Was uns, und vielleicht auch vielen anderen, nicht bewusst war bevor wir nach Nepal gereist sind, ist dass Nepal mitnichten nur aus Bergen und Himalaya besteht, sondern dass der Süden des Landes eine große Tiefebene bildet. Hier schieben sich die großen Ströme aus dem Himalaya Richtung Indien und Bangladesch. Es ist ganz flach und das Klima subtropisch. Im Osten des Tieflandes liegt Nepals ältester Nationalpark, der Chitwan Nationalpark. Gemeinsam mit angrenzenden Schutzgebieten in Indien bildet es die Tiger Conservation Area zum Schutz des bengalischen Tigers. Im nepalesischen Teil des Parks gibt es heute etwa um die 80 Tiere. Diese kann man, mit etwas Glück, auf einer Dschungelsafari zu Gesicht bekommen. Weniger Glück braucht man für die indischen Panzernashörner. Von ihnen gibt es in Nepal ca. 650 Tiere, von denen knapp 600 im Chitwan Nationalpark leben- und teilweise eben auch in den angrenzenden Dörfern. Auch das ist etwas, das wir vorher nicht mit Nepal in Verbindung gebracht hatten, uns nun aber unbedingt ansehen wollten.
Außerdem leben im Park Leoparden, Wildschweine, vier verschiedene Hirscharten, Lippenbären, Rhesusaffen, Pythons und Königskobras, wilde Büffel, unzählige Vögel- und Insektenarten und zwei Sorten Krokodile: Die gefährdeten, aber noch etwas weiter verbreiteten Sumpfkrokodile, die alles fressen, was sie bekommen und die vom Aussterben bedrohten Gangesgaviale, die sich ausschließlich von Fisch ernähren.
Wir hatten Glück und haben bei einer sehr netten Familie in deren kleinen Hotel Sweetland in Sauraha, der Stadt am Nationalpark, Unterkunft gefunden und sie haben uns auch mit der Organisation unserer Touren geholfen. Sauraha ist auch bei nepalesischen Touristen ein beliebtes Ziel. Die bleiben in der Regel aber maximal 2 Tage, fahren einmal Jeep und sind ansonsten zum Feiern und trinken dort. Viele Nepali haben uns gefragt was wir denn 4 Tage dort machen wollen….Wir haben etwas gefunden. Zunächst haben uns bei unserer Ankunft aber über die milden Temperaturen und die überall blühenden Rapsfelder gefreut.




Und den ersten Elefanten haben wir gleich in der Nachbarschaft entdeckt. Auf das Reiten haben wir dankend verzichtet, zum Glück auch ohne Murren der Kinder, die seit einer tollen Radiogeschichte vom WDR über Elefanten wissen, dass das für die Tiere gar kein Spaß ist. Aber streicheln durften sie ihn dann natürlich doch als der Besitzer es angeboten hat.


Jeden Abend konnte man entlang der Hauptstraße beobachten wenn die Tiere von ihren Touren nach Hause geritten wurden. Da sitzt du ganz entspannt vor deiner Kaffeetasse und plötzlich laufen, flankiert von einem Hochzeitsumzug, Elefanten vorbei.

Zum ersten echten Kontakt mit der „Wildnis“ sind wir dann am folgenden Morgen aufgebrochen. Im dicken Nebel sind wir mit dem Kanu über den Fluss Rapti, der die Nordgrenze des Parks bildet, in den Nationalpark gefahren worden. Zuvor hatten wir aber noch das Glück bereits am stadtseitigen Ufer zwei Nashörner zu sehen.






Auf dem Wasser haben wir dann erstmal ziemlich wenig gesehen. Die Krokodile sind noch im warmen Wasser geblieben und am Ufer hat man nichts erkannt. Aber zahlreiche Rostenten, die hier auch love birds genannt werden, haben uns begleitet. Sie sind zum Überwintern aus Sibirien gekommen und heißen so, weil sie monogam lebend, Selbstmord durch Verhungern begehen, wenn einer der beiden vor dem anderen stirbt.




Im Wald haben uns Rhesusaffen begrüßt und haben uns unsere beiden Guides genau erklärt, wie wir uns verhalten müssen wenn wir einem wilden Tier begegnen. Ich war vorher auch etwas skeptisch, ob zu Fuß in den Dschungel zu laufen eine gute Idee ist, aber mit den beiden fühlte es sich sehr sicher an. Sie haben uns einiges erklärt, viele Tiere gesehen, die wir nie entdeckt hätten und gut aufgepasst. Leider waren wir, wie alle anderen Gruppen an diesem Tag, wenig erfolgreich und haben nicht viele Tiere gesehen. Unser Highlight war eine große, sich sonnende Python, die Moritz am Ufer eines Baches entdeckt hat. Spuren und Losung von allem, was im Park lebt haben wir unendlich viel gesehen. Wir haben im Wald und im Grasland festgestellt, dass wir uns ‚den Dschungel‘ irgendwie anders vorgestellt haben. „Wenn man nicht wüsste, dass da drin auch ein Tiger wohnt, fühlt es sich an, als würde man in Detmold durch den Wald gehen“, sagte Charlotte. Wir verstehen nun genau wie eine ganze Gruppe Nashörner ohne Probleme im 3m hohen Elefantengras versteckt sein kann und wissen, warum gelb schwarze Streifen die perfekte Tarnung im Lebensraum des Tigers sind.











Was die Jahreszeit betrifft, so wären wir besser im März gekommen. Dann werden viele Elefantengrasflächen durch die örtliche Bevölkerung beschnitten um daraus Baumaterial zu gewinnen. Das ist eine traditionelle Methode und ist den Bewohnern einmal im Jahr erlaubt. Anschließend werden die Flächen abgebrannt um schnell neues Grün nachwachsen zu lassen. In der Zwischenzeit sieht man die Tiere aber sehr gut. In den Randflächen des Parks dürfen die Dorfbewohner außerdem Feuerholz suchen und Grünfutter für ihr Vieh schneiden. Das machen meistens die Frauen und wir konnten ihren Mut, jeden Tag auf’s neue in den Dschungel zu gehen, nur bewundern. Genau so sehr, wie wir gehofft haben einen Tiger zu sehen, werden sie wohl täglich beten um ihn nicht zu treffen. Mehrmals im Jahr gehe das aber schief und einzelne kommen nicht zurück. Und wieder war die Aussage: “ Was sollen sie sonst machen? Das Vieh muss fressen und es ist alles was sie haben.“

Tigerspuren
Und zum Schluss waren wir wieder am Fluss




Am nächsten Morgen haben wir unser Glück noch einmal mit einer Jeeptour versucht und wurden belohnt. Wir haben viele Axishirsche, Rhesusaffen, frei lebende Pfauen und Schakale gesehen. Zwei Nashörner sind durch das Dickicht gestampft und auch ein Adler hat sich über uns im Geäst niedergelassen.














Und weil es im Leben immer ein bißchen anders kommt, sind wir dem Nashorn am nächsten gekommen als wir es auf dem Weg zum Abendessen auf der Straße getroffen haben…

Zum Abschied spendierte uns Sauraha noch einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Fluss. Uns wären auch für zwei weitere Tage noch Unternehmungen eingefallen…vielleicht beim nächsten Mal.



