Glacier Nationalpark und meine kleine Bucketlist

Glacier Nationalpark und meine kleine Bucketlist

Noch während wir im Yellowstone Park waren, waren wir nicht ganz sicher, wann und wohin wir weiterfahren würden. Vor unserer Ankunft in dem USA hatten wir den Glacier Nationalpark in Montana an der kanadischen Grenze immer auf der Wunschliste. Nach vielen tollen Naturerlebnissen und sehr nah an unser Inklusivmeilengrenze von 3840 Meilen waren wir uns gar nicht mehr so sicher. Aber dann hat Moritz wieder näher recherchiert und herausgefunden, dass es von einst mehr als 80 Gletschern im Park heute noch ca. 25 gibt und dass diese vermutlich bis zum Jahr 2030 abgeschmolzen sein werden. Damit war irgendwie klar, dass wir da jetzt hin müssen. Dort war dann alles ganz anders, aber zunächst hatte ich noch eine andere Wunschliste. Zum besseren Verständnis der US-amerikanischen Kultur und dessen, was so typisch für die Menschen hier ist, hatte ich mir gewünscht irgendwo ein typisches Sportevent und im Westen ein Rodeo zu besuchen. Nach etwas Recherche hatte ich herausgefunden, dass just an diesem Juniwochende in Gardiner, am nördlichen Parkeingang Rodeo-Wochenende sein sollte. Oberhalb von Gardiner hatten wir im National Forest einen Campingplatz und so passte alles gut zusammen.

Die Aussicht von unserem Stellplatz in Richtung Yellowstone Park.

In der Nähe unseres Stellplatzes haben im Creek Biber eine Biberburg gebaut. Einer der Ranger erzählte uns, dass mittlerweile täglich ein Mitarbeiter eine Lücke in ihren Damm reißen muss um den Campingplatz vor einer Überschwemmung zu bewahren. Jeden Morgen wird der Damm aufgemacht und jede Nacht schließen die Biber den Damm wieder. Sie dürften aber nicht umgesiedelt werden, weil sie vor einigen Jahren überhaupt erst wieder in der Gegend heimisch geworden sind. Ein typischer Tier – Mensch Konflikt..Hier wird man ihn wohl bald mit einer künstlichen Röhre unter dem Damm lösen, so dass die Biber einerseits einen geschlossenen Damm haben, der Fluss aber weiter fließen kann und die Menschen von Gardiner keine Angst vor einer Flutwelle bei einem Dammbruch haben müssen. Für uns war es auf jeden Fall eine tolle Gelegenheit den dämmerungsaktiven Tieren zuzugucken.

Der Rodeotag in Gardiner sollte um 11.00 Uhr mit einer Parade beginnen. Nachdem bei der Freiwilligen Feuerwehr ab 8.00Uhr Bacon&Pancake breakfast war (ohne uns), waren wir guter Dinge, dass die Feier bald starten sollte. Als um 11.15Uhr noch immer der normale Verkehr über die Straße fuhr, habe ich in einem Café mal nachgefragt, ob wir an der richtigen Stelle sind. Die Antwort war eindeutig: „Keine Sorge, die kommt schon noch. Hier gibt es ja nur die eine Straße, wo sollte sie sonst lang führen?“ Sie kam. Es waren aber mehr Leute in der Parade als am Straßenrand und so sind die Kinder überreichlich mit Kamelle beschenkt worden. Gut, dass wir in unseren Hüten etwas sammeln konnten.

Eindrücke aus Gardiner

Und dann war Rodeo – Night.

Ich finde, wir hätten es besser nicht treffen können. Das war ein kleines Rodeo, etwas echtes. Ein Dorffest wie zu Hause, auf das sich die Leute freuen und eines der Events im ländlichen Leben an dem man Nachbarn und ehemalige Klassenkameraden trifft, endlich mal wieder ein Bier mit Jack oder John oder Nancy trinkt und gemeinsam spekuliert, was eigentlich der Peter gerade macht. Auf dem die Jungs von der Highschool Sportgruppe ‚Rodeo‘ zeigen, was sie das Jahr über machen. Zugegeben, die räumlichen Dimensionen sind in Montana etwas anders als in Südniedersachsen… Wenn dann alle die Hüte abnehmen um dem ‚Star spangeled Banner‘ zu lauschen (hier wird er wieder getroffen, mein Nerv für Pathos) konnten auch wir dem Stadionsprecher nur beipflichten als er feststellte:“ There is no better place to be on a saturday night, than on a Rodeo in God’s own country Montana!“

Montana ist der viertgrößte Bundesstaat der USA und in etwa so groß wie Deutschland. Hier leben auf der gleichen Fläche ungefähr eine Million Menschen. Die Hauptstadt, aber nicht die größte Stadt ist Helena. Bei ca.30.000 Einwohnern konnte man das Capitol nicht verfehlen…

Und auch hier fiel als erstes die Statue einer Frau ins Auge: Jeannette Rankin, erste weibliche Congressabgeordnete und Antikriegsaktivistin.

Auf die harte Tour mussten wir außerdem erfahren, dass Montana ziemlich weit nördlich liegt. Der Glacier NP begrüßte uns mit 3°C und Schneeregen. Eine kleine Herausforderung in unserem in unserem heizungslosen Camper. Zum Glück drehte die Großwetterlage im Laufe der nächsten Tage und es wurde vor allem tagsüber deutlich wärmer. An der Tatsache, dass auf den Gletscherrouten noch viel zu viel Schnee zum Wandern lag und auch die Passstraße durch den Park noch gesperrt war, änderte das allerdings nichts. „Da wird noch geräumt. Es ist zu früh im Jahr.“ Wir haben ja auch erst Ende Juni… Ein paar andere schöne Wanderungen konnten wir dennoch unternehmen, allen voran den Avalanche Lake Trail.

Am Lake Mc Donald

Auf dem Avalanche Lake Trail. Erst liefen wir nichtsahnend über einen hübschen Weg am Fluss entlang

und dann öffnete sich der Blick zum See und plötzlich standen wir in einem Kalenderbild von National Geographic und zu allem Überfluss kreiste kreischend ein Weißkopfseeadler über dem See. Wäre es ein Film gewesen, hätte ich spätestens an dieser Stelle gedacht:“Ok, das ist jetzt too much“, aber zum Glück war es echt und da war es einfach nur super.

Und nein, auch wenn es so aussieht, wir waren auch hier natürlich nicht allein.

weitere Wanderungen wurden in unserem Teil des Parks durch die hohe Bärenaktivität etwas eingeschränkt, aber wir drei größeren haben es tags darauf noch einmal versucht.

Von hier aus begann dann tags darauf unser langer Rückweg nach Seattle. Auch jetzt haben wir wieder schöne, abwechslungsreiche Landschaften gesehen und mit schöner Aussicht Pause gemacht.

Wenn man in einem Bild eine Beobachtung unser Wochen in den USA zusammenfassen möchte, dann dieses von unseren Parkplatznachbarn:

Auch neue Fahrzeuge sind im ländlichen Amerika grotesk groß. Bei vielen kann Moritz knapp über die Motorhaube gucken. Ein Pick-up ist nicht nur Handwerkerfahrzeug sondern auch Familienkutsche. Wer es lieber geschlossen mag, kauft Cevrolet Suburban oder GMC Denali, Autos die über 7m lang sind und auch in der neuesten Version ca.15l Super auf 100km ( laut Herstellerwerbung) brauchen. An der Tankstelle stand ein Q7 daneben. Der wirkte wie ein kompakter Kombi in Europa. Hier möchte man scheinbar nur in Seattle und San Francisco elektrisch fahren. Der Rest will größer, schneller, breiter. Ich weiß, dass wir mit dem Flugzeug hier sind, aber bei so viel Klimaignoranz weiß ich nicht, ob ich weinen oder nur wütend sein soll. Es ginge doch anders. Allerdings nicht, wenn man einen Hänger für 20 Sportpferde ziehen muss. Das sehe ich wohl ein.

Eine Zwischenübernachtung haben wir eingelegt und sie so gewählt, dass wir den zweiten Punkt auf meiner Bucketlist noch abhaken konnten. Die Footbalsaison ist vorbei, aber in Spokane fand am Sonntag noch ein Spiel in der Minor League Baseball statt: Spokane Indians gegen die Emeralds Eugene. Sagen wir es mal so: Die Spannung war sehr aushaltbar. Ich weiß noch nicht genau warum so viele Amerikaner das so gerne angucken, aber ein deutlich besseres Verständnis der Regeln habe ich jetzt.

Nun ist der Camper in Seattle abgegeben und die Sachen sind weitestgehend zusammengepackt. Wir machen uns noch zwei ruhige Tage am Puget Sound bevor wir uns von den USA verabschieden.

La Conner

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