Siem Reap – „So viel alte Steine“

Siem Reap – „So viel alte Steine“

Siem Reap ist ein kleiner Ort im Nordwesten Kambodschas, der dem Angkor Archeological Park am nächsten liegt. Auch hier sieht man ganz klar, wo das Geld ist. Fährt man mit dem Bus noch 10km vor der Stadt an Holzhüttendörfern vorbei, sieht man in der Stadt meist gehobenen westlichen Standard: Hotels fast immer mit Pool, Restaurants jeglicher Küchen, Bars an jeder Ecke, Flaniermeile am Fluss, ein winziges Stückchen Altstadt, ein großes Krankenhaus und glatt geteerte Fahrradwege.

Zwei Dinge sollte man bei dem Wunsch Angkor Wat zu sehen wohl am besten berücksichtigen (wir haben nur die Dauer geplant und den Rest genommen wie es kam). Es ist IMMER schwül-warm. Auch jetzt in der Trockenzeit sind fast immer 27-30°C, die sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit anfühlen wie 39°C. Sobald man das Haus verlässt läuft der Schweiß in Bächen am Körper herab; auch im Schatten, auch im Stehen. Das sollte beim Packen der Wasserflaschen unbedingt berücksichtigt werden. Eigentlich kann man gar nicht genug mitnehmen, aber zum Glück gibt es überall im Park auch etwas kaufen. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass man die Tempel aus Respekt vor dem religiösen Ort nur mit langer Hose und schulterbedeckendem Hemd betreten darf.

Das Zweite ist, dass Angkor mitnichten nur aus Angkor Wat besteht, sondern ein 200 km² großes Gelände umfasst, das mehr als 1000 Tempel beherbergt. Im Angkor Archeological Park kann man ca. 40 davon besichtigen. Sie liegen zwar nah beieinander, sind zum Teil aber so groß, dass man um vom einen zum anderen Ende zu kommen fast ein Fahrzeug braucht. Wir sind eine Woche geblieben und haben uns auch einen 7 Tages Pass für den Park gekauft. Wir wollten genug Zeit haben um uns die Tempel in unserem Tempo und unserer Reihenfolge anschauen zu können und nicht auf eine der zahlreichen vorbuchbaren Touren angewiesen zu sein. Zum Glück durften die Kinder noch gratis mitkommen und zum Glück hatten wir so lange Zeit. Denn leider waren wir auch mal wieder krank. Kranksein im Hotelzimmer ist eh schon mega anstrengend und ätzend, wenn man dabei aber seine Eintrittskarte ablaufen sieht, ätzt es doppelt. Zum Glück haben wir nur ein einhalb Tage richtig pausieren müssen.

Mögliche Fahrzeuge um auf eigene Faust im Park unterwegs zu sein sind Fahrräder, Motorroller und Tuk Tuks mit Fahrer. Diese kann man überall in der Stadt anheuern und bekommt dann auch einen etwas günstigeren Preis als wenn das Hotel einen Fahrer organisiert. Es soll auch Elefanten geben, die Touristen tragen, wir haben aber keine mehr gesehen.

Am ersten Tag haben wir uns Fahrräder gemietet, was ein sehr empfehlenswertes, aber auch unglaublich schweißtreibendes Erlebnis ist. Nach 35 km und sieben Stunden an der frischen Luft haben wir uns an den folgenden Tagen lieber fahren lassen.

Bevor wir zu den Tempeln fahren konnten, mussten wir unsere Besucherpässe erwerben. Dafür gibt es ein großes neues Zentrum zwischen Stadt und Park.

Dann waren die Tempel der kleinen Runde an der Reihe. Zu jedem Ticket gehört auch eine Karte aller Anlagen mit entsprechenden Routenvorschlägen dazu.

An den unterschiedlichen Checkpoints an der Straße, jeweils in der Nähe des entsprechenden Tempels, muss man seinen Pass vorzeigen und dann kann es losgehen.

Unser erster Tempel war der Baksei Chamkrong, ein Shiva geweihter hinduistischer Tempel aus dem 10.Jahrhundert. Die Tempelanlagen können in Berg- und Flächentempel unterschieden werden. Bergtempel sind pyramidenförmig in die Höhe gebaut und sollen in ihrer Form an den heiligen Berg Meru erinnern. Die Staatsreligion änderte sich mit dem jeweiligen Herrscher von hinduistisch zu buddhistisch und teilweise dann noch zum Brahmanismus. So sieht man an einigen Tempeln Zeichen, dass entweder hinduistischen Szenen oder Buddhaköpfe nachträglich entfernt wurden, aber auch das gleichzeitige Auftreten von hinduistischen Symbolen, Buddhastatuen und brahmanischen Tänzerfiguren.

Tolle Kletterpartie

Und dann kam Angkor Wat; vielleicht der größte, sicherlich der am besten restaurierte Flächentempel im Park. Alle Flächentempel haben einen dreigliedrigen Aufbau gemeinsam: Von außen nach innen muss man durch drei ringförmige Mauern bis zum innersten Heiligtum. Dazwischen liegen viele Gänge, Innenhöfe, Schreine und teilweise kleinere Buddhastatuen und Stupas. In Angkor Wat sind die großen Rasenflächen zwischen den einzelnen Mauern und der große Wassergraben, der die ganze Anlage umgibt, besonders.

In der Nachbarschaft liegt gleich der nächste große Komplex: Die künstlich angelegte Insel Angkor Thom, die mit einigen kleineren Tempeln, vor allem aber dem zentralen Bayon Tempel punktet. Am schönsten fand ich es zwischen den steinernen Wächtern durch die Tore mit den vier Gesichtern auf die Insel zu fahren.

Der Bayon Tempel sieht aus der Ferne aus wie ein Haufen Steine. Erst aus der Nähe erkennt man die vielen Stupas mit den einzelnen Gesichtern. Beim Durchwandern der Anlage habe ich mich über jedes Stück Schatten im Inneren gefreut. Etwas gewöhnungsbedürftig ist in den Vierungen der durchdringende Guanogeruch der unter der Decke hängenden Fledermäuse…

Dann gibt es weitere kleinere Tempelanlagen auf Inseln in künstlich angelegten Seen und mitten im Wald

Prasat Preah Khan

SrasSrang und Prasat Pre Rup

Die Kinder hatten ziemlich bald keine Lust mehr und für Charlotte waren es „ständig nur viel zu viele alte Steine“!

Die Affen, die uns an einigen Tempeln begleitet haben, sorgten da für Abwechslung und ein bißchen auch das Leben der Einheimischen am Wegesrand. Einmal haben wir einen großen Skorpion getroffen und zum Glück gibt es ja auch lauter Lianen auf denen man turnen kann…

Beim Probieren der unterschiedlichen Früchte von den Essensständen am Weg haben die Kinder sich aber vornehm zurückgehalten. Außer für Bananen konnten wir sie für nichts begeistern. Wir Großen haben fleißig probiert.

Und weiter ging es zu den Tempeln

Prasat Top und Prasat Ta Som

Jeweils einen eigenen Tag haben wir in den außerhalb des Parks liegenden Tempeln Banteay Srei (einer der ältesten Tempel aus dem 9.Jahrhundert)

und Beng Mealea.verbracht. Dieser und der berühmtere Ta Prohm Tempel sind noch deutlich weniger restauriert und vom Dschungel befreit und inmitten der schwülen Hitze, zwischen Lianen und Würgefeigen, zwischen den halbverfallenen Tempelruinen, umgeben von fremden Vogelstimmen fühlt man sich plötzlich doch ein bißchen wie Indiana Jones…

In Ta Prohm hatten wir das erste Mal wirklich mit den Mengen anderer Touristen zu kämpfen. In allen anderen Tempeln verläuft es sich ganz gut und bei einigen waren wir, trotz ca. 100.000 monatlichen Besuchern im Park, ganz alleine. Hier allerdings nicht.

Für die schönen Bilder muss man die Lücken abpassen sonst…

Am letzten Abend sind wir dann auch noch auf den beliebten Sonnenuntergangshügel geklettert. Da der daraufstehende Tempel ebenfalls völlig überlaufen und aus unerfindlichen Gründen für Kinder unter 12 Jahren gesperrt war, sind wir lieber auf eine darunter liegende Aussichtsplattform ausgewichen. An dieser haben sich alle Familien mit Kindern getroffen und schön war es allemal.

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