Über die Sierra Nevada – Yosemite und Great Basin NP

Über die Sierra Nevada – Yosemite und Great Basin NP

Der Yosemite Park stand als Wunschziel für diesen Reiseabschnitt ganz oben auf der Liste. Beim letzten Mal sind wir nur bis zur Eingangspforte gekommen. Anfang April lag damals noch so viel Schnee, dass der Park nur mit Schneeketten zu befahren war, die wir für unseren Mietcamper (noch) nicht hatten. Diesmal kamen wir aus Richtung Süden und hatten Glück, dass tags zuvor der Crane Flat Campground für die Saison eröffnet wurde. Allein dadurch hatten wir eine Chance noch einen Platz im Park reservieren zu können. Im Gegensatz zu früher werden die Plätze heute nicht mehr von den anwesenden Rangern nach dem ‚first come – first serve Prinzip‘ vergeben, sondern sind zentral über die reservation.gov Homepage buchbar. Auf dieser Homepage kann man alle Nationalparkcampingplätze in den USA, sowie alle weiteren erforderlichen Permits für die Nationalparks beantragen und bezahlen. Das ist wirklich praktisch – so lange man Internet hat. Empfangen wurden wir als late-arrivals aber ganz old school auf einer Tafel am Tor. Zeit für unser erstes Lagerfeuer blieb auch noch.

Im Park ist für die vielen Besucher sicherlich das Yosemite Valley der erste Anlaufpunkt und dementsprechend werden such die Besucherströme gelenkt. In unserem Nationalparkführer steht, dass man sich, sollte man im Leben nur einen Nationalpark besuchen können, für den Yosemite Park entscheiden solle. Ob ich das so unterschreiben würde kann ich nicht sicher behaupten, aber er ist schon ziemlich weit oben auf der Liste. Für viele Menschen scheint das aber zu gelten und dementsprechend gut besucht ist er auch. Die Besucherströme werden gut kanalisiert und im Valley gibt es neben einer ringförmigen Einbahnstraße durch das gesamte Tal auch einen kostenlosen Shuttleservice für Wanderer. So kommt man vom Parkplatz zu den verschiedenen Trailheads und Informationszentren, Campingplätzen und Geschäften. Und obwohl in der Saison limitierte Einfahrtskarten ausgegeben werden ist es SEHR voll, alle Parkplätze früh belegt und die Campingplätze teils Monate im Vorraus ausgebucht.

Wir hatten, wie gesagt Glück. Unser Campingplatz lag auch nicht im Valley, sondern ca. 1000m weiter ‚oben‘ am nordwestlichen Rand des Tals. Dadurch konnten wir leider nur eine kleine Wanderung direkt vom Campingplatz aus beginnen und mussten für den Rest erstmal fahren. Andererseits hatten wir es dadurch auf dem Campingplatz auch deutlich ruhiger.

Während der Abfahrt ins Tal kommt das erste Mal der ‚Half Dome‘ in Sicht.

Die, für den Yosemite Nationalpark charakteristischen, Granitfelsen sind die Überreste der riesigen erstarrten Magmakammer eines urzeitlichen Supervulkans. Das Tal ist durch die Kräfte eiszeitlicher Gletscher entstanden. Am Grund des Tals befinden sich sumpfige Feuchtwiesen, die von den, von allen Seiten herabstürzenden, Wasserfällen gespeist werden. Im Tal sammelt sich das Wasser dann im Merced River, der in Richtung Pazifik fließt. Solche Dinge weiß ich vorher natürlich noch nicht, sondern lese sie in den oft ziemlich gut gemachten Ausstellungen der Visitorcenter…

Unsere erste Wanderung führte uns zunächst am Talboden entlang zu den Lower Yosemite Falls.

einmal ohne die anderen Besucher….

….und einmal mit. Auch hier wieder: Alles eine Frage der Perspektive!

Aus einiger Entfernung konnten wir dann auch den oberhalb liegenden Upper Yosemite Fall bewundern.

Unten durch den Talkessel zu laufen, zumal bei diesem Wetter, ist schon ganz, ganz großartig!

Nach unserer ersten Runde haben wir zunächst das Visitorcenter angesteuert. Das war in jedem Nationalpark vor allem den Kindern sehr wichtig, da man hier die Aktivitätshefte zum Erhalt des Junior Ranger Abzeichen bekommen kann. Jeder Nationalpark hat ein kleines Heft für Kinder mit Aufgaben, Routenvorschlägen und Rätsel zu dem jeweiligen Park. Je nach Alter müssen die Kinder eine bestimmte Anzahl Aufgaben lösen und dann am Infoschalter einem echten Ranger präsentieren. Wenn man danach noch als Junoir Ranger eingeschworen wurde, darf man das Abzeichen mit nach Hause nehmen. Im Olympic NP waren wir leider außerhalb der Öffnungszeiten am Center, aber spätestens seit den Redwoods waren unsere Kinder auf Abzeichenjagd.

Die Hefte wurden eifrig bearbeitet

und dann die Lorbeeren eingeheimst

Nach den Heften sind wir noch bis zum Ende des Tals zum Mirror Lake gelaufen. Der Name war, einmal erreicht, ziemlich selbsterklärend.

Am nächsten Tag haben wir uns auf einen der beliebtesten Wanderwege des Parks begeben: Am Ende des Tals stürzt der Merced River in zwei großen Wasserfällen von der Flanke des Half Domes entlang ins Tal. Über den Mist Trail erreicht man erst Vernal Falls, dann die Nevada Falls.

Zuerst ging es entlang des Flusses in Richtung der Bergflanke.

Hier wurde es schon so steil, dass die kleinen Mädchen lieber im Schatten am Fluss gewartet haben bis wir drei beide Wasserfälle erklommen hatten.

Der Mist Trail macht im Frühjahr seinem Namen alle Ehre. Sobald man den Teil des Weges direkt neben dem Vernal Fall erreicht wird man regelrecht geduscht. Anfangs habe ich mich noch gefragt, warum andere Wanderer große Regencapes übergezogen haben….wir waren oben wie geduscht, aber durch den Regenbogen zu laufen war unbezahlbar.

Auf dem Plateau des Vernal Falls hieß am Fußes des Nevada Falls….Die Kletterei ging weiter

Hier kommt der Merced River an und fließt im Vernal Fall in die Tiefe

über die Kante, den Mist Trail im Blick

Und dann weiter bergwärts. Am Fuße des Nevada Fall

Zum Glück sind wir früh morgens losgelaufen. Es wurde immer wärmer und die Steigung war enorm.

Endlich oben und nur noch 4 Meilen hätten zum Gipfel des Half Domes gefehlt. Leider hätten wir dafür eine Permit gebraucht.

Der Nevada Fall stürzt in die Tiefe.

Kleine Verschnaufpause auf dem Plateau und dann ging es zurück zu den Kleinen.

Nachdem wir unsere Nase im vorletzten Jahr ins Klettern am Fels gesteckt haben, sind die Mädchen immer vorne mit dabei wenn es eine Boulderwand gibt. Dementsprechend interessiert haben sie auch die Ausstellung über Klettern in den Granitwänden des Parks besucht. Danach wollten wir die berühmten Kletterstellen auch live erleben. Einmal die Hand an die senkrechte Wand von El Capitan legen…

Wir haben unten gestanden und hochgeschaut. Wir haben zwei Kletterern beim Fertigmachen zugesehen und sind selber zwei, drei Meter in die Wand gegangen. Wir haben hoch in der Wand ein Nacht-Biwak gesehen, in dem ein Kletterer auf einem in der Wand hängenden Feldbett schläft bis er oder sie bei Tagesanbruch erneut weiter klettern kann. Und wir haben uns die ganze Zeit gefragt wie es möglich ist, dass da jemand ganz allein und ohne Sicherung hochkommt…

Hier, so wie im ganzen Tal blühten wilde Lupinen.

Und zum Abschied noch ein kurzer Stopp am südlichen Eingang, dem berühmten ‚tunnelview‘. Hier fährt man aus einem Tunnel hinaus und hat, eintretend, das erste Mal einen Blick über das gesamte Tal.

Im Yosemite Nationalpark gibt es noch einen Bereich mit großen Redwoods, den wir ganz bewusst ausgelassen haben. Den Hochgebirgsteil des Parks konnten wir leider auch nicht besuchen, da die Straße über den Tioga Pass noch nicht ausreichend geräumt und somit gesperrt war. (Schade, noch ein Ort an den wir noch einmal wiederkommen müssen…;) )

Über die Sierra Nevada wollten und sind wir trotzdem gefahren. Der Sonora Pass, etwas nördlicher und etwas tiefer gelegen war zwei Wochen zuvor freigegeben worden und wir brauchten nicht einmal Schneeketten. Schnee gesehen haben wir aber noch reichlich.

Immer weiter ging es hinauf. Bis zu 23% Steigung musste unser großes Gefährt auf-und abwärts überwinden und wir haben es nicht geschont. Wir sind mit dem Sonnenuntergang gefahren und die Aussicht war sowohl im Osten, als auch im Westen einfach großartig.

Auf dem Pass! Endlich ganz oben:

Wieder konnten wir anhand der Sierra Nevada eindrucksvoll sehen, was Niederschlagsmengen für die Vegetation bedeuten. Während westlich bis zur Passhöhe Bäumen wachsen, wird es im Osten, im Schatten der Berge sehr schnell trocken und die Bäume werden von Büschen und kleinen Sträuchern abgelöst. ‚Hinter’der Sierra Nevada ist tatsächlich auch noch Californien, aber die Grenze zu Nevada ist bald erreicht. Wir wollten diesmal über Salt Lake City zum Yellowstone Nationalpark fahren, allein, es liegt viel Land dazwischen. Da passte es gut, dass Moritz in einem Reiseführer Bilder vom Great Basin Nationalpark gesehen hatte. Dieser ist unter den Nationalparks weniger bekannt und liegt im Norden Nevadas, nahe der Grenze zu Utah. Vor uns lag aber erst der ‚lonliest highway of the United States‘, entlang der 50 in Richtung Ely. Vor einem: Buschwerk, Wüste und die gerade Straße, hinter einem: Buschwerk, Wüste und die gerade Straße. 18 Meilen ohne Kurve! Aber im Gegensatz zum Süden Nevadas, wo alles flach ist, erheben sich hier am Horizont immer wieder hohe Berge und in den Senken dazwischen grüne Inseln. Hier rollen wie im Western ‚dust devils‘ über die Straße und sieht man Klapperschlangen als ‚roadkill‘. Leben möchte ich hier nicht, aber diese UNENDLICHE Weite zu durchfahren ist ein tolles Erlebnis! SO VIEL PLATZ!

Hier im Norden Nevadas und Utahs sind durch plattentektonische Brüche und Verschiebungen im Laufe der Jahrmillionen mehrere, in Nord-Süd-Richtung parallel verlaufende Bergketten entstanden. Sie ‚fangen‘ die wenigen Wolken, die über die Sierra Nevada kommen, ein und bündeln an ihren Gipfeln den Niederschlag der gesamten Region. Zur Schneeschmelze strömt das Schmelzwasser in Bächen in die tiefer gelegenen Senken, wo es versickert. So entstehen die grünen Vegetationsinseln wie Oasen in der Wüste, die aber ihrerseits keinen Abfluss haben. Exemplarisch für diese besondere Landschaft wurde der Great Basin Nationalpark unter Schutz gestellt.

Bereits bei den Tälern handelt es sichbum Hochebenen, die knapp 2000 Meter über dem Meeresspiegel liegen und die Gipfel der Bergketten steigen bis auf 4000 Meter über dem Meer an. Dementsprechend hielt der Frühling hier noch sehr verhalten Einzug. In der Information hatte man uns gewarnt, dass die hochgelegenen Regionen des Parks ob des Schnees nicht ohne Spikes und Stöcke zu bewandern wären. Moritz und ich wollten es trotzdem versuchen und den Gipfel des Mt.Wheeler erklimmen. Die Mädchen sind lieber auf dem Campingplatz geblieben.

Entlang des Elk Creeks ging es zunächst stetig bergan in Richtung des Mt.Wheeler Trailhead auf 3000m.

Aufmerksame Roosevelt Elk beobachteten uns aus sicherer Entfernung

Espen sind die allgegenwärtigen Laubbäume auf dieser Höhe.

Mittlerweile hatten wir merklich Höhenmeter gemacht:

Kurz vor dem Ausgangspunkt Gipfelwanderung, der auch über eine Panoramastraße zu erreichen ist, dann der erste Schnee:

Zwischen den Bäumen lag der Schnee teilweise noch über einen Meter hoch, aber hier konnten wir immer noch einen Weg über die Schneefelder finden.

Picknickpause

Anders sah es hingegen auf dem letzten Stück in Richtung Gipfel aus. Wir hatten einen SEHR windigen Tag erwischt. Der Wind hatte den ganzen Grat schneefrei geblasen, drohte aber auch uns vom Berg zu wehen. Nachdem wir uns noch einige hundert Meter schwer aufrecht stehend dem Gipfel entgegen gestemmt hatten, entschieden wir uns 200m unterhalb umzudrehen. Ohne Sicherung wäre es in der hochalpinen Gegend wohl zu gefährlich geworden. Einen anderen Wanderer haben wir dort oben getroffen, der von seinem ‚windiest hike ever‘ sprach.

Wenn man so läuft, hat man viel Zeit sich Gedanken zu machen. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich gewundert, mit welcher Vermessenheit wir Europäer eigentlich den Sprachgebrauch in Sachen Gebirge seit mehreren Hundert Jahren dominieren: Vegetationszonen sind sub-, oder hochalpin, Bergsteiger sind ‚Alpinisten‘.

Auf fast allen Kontinenten gibt es doch Gebirge, die deutlich höher und mächtiger sind als unsere Alpen…

Da wir alle im letzten Jahr ziemlich wenig Schnee gesehen haben, hatten auch die Mädchen Lust am folgenden Tag noch eine kleine Tour vom oberen Wanderparkplatz aus in Richtung der Bristlecone Pines zu laufen.

So haben wir uns Anfang Juni unsere Jahresration Schnee abgeholt, inklusive Schneeballschlacht und Rodeln. Und das Beste daran war: Fast alles im leichten Pullover!

Die Bristlecone Pines gehören zu den Koniferen und wachsen dort, wo kein anderer Baum wachsen kann. Dort wo es fast nie regnet und der Boden kaum Nährstoffe enthält haben sie ihre Nische gefunden. Sie wachsen so langsam und haben so wiederstandsfähiges Holz, dass sie uralt werden können. Alle sprechen von den Redwoods, aber diese kleinen Bäume werden bis zu 5000 Jahre alt. Sie sind die ältesten lebenden Wesen des Planeten. Selbst nach ihrem Tod verrotten sie hier so langsam, dass wir Bäume gesehen haben, die vor 300 Jahren gestorben sind, aber immer noch stehen!

Einer der ältesten Bäume der Erde vor dem Panorama des Mount Wheeler

Der Great Basin Nationalpark ist ganz unbedingt eine Reise wert!

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