsuppe und gebratenen Reis und für den Morgen konnte man schon einmal Nescafé und Tee vorbestellen. Toiletten und Waschbecken am Ende eines jeden Waggons waren sauber und ordentlich und alle konnten schlafen. Im Gegensatz zum Reisen im Bus und Flugzeug konnte jeder der wollte auch einfach mal aufstehen und ein bißchen durch den Zug wandern. Gerade für die Kinder und unsere Nerven ein großes Plus. Auf der Weiterreise von DaNang nach Saigon war es dann eine andere Zuggesellschaft und auch wenn diese nicht ganz so schick und komfortabel war, können wir das Zugreisen in Vietnam unbedingt empfehlen. Wir beiden Großen haben bei vielen Kleinigkeiten immer wieder gesagt:“ Wie früher zu Hause“. Ich fühlte mich mehr als einmal an meine Zugfahrt ins KFS nach Terenten erinnert.






In Hoi An hatten wir ein nettes Hotel, das zu unserer großen Freude Fahrräder hatte, die man kostenfrei benutzen durfte. Sogar Charlotte hat sich richtig gefreut endlich mal wieder radfahren zu können! Und auch wenn die Dinger zugegebenermaßen mehr als klapprig waren (Pia sagte:“ die Radfahrprüfung bei Herrn Fischer würden DIE niemals überleben!“) haben sie uns ganz viel Bewegungsfreiheit zurückgegeben. Immer auf ein Taxi oder einen Bus angewiesen zu sein um mich mehr als wenige Kilometer bewegen zu können, nervt mich zwischendurch ziemlich. Das Fahrrad als Geschenk der kleinen Freiheit.
Die haben wir erstmal weidlich ausgenutzt und sind nach kurzer Stippvisite in der Altstadt lieber zum Strand geradelt.







Die beste Entdeckung am Strand: Iced Coconut Coffee!
In der Altstadt gibt es außer einer Milliarde Souvenierständen, Cafés und Touranbieterbuden auch noch viele der alten Häuser aus 400 Jahren Geschichte der Handelsstadt zwischen West und Ost. Besonders ins Auge fallen hierbei wieder die kolonialen Bauten im französischen Stil. Die traditionellen chinesischen Holzhäuser sieht man erst auf den zweiten Blick und zwischen allen liegen auch noch mehrere unterschiedliche Tempel. Dabei blitzt das ‚echte‘ Handelsleben auf dem lokalen Markt am Fluss durch. Falls das negativ klingt, so ist es nicht so gemeint. Außer dem, auch hier ziemlich verrückten, Verkehr ist es recht entspannt und ein schöner Ort mit einem Mix aus Ost und West um einen Einsteig in Südostasien zu bekommen.










Hoi An hat eine GROßE Liebe zu Lampions und Laternen. Überall werden lantern Workshops angeboten und in der Innenstadt leuchtet es am Abend überall wunderschön bunt. Seinen Höhepunkt findet das sicherlich abends am Fluss in der Nähe der Lanternbridge, von der unzählige beleuchtete Boote kleine Papierlaternen auf das Wasser setzen.



Das Schöne in Hoi An ist, dass man um gar nicht so viele Ecken gehen muss, bis man auch wieder Garküchen und Restaurants mit einheimischeren Preisen und Gerichten findet.

Ganz typisch Vietnam: Gegessen wird auf dem Bürgersteig auf Stühlen in Kindergartengröße
Der Besitzer des Restaurants hat uns dann auch mit Vietnams großer Liebe zu gezuckerter Kondensmilch vertraut gemacht. Ursprünglich haben die Franzosen die Kondensmilch mitgebracht und sie ist gekommen um zu bleiben. Die Vietnamesen haben eine eigene Sorte Kaffeefilter und gießen damit einen besonders starken, aber säurearmen Kaffee auf. Da dieser vielen zu stark ist, wird er oft als eine Art ‚Extrakt‘ gebraut und dann mit heißem Wasser (Black coffee) oder eben mit sehr viel gezuckerter Kondensmilch verlängert (White coffee)
Das Highlight der Kinder aber ist frische Maracuja, die aufgeschnitten und mit zwei Löffeln Kondensmilch verrührt und ausgelöffelt wird.



Unser Highlight ist der Kaffee. In dem Zusammenhang haben wir auch gelernt, dass Vietnam aktuell der weltweit größte Exporteur von Robustakaffee ist

Die Fahrräder haben uns nicht nur an den Strand, sondern auch leicht in die kleineren Ortschaften in der Umgebung von Hoi An gebracht. Teilweise mussten wir an der Straße fahren, öfter aber konnten wir auf den Feldwegen zwischen den Reisfeldern, über Brücken und an Kanälen entlang fahren. Hier konnten wir knietief im schlamm steckende Bauern, aber auch Wasserbüffel und viele Silberreiher beobachten.Gerade zum Sonnenuntergang waren die Stimmung und das Licht besonders schön.











Zum Ende unserer Tage in Hoi An mussten wir feststellen, dass unser Strand-und Radelwetter zu Anfang großes Glück war. In Zentralvietnam regnet es nämlich auch außerhalb der eigentlichen Regenzeiten von Sept.-Dez. bis ins Frühjahr ziemlich ergiebig. Zum Glück hatten wir uns für einen der Regentage schon zu einem Kochkurs angemeldet und konnten so unter einem festen Dach lernen, wie man Reispfannkuchen und Frühlingsrollen selber macht.







Für unseren Marktbesuch am Folgetag haben wir dann die Regenschirme mitgenommen und sind dort, wo alle Gullis zubetoniert waren, kurzerhand barfuß gewatet. Die Vietnamesen sind mit ihren Reishüten bestens gewappnet.











Es ist immer wieder spannend, manchmal auch olfaktorisch herausfordernd, zu sehen, was andernorts als Delikatesse gilt.



Ein letztes Mal zurück zu Daisys Hotel…bevor es am nächsten Tag nach Saigon geht.
