Außerhalb des Great Basin Nationalparks ging es in Richtung Osten zunächst einsam weiter. Mit der Überquerung der Grenze nach Utah änderte sich zwar die Zeitzone, aber nicht die Landschaft.
Im richtigen Licht kann auch ein Rastplatz in der Wüste glänzen.

Salt Lake City hat, wie jede Hauptstadt eines US Bundesstaats, ein Capitol dessen äußere Erscheinung an das Capitol in Washington D.C. angelehnt ist. Wir wollten eigentlich nur mal gucken und sind dann in eine kleine Verabschiedungsparty für eine Statue geraten. Dr. Martha Hughes Cannon aus Utah, haben wir gelernt, war Ärztin, Frauenrechtlerin und 1896 die erste weibliche Senatorin in einem US Bundesstaat. Ihre Statue, die bisher vor dem Capitol in Salt Lake City stand wurde an diesem Tag in einem feierlichen Akt nach Washington verlegt um in einem Raum, in dem bisher nur männliche verdiente Amerikaner ausgestellt sind, die weibliche Seite der Politik zu repräsentieren. Bezeichnend, dass im Jahr 2024 Utah in Sachen Gleichstellung, Frauenrechte und Frauengesundheit Platz 50 der 52 US- Bundesstatten einnimmt.
Viele verschiedene Mädchen- und Frauengruppen hatten Informations- und Aktionsstände rund um das Capitol aufgebaut und die Verabschiedung mit Fähnchenschwingen und Highschoolband war ein lustiger, schöner Einblick in den US-amerikanischen Alltag. Die Aussicht vom Capitolberg auf die Ausläufer der Rocky Mountains im Osten hat einen schönen Tag vervollständigt.


im Capitol




Martha goes to Washington








‚Mormonen‘, ist sicher das, was den meisten Leuten zu Salt Lake City als erstes einfällt. Hier hat die ‚Church of Jesus Christ and Latter day saints‘ ihren Hauptsitz. Hier steht der größte Tempel, sitzt die Verwaltung, sowie der Prophet und die Apostel, wie sich die Kirchenoberhäupter nennen. Weltweit gibt es ca. 17 Millionen Mitglieder der Kirche, die alle gleichzeitig an den gleichen Stellen der Bibel in der King James Version und dem ergänzenden Buch der Mormonen arbeiten. So hat uns das eine der freundlichen jungen Damen erklärt, die im Tempelbezirk für 18 Monate freiwillig als Missionarin arbeitet. Nach der Schule können sich junge Mormonen weltweit als Missionare beim Propheten bewerben. Er (oder ein nicht erwähnter Mitarbeiterstab) betet dann über die Bewerbung und teilt den Bewerber dann einem der verschiedenen Missionsprojekte zu. Der heilige Tempel wird gerade erdbebensicher gemacht und um drei unterirdische Etagen erweitert. Zu besichtigen wäre er für Nichtmormonen aber auch sonst nicht.

Die Straßen in der Innenstadt sind, wie oft in den USA, im Schachbrettmuster angelegt. Sie werden aber nicht wie sonst durchnummeriert, sondern entsprechend ihrer Entfernung zum Tempel in yards bezeichnet: 200st west, 300st north usw.. Um die riesigen Verwaltungsgebäude konnten wir herumlaufen und das große Conferencecenter durften wir besichtigen.


Das Conferencecenter wurde für die zweimal jährliche stattfindende Hauptversammlung der Kirche erbaut. In den Gängen gibt es reichlich christliche Kunst und ein Modell des Tempels. In dem Versammlungshalle finden 21.000 Menschen gleichzeitig Platz.




Im Sommer wird dieser Raum auch für die Proben und Konzerte des, von meinem Vater sehr geschätzten, Mormon Tabernacle Choir genutzt. Eben jener Chor hielt am folgenden Abend eine öffentliche Probe ab. Also haben wir unseren Aufenthalt kurzerhand um einen Tag verlängert und wurden nicht enttäuscht. 360 Sänger und ein ganzes Symphonieorchester, die auch bei ihnen unbekannten Stücken wie mit einer Stimme singen, waren in dieser Akustik ein Erlebnis. Nur Anna war der Meinung, dass Pias und Charlottes Kinderchor in Hiddesen schöner singt.
Gar nicht weit von Salt Lake City entfernt ragt am südöstlichen Ufer des Great Salt Lake die Halbinsel Antelope Island in den großen See hinein. Benannt ist sie nach den auch hier lebenden Pronghorn Antilopen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Antilopenart, sondern um den letzten noch lebenden Vertreter einer eiszeitlichen Gattung von Hornträgern, die als einzige Hornträger ihr Gehörn jährlich erneuern. Bekannrer ust de Insel allerdings für ihre wild lebenden Bisons. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts hatte ein findiger Naturschützer verstanden, dass die europäischen Siedler dabei waren die Bisons auszurotten. Aus diesem Grund hat er eine kleine Herde auf die Insel bringen lassen und hier unter Schutz gestellt. Sie fühlen sich auf der felsigen, struppigen Insel im See so wohl, dass mittlerweile viele Hundert von ihnen hier leben. Nur über einen langen schmalen Damm kann man die Insel mit dem Auto erreichen. Heute ist die ganze Insel ein State Park des Staates Utah.
Mitten im See stehend, wirkt das andere Ufer wie eine Insel


Die Landschaft ist, wie oft in Utah, trocken und felsig und hat doch ihre ganz eigene Schönheit. Das einzig Widerliche hier sind winzig kleine stechende Fliegen, die durch alle Mückengitter durchpassen und bevorzugt Hände, Füße, Kopf und Haare attackieren. Die Ranger gehen zwischen April und Juni nur mit langer Kleidung und einem dichten Netz, das vom Hut abwärts den ganzen Oberkörper bedeckt ins Freie. So was hatten wir nicht und sind wüst zerstochen worden. An unserem eigentlich schönen Campingplatz waren wir leider die meiste Zeit im Auto bei geschlossenen Fenstern. Zum Glück waren sie in den höher gelegenen Regionen etwas weniger aktiv, so dass wir uns dort ganz gut aufhalten konnten. Merke, Antelope Island ist unbedingt eine Reise wert, aber nicht von April bis Juni!




Eine kleine Wanderung oberhalb unseres Campingplatzes




weiße Pelikane


und dann geht über dem See die Sonne unter…

Von ca.1850 bis Mitte des 20. Jahrhunderts sind Teile der Insel als Schaf- und Rinderfarm bewirtschaftet worden. Die ehemalige Ranch ist in ihren Gebäuden belassen und in ein kleines Freilichtmuseum umgewandelt worden.






Quatsch mit Hut…



Der Antelope Island State Park ist Mitglied in der Dark Night Sky Association und kämpft gegen Lichtverschmutzung. Gerade als wir da waren sollte abends eine Sternenparty gefeiert werden: Viele begeisterte Hobbyastronomen bauen ihre Teleskope auf und zeigen und erklären den Besuchern den Nachthimmel.




Alles war angerichtet, aber dann haben uns, und allen anderen, die aufziehenden Wolken die Aussicht verhagelt und das größte Spektakel hat die untergehende Sonne geliefert.



Auch wenn das Wasser des Sees nicht besonders verlockend roch wollte Moritz am letzten Tag unbedingt noch ausprobieren, ob bei 14% Salzgehalt das gleiche für den See, wie für das noch salzigere Tote Meer gilt: Kann man sich wirklich darauflegen und Zeitung lesen?


Die größte Schwierigkeit bestand darin weit genug hereinzukommen. Der See ist auch nach 50m noch nicht mehr als knietief…

Unsere wasserscheue Mimimaus hat den Sand am Strand bevorzugt

Nicht ganz entspannt…

…aber es geht!

Und sobald die Haut trocknet, sieht man aus wie eine Dorade in der Salzkruste.

