Pokhara – mit Blick auf das Dach der Welt

Pokhara – mit Blick auf das Dach der Welt

Ganz grob lässt sich Nepal in drei Teile einteilen: Den Nordosten mit dem gesamten Kathmandutal, den Nordwesten und das Tiefland. Der Himalayahauptkamm zieht sich (ganz grob) einmal entlang der nördlichen Grenze Nepals. Ganz in den Westen Nepals kommt man nur mit dem Flugzeug. Die Straße, die von Kathmandu kommt, endet vorher. Pokhara ist, neben Kathmandu, eine der größten Städte Nepals und bildet quasi das Eingangstor zum Westen. Es liegt an einem See und ist DER Ausgangspunkt für viele der bekannten Mehrtagestrekkingtouren in Nepal (Annapurna Basecamp, Annapurna Circuit, Kokha Dande Trek, Poonhill Trek…) Wir haben uns für den „Einsteiger Trek“, den Poonhill Trek entschieden. Vor allem deshalb, weil er mit 4-5 Tagen Wanderzeit gut in unseren Plan passte möglichst viel von Nepal zu sehen und weil er bis maximal 3200m ü. NN geht und wir deshalb keine Anpassung an die Höhe zur Vermeidung der Höhenkrankheit einplanen mussten. Pokhara selber liegt auf 800m ü.NN und bereits aus der Stadt hat man einen wunderbaren Blick auf drei 8000er und ( einen der) heiligen Berge Machapucharé.

Nach Pokhara sind wir mit dem Bus von Kathmandu aus gefahren. Wir haben uns die Sofa seats gegönnt, was zunächst Luxus verhieß und letztlich sehr gut war. Denn die weichen Sitze haben den Bus von 1980 und die Straße, die eine einzige Schlaglochpiste ist erträglich gemacht. Wir lernten auch, dass Entfernungen in Nepal ganz anders bewertet werden müssen. Für die 204km waren wir 10 Stunden unterwegs.

Vor und nach dem Wandern waren wir jeweils noch einige Tage in Pokhara und haben uns ein bißchen in der Stadt ungesehen. Vor allem im Stadtteil Lakeside, der das Zentrum der touristischen Infrastruktur darstellt. Die meisten Trekkingtouristen kommen aus Europa, den USA, China, Japan und Südkorea. Direkt am See aber gibt es viele einheimische Besucher. Zu deren und unserem Vergnügen gibt es hier auch ein selbsternanntes „Disneyland“. Dabei handelt es sich um eine stationäre Kirmes, gefühlt von 1980. Da das auch der letzte Wartungsstand zu sein schien, sind die Kinder lieber nur bodenbasiert Autoscooter gefahren….

Auf den Hügeln, die die Stadt umgeben steht seit 2015 eine Weltfriedensstupa und auf einem anderen eine große Shivastatue. Bei der ersteren meditieren meist westliche Yogis, bei der zweiteren geht es aufgrund unzähliger indischer Touristen viel rummeliger zu. Von beiden Hügeln aus hat man eine tolle Aussicht über die Stadt und die Berge.

Und die Stupa

Um in Nepal trekken gehen zu dürfen, schreibt die Regierung seit einiger Zeit die Begleitung durch einen zertifizierten Guide vor. Die offizielle Versiob ist, dass allein reisende Wanderer zu oft die Risiken der Berge falsch einschätzen und verloren gehen oder verunglückten. Zum Teil ist das sicher richtig, wobei man sich zumindest auf dem Poon Hill Trekk nicht verlaufen konnte. Wir vermuten, dass dies vor allem deshalb eingerichtet wurde um Menschen in Lohn und Brot zu bringen. Denn auch in Nepal ist die Arbeitslosigkeit sehr groß und auch gut ausgebildete junge Menschen finden oft nur in der Tourismusindustrie Arbeit. So hörten wir von Ingenieuren, die als Träger arbeiten, aber von vielen vor allem von den verschlungenen Wegen an europäische Arbeitsvisa zu gelangen um dann irgendwie, irgendwann in Deutschland, Österreich, Schweden oder England arbeiten zu können. Und auch wenn wir uns den Traum über Arbeitsstationen in Rumänien, Portugal und Malta endlich nach Wittlich gelangen zu können kaum vorstellen können – angesichts der Lebensumstände, die wir gesehen haben ist er sehr nachvollziehbar.

Unsere Tour buchten wir also als Paket in einer Agentur in Kathmandu (völlig problemlos vor Ort möglich) und starteten gemeinsam mit unserem Guide Ragu und einem Porter, Harri, in Richtung Ulleri. Vor allem Moritz genoss den Vorteil einen Träger für den Rucksack mit den Schlafsachen und Schlafsäcken dabei zu haben. So konnte er, im Gegensatz zu vorherigen Wandertouren, Anna relativ problemlos auf den Schultern tragen, wenn sie mal nicht mehr konnte.

Am ersten Tag hatten wir noch Pech mit dem Wetter und obwohl es mitten in der Trockenzeit war, regnete es immer wieder.

Am ersten Tag legten wir zwar nicht allzu viele Kilometer zurück, diese dafür aber fast ausschließlich in der Vertikalen. Über unzählige Sherpatreppen ging es vor allem aufwärts. Dazu kam noch der Nieselregen- die Laune bei den ganz kleinen war zwischendurch völlig im Keller und Moritz und ich mussten große Motivatoren und Kameltreiber in einem sein. Unser Guide fragte sich sicher mehr als einmal ob wir die fünf Tage tatsächlich durchhalten. Nur von Pias Wanderfähigkeiten war er von Anfang an begeistert. Sie ist unerschrocken, stetig vorne weg gelaufen – unser Trekkingkind!

Einen Vorteil hatte der Regen: Der allgegenwärtige graue Staub wurde abgewaschen und endlich waren viele Blätter wieder grün.

Abgesehen vom Regen ist es tagsüber noch recht angenehm warm gewesen. Temperaturen um 15°Grad, ideales Wanderwetter. Nachts wurde es, gerade in den größeren Höhen aber richtig kalt, teilweise bis an den Gefrierpunkt. Leider haben die wenigsten Häuser in Nepal eine Heizung, erst recht nicht die einfachen Herbergen, die wir unterwegs hatten. Zum Glück gab es in jeder Herberge im Essbereich einen Ofen, der abends angefeuert wurde um den sich alle versammelten um aufzutauen und zu trocknen. Das war gemütlich, ein netter Ort um mal mit anderen ins Gespräch zu kommen und wenn es keine Smartphones gäbe, wäre es unglaublich sozial…

Der zweite Tag begrüßte uns mit Sonnenschein. Es ging durch riesige Rhododendronwälder immer weiter aufwärts.

Ghodepani ist ein kleines Dorf, fast ausschließlich aus Hotels bestehend, das den Ausgangspunkt für den morgendlichen Abstecher zum Poonhill Aussichtspunkt bildet. Dementsprechend treffen sich hier auch alle Touristen für den nächsten Tag. So konnte man abends schon mal begutachten, wer sich morgens alles mit auf den Aufstieg machen würde. Außerdem bekam man schon mal eine Idee der wunderbaren Aussicht.

Obwohl man sicherlich den ganzen Tag eine wunderbare Aussicht vom Poonhillaussichtspunkt hat, gehen alle zum Sonnenaufgang dort hinauf. Unser Glück war wieder der späte Sonnenaufgang und so konnten wir uns im Dunkeln um 5.00 mit reichlich anderen Menschen auf den Weg nach oben machen. Und abgesehen von einigen Unpässlichkeiten aufgrund der Höhe und der Kälte hat es sich wirklich gelohnt!

Vom Aussichtspunkt zurückgekehrt, gab es erst Frühstück um dann in die eigentliche Tagesetappe in Richtung Tadapani zu starten.

Tagesziel erreicht.

So sehen die Schlafzimmer aus:

Und am nächsten Tag ging es auf die letzte Tagesetappe auf unseren Wunsch bis nach Jinhu Danda. Hier gibt es unten am Fluss mehrere heiße Quellen, in denen man baden kann. Auf dem Weg mussten wir einen ziemlichen Unweg gehen um einen riesigen Erdrutsch, der vor 6 Jahren runtergekommen ist zu umgehen. Es gab ein eindrucksvolles Gefühl der Naturgewalten und auch der Gefahr, in der die Landbewohner ständig schweben. Denn die Risse im Berg, an denen er in der nächsten Regenzeit womöglich wieder rutscht, die haben wir auch gesehen. Zwischen 20 und 200 Menschen sterben jedes Jahr im ländlichen Nepal durch Erdrutsche und Schlammlawinen. Aber wie unser Guide sagte:“ Wo sollen die Leute sonst wohnen? Das ist das Land ihrer Familie. Anderes haben sie nicht und woanders wäre es auch nicht sicherer.“

Im kleinen Restaurant unserer Mittagspause durften die Kinder helfen unsere Momos zu formen- eine Art nepalesische Maultaschen

Für uns ging es steil bergab, für die Lastenponies und Träger, die alles zu Fuß in die Dörfer bringen müssen, noch ein ganzes Stück bergauf.

Und dann endlich am Fluss in die Quelle.

Zum Abschied ging es dann noch über eine lange Hängebrücke zurück zum befahrbaren Weg

Eine schöne, sehr machbare Tour! Nur mit Treppen und einfachen Behausungen darf man keine Probleme haben.

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