Nun sind wir seit etwas mehr als drei Wochen in der Türkei unterwegs. Dabei fallen uns zwangsläufig viele Dinge auf oder werden erzählt, in Begegnungen verstärkt. Vor einigen Monaten haben wir noch einen Beitrag über eine Reise in den Iran geguckt und ich habe Moritz bei Bildern aus Ostanatolien gefragt:“ Kannst du dir vorstellen, dass wir bald auch da stehen?“ Konnten wir beide irgendwie nicht, weil es sich so weit weg, so ’nicht zu unserer Welt‘ gehörig anfühlte. Es scheint vielen so zu gehen, wenn man die Reaktionen auf unseren mit dem Auto nach Georgien Plan als Beispiel hernimmt. Jetzt sind wir näher an Mossul als an zu Hause, ja sogar näher als an Istanbul. Meine wohl gleichzeitig banalste, aber tiefgreifendste Erkenntnis: Es ist gar nicht schwer so weit zu kommen. Die Straße geht immer weiter. Es gibt kein „Weltentor“, kein Geheimnis, man braucht für den direkten Weg ein paar Tage Zeit und ein Auto mit Sprit im Tank. Und, das wird auch immer deutlicher: Den richtigen Pass. Denn wenn uns der Weg in den Iran gerade versperrt ist und die Reise da nicht weitergeht ist klar: Das Hindernis ist ein Politisches, die Straße geht trotzdem weiter. Für Fernfahrer ist diese Erkenntnis wahrscheinlich ein sehr alter Hut, ebenso wie das Wissen darum wie laaaaang die Tage auf der Straße sind.









Die Lebensumstände und Standards unterscheiden sich zum Teil extrem von Mitteleuropa und zum Teil erstaunlich wenig. Da wir so so langsam unterwegs sind und vor allem im Camper, in dem auch vieles nicht vorhanden ist, mögen sich unsere Standards auch anpassen. Die Menschen sind überall erstaunlich ähnlich. Wir werden überall freundlich begrüßt, viele sind sehr hilfsbereit, immer wieder merken wir natürlich, dass wir ‚an unsere größere Kaufkraft angepasste Preise‘ bekommen, was meistens noch ok und nur manchmal unverschämt ist. In vielen kleineren Geschäften wird der Preis scheinbar sowieso eher an der Nase des Käufers als an der Ware festgemacht. Große Supermärkte sind selten und alles für den täglichen Bedarf wird in Minimärkten unterschiedlichster Couleur verkauft.





Viele Türken scheinen große Picknicker und Zelter zu sein. Es gibt sehr,sehr viele Picknick Gebiete, am Strand, im Wald und an Wiesen wo in rasender Geschwindigkeit ganze Tafeln aufgebaut werden um das ganze mitgebrachte Essen für die Familie auftischen zu können. Voraussetzungen dafür sind ein mit dem Auto direkt erreichbarer Platz (ansonsten gäbe es, siehe Nachfolgendem zu viel zu schleppen), Campingstühle, Tische, Tischdecke, ein Platz für den Samovar und eine Feuerstelle für den Grill. Am Wochenende werden dann neben den Tischen, weit nach Einbruch der Dunkelheit, ruckzuck 3 Igluzelte aufgebaut damit alle, inklusive der Großeltern, auch am nächsten Tag noch zusammen essen und baden können. Der einzige Wehrmutstropfen dabei, ist das Verhältnis vieler Menschen zu ihrem Müll. Alles, wirklich alles wird in Plastiktüten verpackt und die Überreste hinterher am Picknickplatz einfach liegen gelassen. Infolgedessen ist die sonst wunderschöne Natur an vielen, vielen Stellen total vermüllt.


Ein toller Picknickplatz unter Bäumen





Ein guter Campingplatz mit aller notwendigen, hier sogar sauberen, Infrastruktur


Ein Strand und ein Picknickplatz NACH dem Picknick. Da viele Menschen rauchen ist das ganze oft noch mit Zigarettenkippen garniert. Es erinnert sehr an deutsche
Autobahnauffahrten. 🙁
Eins war in der Türkei aber überall gleich: Unser Gefühl mit den Kindern willkommener zu sein als ohne! Es ist nicht wie in Deutschland:“ Ach, Sie haben auch Kinder mitgebracht…“ oder wie in Frankreich oder Italien, wo die Kinder genauso willkommen sind wie wir. Hier freuen sich die Leute immer MEHR wenn die Kinder aussteigen! Sie bekommen manchmal Brot,mal Gummibärchen geschenkt, aber immer ein Lächeln und sie sind ganz selbstverständlich immer da wo wir sind.

